Erdbeben an der US-Ostküste : Schrecksekunden in New York

Erdbeben an der US-Ostküste : Schrecksekunden in New York

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Erdbeben in den USA

von Angela Hennersdorf

Es war das schwerste Erdbeben an der US-Ostküste mit Schwerpunkt im Bundesstaat Virgina seit 1897. Die New Yorker kommen mit dem Schrecken davon. An der Wall Street knickten die Kurse nur kurz ein.

Was für ein Tag in New York. Endlich steigen wieder einmal die Kurse an der Wall Street.

Geändert hat sich an der weltweiten Wirtschaftslage zwischenzeitlich natürlich gar nichts. Aber, die Hoffnung darauf, dass US-Notenbank-Chef Ben Bernanke am kommenden Freitag auf dem Treffen der Notenbanker in Jackson Hole in den Rocky Mountains eine weitere Geldspritze ankündigen werde, sorgte für Hoffnung bei den Börsianern. Für Auftrieb sorgt zu dem, dass die von der US-Einlagensicherung FDIC geführte Liste der US-Problembanken erstmals seit 2006 wieder kürzer geworden ist. Wird der Dow Jones den zweiten Tag in Folge mit einem Plus beenden?Fast wichtiger als die Kurse an der Wall Street sind für die New Yorker allerdings die Wetter-Nachrichten. Immer wieder kommen an diesem Tag die Berichte über Irene, die im Anmarsch ist. Der Hurrikan bewegt sich aus dem Süden Richtung Norden. Einer meiner Interview-Partner warnt mich eindringlich vor dem Hurrikan. Unbedingt müsse ich die Nachrichten zu Irene verfolgen. Wenn Irene nach New York kommt, womit bis zum Wochenende gerechnet werde, dann rate er mir dringend, New York zu verlassen. „Sie haben kein Auto? Dann setzen sie sich in den Zug und fahren nach Connecticut. Alles ist besser, als in New York zu bleiben“, empfiehlt er. Die Amerikaner und ihr Sicherheitsbedürfnis. Ich hab den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da fängt unser Bürogebäude in Downtown Manhattan an zu wackeln. Die Schnüre der Jalousie beben wie von Geisterhand gerüttelt. Außer mir scheint keiner im Büro etwas zu merken. Ich kenne das Gefühl von vor mehr als zehn Jahren, als im Rheinland dieses Erdbeben war. Ich greife nach meinem Handy und nach meiner Handtasche, zögere. Ist das nun ein Erdbeben oder ist das der Hurrikan? Aber es ist ein strahlender Sonnentag, kein Lüftchen weht! Es ist ein Erdbeben – ein Beben der Stärke 5.9. Das Zentrum des Bebens befand sich etwa 140 Kilometer von der Hauptstadt Washington entfernt im Bundesstaat Virginia. Dort schaltete sich ein Atomkraftwerk automatisch ab, nachdem die Stromversorgung unterbrochen wurde. Die Erdstöße sind von den US-Bundesstaaten Nord- und Süd-Carolina über Washington, New York und Boston bis nach Kanada zu spüren. Das Beben dauert nur eine Minute, das reicht, um die New Yorker in Angst und Schrecken zu versetzen.   Während in unserem Büro-Gebäude niemand reagiert, werden an anderen Orten in New York und Washington Gebäude evakuriert. In Washington das Pentagon und das Kapitol. In New York werden Gerichtsgebäude, das Rathaus und die Tower der beiden Flughäfen John F. Kennedy und Newark geräumt. Der Flugverkehr wird kurzzeitig in Washington, New York  und Philadelphia eingestellt, während Start- und Landebahnen sowie Kontrolltürme auf Schäden untersucht werden. An Ground Zero in New York kommen die Bauarbeiten zum Erliegen.

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An der Wall Street war das Beben auch zu spüren

"Ich dachte, ich habe einen Schwindelanfall“, sagt ein Büroangestellter in New York. Andere fürchteten einen Bombenanschlag. „Mir fuhr ein ziemlicher Schreck durch die Glieder“, sagt eine New Yorkerin in Downtown Manhattan. „Da werden Erinnerungen an 9/11 wach.“ New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg verließ City Hall, als das Gebäude anfing zu schwanken. New Yorks Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance brach die Pressekonferenz ab, in der er über die Einstellung des Verfahrens gegen Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn berichtete.  An der Wall Street war das Beben auch zu spüren, evakuriert wurde das Gebäude allerdings nicht, auch wurde der Handel nicht unterbrochen. Die Kurse gaben etwas nach, aber nachdem klar war, dass es keine Schäden gibt, zogen sie wieder an. Wahrscheinlich lag aber der kurzzeitige Einbruch an der Börse eher an den Aussagen des ehemaligen Fed-Chefs Alan Greenspan. Der hatte gesagt, er rechne mit einem Ende des Euro. Aber seine Worte dämpften die Stimmung und den Euro-Kurs nicht lange. Der Kurs des Euro stabilisierte sich gegen Abend wieder über der Marke von 1,44 US-Dollar. An der Wall Street liegt als einziger Dow-Wert der Kurs von Amerikas größtem Geldhaus Bank of America im Minus. Das Papier verlor 1,87 Prozent auf 6,30 Dollar. Gerüchte kursieren, bei der Bank sei eine Kapitalerhöhung nötig, um Milliardenverluste aus dem Immobiliengeschäft auszugleichen. Die Bank kommt nicht zur Ruhe – schon ist von einer Zerschlagung die Rede. Zum Abend schloss der Dow Jones mit einem schönen Aufschlag von 2,97 Prozent auf 11 176,76 Punkte. Damit beendete er nach einem moderaten Plus vom Vortag den zweiten Tag in Folge in der Gewinnzone –auch, wenn er damit immer noch knapp zwölf Prozent unter seinen Niveau von Ende Juli schloss, bevor die Märkte angesichts der Schuldenkrisen auf Talfahrt gegangen waren. Was für ein Tag in New York.

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