ETF: Kürzel für Erfolg

ETF: Kürzel für Erfolg

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Die Kreditkrise gibt dem Absatz der Indexfonds zusätzliche Impulse.

Quelle:Handelsblatt Online

Sie sind der Hit in Europa: Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Die drei Buchstaben ziehen Anleger und Verwalter magisch an. Erst vor acht Jahren starteten die börsengehandelten Indexfonds. Mittlerweile gibt es mehr als 30 Anbieter, die ein Vermögen von mehr 96 Mrd. Euro verwalten. Und noch ist kein Ende des rasanten Wachstums in Sicht.

Das ist die Erfolgsstory: Indexfonds handeln wie Aktien, jederzeit zum aktuellen und fairen Wert, preiswert, transparent, liquide. Es geht um "Exchange Traded Funds", kurz ETFs. Sie sind der Hit in Europa. Erst vor acht Jahren starteten die börsengehandelten Indexfonds. Und das ist der Status quo: 32 Anbieter, über 400 Produkte, ein Vermögen von mehr als 96 Mrd. Euro, mehr als ein Dutzend Börsenplätze sind im Spiel. Das rasante Wachstum soll anhalten. "Bis zum Jahresende 2010 kann sich der europäische Markt fast verdoppeln und auf 150 Milliarden Euro wachsen", sagt Thorsten Michalik, der die vor einem Jahr angetretene ETF-Sparte der Deutschen Bank führt.

Mit gerade einmal zwei Fonds begann das europäische Geschäft an der Deutschen Börse. Jetzt ist der Großteil des Kuchens auf drei Anbieter verteilt: Barclays Global Investors hat mit seinen "iShares-Produkten" die Platzhirschrolle, gefolgt von Lyxor Asset Management und Deutscher Bank mit ihren "DB X-Trackers". Sie alle wollen in einem jungen und dynamisch wachsenden Markt mitmischen. ETFs locken institutionelle und private Anleger. Vorbild ist hier der Ursprungsmarkt USA, wo rund ein Drittel der Gelder passiv und damit nach Indexvorgaben verwaltet werden. Von diesem Anteil ist Deutschland weit entfernt - das regt die Phantasien an. Die vergleichbare Quote dürfte im niedrigen einstelligen Bereich liegen.

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In Europa dominieren institutionelle Investoren das Geschäft. Hierzulande haben Unternehmen wie der Versorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) und der Reifenhersteller Continental eine Vorreiterrolle übernommen. Sie nutzen die Produkte bei der Anlage von Altersvorsorgevermögen oder zum schnellen Ein- und Ausstieg auf Kapitalmärkten. Die Privatkundschaft ist dagegen noch unterrepräsentiert. In Deutschland hat nur jeder zehnte Privatanleger ETFs, während US-Verbraucher schon fast zwei Drittel ihrer frischen Anlagemittel in diese Produkte stecken. Laut Quirin Bank wird das ETF-Vermögen der deutschen Privatanleger allerdings von jetzt noch sehr bescheidenen 2,5 Mrd. Euro bis zum Jahr 2012 auf über 45 Mrd. Euro anschwellen.

Die Kreditkrise gibt dem Absatz zusätzliche und unerwartete Impulse - bisher zumindest. "Der höheren Liquidität und Transparenz wegen sind manche Investoren von traditionellen Fonds oder auch Zertifikaten auf ETFs umgeschwenkt", sagt Deborah Fuhr, bekannte ETF-Analystin bei Morgan Stanley in London. "Sicherheit" ist in der Krise zu einem überwältigenden Anlagemotiv mutiert. Das interpretieren manche Investoren als Garantie für die Lieferung einer Indexperformance und eines jederzeit liquiden Handels. Liquidität ist gerade nach dem Debakel mit den forderungsbesicherten, aber intransparenten und komplexen Anleihen (ABS) ins Bewusstsein gerückt. Dieser Markt ist immer noch ausgetrocknet.

Auch zwei regulatorische Vorgaben befeuern das Geschäft. Die seit Jahresbeginn geltende EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid fordert eine weiter gehende Offenlegung von Gebühren. Das beschert preisgünstigen Offerten einen Vorteil. Darüber hinaus begünstigt die nahende Abgeltungsteuer langfristige Kapitalanlagen. Als Gewinner gelten insbesondere Dachfonds, die gerne in preisgünstige Produkte investieren werden. "Ich registriere seit einigen Wochen wachsendes Interesse von Privaten", sagt Analystin Fuhr. Sie urteilt ähnlich: "Die im nächsten Jahr eingeführte Abgeltungsteuer motiviert so manchen zum Blick auf die Indexprodukte."

Das bestätigt eine unter Beratern im März und April durchgeführte Umfrage der Managementberatung MC4MS. Immerhin fast jeder fünfte Bankberater bevorzugt mit Blick auf die Abgeltungsteuer passive gegenüber aktiv verwalteten Fonds mit ihren höheren Gebühren. "Wegen der Steuer müssen die Anleger noch mehr als bisher auf die Kosten achten, des Zinseszinseffektes wegen", sagt Marc Ahlers, Mitgründer von MC4MS.

Einige Anbieter und Berater rühren bereits die Trommel. Die Fondsgesellschaft Veritas ist mit mehreren, wenn auch nach Ansicht einiger Experten anspruchsvoll bepreisten Dachfonds für die Anlage in ETFs unterwegs. Die unabhängige Quirin Bank wirbt seit einigen Wochen für sich als "erste ETF-Bank Deutschlands". Quirin gehört zu den wenigen Adressen, die sich der Honorarberatung verschrieben haben. Diese Banken und Berater verdienen nicht am Umsatz mit dem Endkunden, sondern nehmen eine fixe Beratungs- oder eine volumensabhängige Beratungsgebühr. Sie haben kein Interesse an teuren Produkten, an denen nur sie selber verdienen - zu Lasten der Anleger.

Heute ist die Ausgangslage für die weitere Marktexpansion eine andere als noch vor ein paar Jahren. In der Frühphase stand die Auflage neuer Produkte zur Abdeckung weiterer Aktienbereiche und dann die Erschließung neuer Vermögensformen im Vordergrund. Und sogar jetzt noch vereinen in Europa Standard-Aktienmesslatten wie Euro Stoxx 50, Cac 40 und Dax den größten Teil des Geschäftes auf sich. Aber die Aufgaben haben sich nach der Auflagewelle verschoben. "Jetzt geht es weniger um neue Produkte, sondern um eine ETF-Verbreitung in allen Anlegerkreisen", sagt Jan Altmann, Leiter der Unternehmensberatung 4assetmanagement in Frankfurt. Ähnlich urteilt Jim Wiandt, Gründer des Informationsdienstes Indexuniverse.com. "Das Geschäft dreht sich jetzt mehr um Marketing und Vertrieb", sagt der Mann aus New York.

Alle aktuellen Initiativen für Privatanleger starten von sehr niedrigem Verbreitungsniveau. "Die großen ETF-Anbieter werden noch viel Arbeit haben, den Vertrieb über Banken, Sparkassen und vor allem unabhängige Berater weiter auszubauen", urteilt Ahlers. Manche Experten erwarten den Durchbruch im Geschäft mit Privatanlegern sogar erst in einigen Jahren. "Viele rechnen jetzt mit einem Schub, aber das halte ich für einem Irrglauben", sagt beispielsweise Murat Ünal, Vorstand der Beratungsfirma Funds at Work. Seiner Ansicht nach fehlt es im Gegensatz zum ETF-Ursprungsmarkt USA hierzulande an zwei Voraussetzungen: Der Erfahrung der Anleger und einer funktionierenden zweiten Säule in der Altersvorsorge.

In den USA setzte das Interesse der Privaten erst nach Durchsetzung der betrieblichen Vorsorge ein. Hier lernten die Mitarbeiter in den Unternehmen die Vorteile von günstigen, transparenten Produkten kennen. Dazu gehört eine direkte Erfahrbarkeit des sukzessiven Vermögensaufbaus - meist mit Fonds. Die Mitarbeiter können beispielsweise ihr erspartes Vermögen jederzeit online abrufen und verfolgen. Deutschland steht in dieser Betrachtung noch ganz am Anfang. "Wir warten auf die Durchsetzung der zweiten Säule, was über die aus dem Bruttoeinkommen gespeisten Zeitwertkonten kommen müsste", sagt Ünal.

In anderen Weltregionen stehen die Zeichen klar auf Expansion. Immer mehr Börsenplätze und Produktanbieter schalten sich ein. Insbesondere die Emerging Markets sind rege. "Sogar die kleineren Kapitalmärkte beginnen, sich auf dem Feld zu etablieren", sagt Altmann. Tatsächlich starten praktisch alle Länder am Persischen Golf; Israel hat bereits einen florierenden Markt. Die Asiaten machen sich Gedanken: Pakistan und Vietnam denken darüber nach, Malaysia ist schon aktiv. So hat auch Morgan-Stanley-Expertin Fuhr wachsende Chancen, dass ihre globale ETF-Projektion Realität wird: Sie rechnet mit einem Vermögen von zwei Bill. Dollar in drei Jahren. Derzeit sind es 743 Mrd. Dollar. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich diese Schätzung noch als konservativ erweist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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