EU-Emissionshandel: Milliardengeschäft für US-Investoren

EU-Emissionshandel: Milliardengeschäft für US-Investoren

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Wie der Handel mit Emissionsrechten funktioniert. Für die ganze Grafik auf das Bild klicken

von Martin Gerth

An den Klimabörsen können Unternehmen Emissionsrechte im Sekundentakt handeln. Europäische Unternehmen müssen die Emissionrechte kaufen, aber am Handel verdienen vor allem US-Banken.

Für jede Tonne des Treibhausgases Kohlendioxid, die Kraftwerke und Industrie in der Europäischen Union (EU) in die Atmosphäre blasen, müssen sie Emissionsrechte vorweisen. Sie werden als CO2-Zertifikate verbrieft, die Unternehmen handeln können (siehe Grafik).

An den Klimabörsen decken sich Unternehmen auf dem täglichen Spotmarkt mit Emissionsrechten ein, oder sie kaufen am Terminmarkt im Voraus. Die Preise schwanken stark, Handelsgewinne sind drin. Versorger stimmen den Verkauf von Strom und den Kauf von Emissionsrechten aufeinander ab, um ihren Ertrag zu maximieren. Der Emissionshandel ist deshalb eng mit dem Stromhandel verknüpft.

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Amerikaner dominieren

2009 wurden weltweit 112 Milliarden Euro im Emissionshandel umgesetzt, davon allein 92 Milliarden Euro in Europa. Obwohl der Emissionshandel nur in Europa verbindlich ist, kontrollieren vor allem US-Investmentbanken und Vermögensverwalter das Börsengeschäft mit dem Klimaschutz. Die US-Terminbörse ICE hat im April die größte europäische Klimabörse ECX in London geschluckt. Derzeit laufen etwa 90 Prozent des globalen Umsatzes mit CO2-Emissionsrechten über die ICE. In den USA hat der Senat kürzlich ein nationales Klimagesetz abgeschmettert und damit einen eigenen Emissionshandel torpediert – Europa schützt das Klima und der US-Finanzsektor verdient daran.

Derzeit läuft die zweite Handelsperiode für Emissionsrechte, die 2012 endet. Anders als in der ersten Handelsperiode zwischen 2005 und 2007 können Unternehmen ungenutzte Zertifikate in die 2013 startende dritte Handelsperiode übertragen. Damit soll eine Startschwäche des Emissionshandels ausgebügelt werden: Bereits im zweiten Halbjahr 2006 waren die Preise für Emissionsrechte eingebrochen, weil EU-Staaten den größten CO2-Sündern zu viele Emissionsrechte kostenlos zugeteilt hatten. Damit verfielen viele Zertifikate wertlos.

Im Juli 2010 begann der Handel von Emissionsrechten für die dritte Handelsperiode. Unternehmen können sich über Termingeschäfte bereits für die Jahre 2013 und 2014 eindecken. Derzeit kosten die Verschmutzungsrechte an der Leipziger Strombörse etwa 16,50 Euro je Tonne. Das ist weit weniger als die 25 bis 30 Euro, die Befürworter des Klimaschutzes angepeilt hatten, um den Unternehmen Anreize zu geben, in CO2-arme Technologien zu investieren. Der Grund: Energieintensive Stahl- und Zementwerke drosselten konjunkturbedingt die Produktion und versilberten einen Teil ihrer Emissionsrechte an der Börse, was deren Preis drückte.

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