Euro-Banknoten: Angst vor dem Griechen-Euro - Seite 2

Euro-Banknoten: Angst vor dem Griechen-Euro

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Besser läuft es im Pfandhaus. Wir wollen dort Goldschmuck verkaufen – die ollen Ketten und Ohrringe trägt daheim keiner, und in Euro gerechnet gibt es für Gold so viel wie noch nie zuvor. Gold als Inflationsschutz zählt zurzeit nicht – die einzige Inflation, die wir derzeit spüren, ist die Inflation der Goldexperten. Die Scheine, die wir für den Schmuck bekommen, wollen wir in ein paar Wochen oder Monaten, wenn der Goldpreis wieder nach oben dreht, wieder in Gold tauschen – aber nicht in Schmuck, sondern in Krügerrand-Münzen. Und siehe da: Im Exchange-Pfandhaus in der Düsseldorfer Graf-Adolf-Straße wird unser Wunsch nach X-Noten ohne Murren hingenommen. „Kein Problem, wie Sie wollen.“ 

Die Deutsche Bundesbank nimmt dem misstrauischen Mister X und und allen Verschwörungstheoretikern erst mal Wind aus den Segeln. Was sie sagt, klingt nicht nach Geheimcode, sondern plausibel: Eingeführt wurden die Ländercodes, um die Nummerierung der Scheine zu vereinfachen. Jede nationale Zentralbank druckt Banknoten oder lässt welche drucken. Hinter dem Buchstaben habe jede ihren eigenen Nummernkreis. Dank der Länder‧codes müssten die Nummern nicht – um Dopplungen zu verhindern – im Euro-System abgestimmt werden. 

Das ist wie bei den Kfz-Kennzeichen: Weil siebenstellige Ziffern auf kein Schild passen und Zahlen sich nicht doppeln dürfen, gibt es eben auch Buchstaben.

Griechen-Euro ist kein Simbabwe-Dollar

Sicher, der Euro durchlebt gerade seinen ersten wirklichen Härtetest. Es ist nicht auszuschließen, dass Euro-Mitglieder irgendwann aus dem Währungsverbund ausscheiden werden. Die Anleihenmärkte halten das für möglich, die unterschiedlichen Renditen der Staatsanleihen und die Kreditausfallprämien der Euro-Staatsschuldner zeigen dies. Vermutlich würde ein geordneter Rückzug auf einen stabileren Kern-Euro diesen dann sogar stärken. Das alles rechtfertigt aber nicht, zum Horten von X-Noten zu raten – und von Griechenland oder Italien in Auftrag gegebene Euro-Noten gleichzusetzen mit Simbabwe-Dollar.

Selbst noch höhere Risikoaufschläge auf griechische, irische oder österreichische Anleihen münden nicht zwingend in einen Staatsbankrott dieser Länder: „Das Erpressungsspiel ,Ich bin systemrelevant‘ funktioniert nicht nur bei riesigen Finanzinstitutionen, sondern erst recht bei – tatsächlich systemrelevanten – Nationalstaaten“, sagt Thomas Härter, Chefstratege von Swisscanto, der Vermögensverwaltungsgesellschaft der schweizerischen Kantonalbanken.

Die kostspielige Rettung einzelner Mitgliedstaaten vor einem drohenden Staatsbankrott wäre das eigentliche Problem. Sie würde den Euro insgesamt schwächen, egal, ob er auf Sparbüchern oder bar – mit welchen Buchstaben auch immer – gehalten wird. Ein schwäbischer Vermögensverwalter hat seinen Notfallplan in der Schublade: „Wenn Steinbrück ankündigen sollte, die Griechen zu retten, dann bin ich komplett raus aus dem Euro.“ 

Besser ist, wenn man trotzdem lacht. Feierabend, wir gönnen uns zwei Flaschen Kölsch. „Macht 2,40 Euro“, sagt der Kioskbesitzer. Wir reichen ihm einen Fünfer, ziehen aber kurz zurück und schauen auf die Seriennummer. „Ein M, was war noch M? Spanien, nein Portugal“. Wir klären den Kioskbesitzer auf und geben ihm den Schein. Der wirft ihn hoch und jubelt: „Danke, Portugal!“

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37 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.10.2011, 17:18 UhrAnonymer Benutzer: Kunibert

    Dieses an sich gute Nummernsystem wurde leider durch massive grenzüberschreitende bargeldtransporte so verwässert, daß der buchstabe keine Aussagekraft mehr hat.
    So hat auch Die bundesbank italienische banknoten massiv in Umlauf gebracht.
    Ein Schelm, wer glaubt, daß sich die Pigs so vor ihrem bankrott schützen wollten.
    P.S. :Die Geschäfte wollen ihren Mist ja auch nicht zurücknehmen...

  • 01.08.2011, 14:21 UhrAnonymer Benutzer: Philipp

    Naja bei solch "tiefgehender" recherche, sollte man vllt. ebenfalls erwähnen dass nicht nur die seriennummer ein seltsames merkmal ist, sondern auch die tatsache, dass seit dem der erste europäische schein im umlauf ist, auch in griechisch euro drauf steht !
    und jetzt google man nurnoch das beitrittsjahr griechenlands und stellt sich doch glatt die frage - trojanisches pferd untergejubelt ;) ?

  • 16.06.2011, 00:40 UhrAnonymer Benutzer: EZB ist nackt

    Leider liegt Herr Doll hier falsch. Die Euro Scheine, also das bargeld stehen NiCHT in der bilanz der EZb sondern in der bilanz (Passivseite) der einzelnen Nationalen (!) Zentralbanken. Und das bedeutet, wenn die griechische Notenbank pleite ist, sind wirklich nur deren umlaufende markierte (glaube Y) Scheine wertlos.

    Das Mißverständnis entsteht vor allem dadurch das es auf der EZb Hompepage heißt "Konsolidierter Ausweis des Eurosystem" und da denkt man ja als normaler Mensch das der dort vorhandene banknotenumlauf zur EZb gehört. Tja, leider falsch (!) Die EZb ist ein Kaiser ohne Kleider!

    http://www.weissgarnix.de/2011/06/10/ein-marchen-uber-das-notenbankkostum-der-ezb/

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