Euro-Banknoten: Angst vor dem Griechen-Euro

Euro-Banknoten: Angst vor dem Griechen-Euro

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Ist Euro doch nicht gleich Euro? Kritiker fürchten, das die Krise in einzelnen Euro-Ländern der Gemeinschaftswährung massiv schaden könnte.

Die Finanzkrise treibt seltsame Blüten. Misstrauische Zeitgenossen schauen jetzt darauf, welche Zentralbank den Druck einer Euro-Banknote in Auftrag gegeben hat. Ist Euro nicht gleich Euro?

Die Kassiererin des Kölner Rewe-Supermarkts nennt ihn Mister X. "Der Typ will sein Wechselgeld immer in Scheinen mit einem X vor der Seriennummer“, sagt sie. "Er behauptet, das seien deutsche Euros.“ Ob Mister X seine X-Scheine denn auch bekomme, wollen wir wissen. „Och, der ist ja eigentlich ganz süß, also tue ich ihm den Gefallen“, sagt die 23-jährige Blondine. Ihr sei das gleich, Euro sei Euro, ob mit X, Y oder Z, Hauptsache echt. Auf mehr Kunden von der Sorte könne sie aber verzichten. „Die Sucherei in der Kasse würde den ganzen Betrieb aufhalten.“ Recht hat sie – Schlange stehen im Supermarkt ist ärgerlich, egal, ob Finanzkrise oder nicht.

So ist Mister X aus Köln hoffentlich noch ziemlich allein mit seiner Vorliebe für den „deutschen Euro“. 

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Lebt die D-Mark weiter?

Die Europäische Zentralbank listet das X-Problem unter den ihr häufig gestellten Fragen auf: „Enthält die Seriennummer auf den Euro-Banknoten einen Ländercode?“ heißt es auf ihrer Internet-Seite. Antwort: „Anhand des Buchstabens vor der Seriennummer kann man erkennen, welche Zentralbank den Druck einer Banknote in Auftrag gegeben hat.“ Jedem Mitglied der Währungsunion wurde ein Buchstabe zugeordnet. Das X vor der Seriennummer auf dem Euro-Schein steht tatsächlich für Deutschland. 

LändercodeLand der verantwortlichen Zentralbank
XDeutschland
Y Griechenland
TIrland
MPortugal
VSpanien
SItalien
ZBelgien
UFrankreich
RLuxemburg
PNiederlande
N Österreich
LFinnland
HSlowenien
GZypern
FMalta
ESlowakei
FMalta

Lebt die D-Mark also weiter im Gewand des X-Euro? Ist der deutsche Euro am Ende sogar sicherer als andere? Rechtlich ist die Sache eindeutig: Euro ist Euro, egal, woher er kommt. Vor dem Gesetz ist jeder Euro-Schein gleich und muss als Zahlungsmittel angenommen werden. So steht es geschrieben, für Banknoten in den geänderten Vorschriften des Gesetzes über die Deutsche Bundesbank und im DM-Beendigungsgesetz. Nach Paragraf 14 Absatz 1 des Bundesbankgesetzes sind auf Euro lautende Banknoten ab dem 1. Januar 2002 das einzige uneingeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel – es herrscht Annahmepflicht. 

Doch Verträge könne man kündigen und Gesetze ändern, meint Crashprophet Max Otte. Der Professor für Internationale Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft an der Fachhochschule Worms, der 2006 mit dem Buch „Der Crash kommt“ reüssierte, hat gerade einen Beitrag zu dem Thema veröffentlicht: „Wussten Sie, dass es deutsche Euros gibt?“ Die Länderkennzeichnungen auf den Scheinen wiesen darauf hin, dass man ein Auseinanderbrechen des europäischen Währungssystems schon vorhergesehen habe, schreibt Otte. Der Crashprophet empfiehlt seinen Lesern, Banknoten mit den Kennungen S (Italien), T (Irland), Y (Griechenland), V (Spanien), P (Niederlande) und M (Portugal) rasch weiterzureichen. 

Einfach ist das nicht. 

Probe am Bankschalter. Wir wollen sechs Fünfziger, jeweils zwei mit U, Y und S vor der Seriennummer, in Scheine mit X wechseln. Der Kassierer der Commerzbank-Filiale hört nur „wechseln“ und eilt zum Prüfgerät. Blütengefahr gebannt, er kommt zurück und blättert drei Hunderter hin. Nur mit X ist keiner dabei, dafür M, N und V. Neuer Anlauf: „Nein, die Stückelung ist egal, wir wollen Scheine mit einem X vor der Seriennummer, die Euro-Scheine aus Deutschland.“ Der Kassierer schaut uns an, er hält uns für verwirrt. Er selbst ist es aber auch: „Wir bekommen die Scheine von der Landeszentralbank, die sind aus Deutschland.“ Wir kapitulieren. 

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