Existenzgründung: Zukunftsbranchen leiden unter Politik

Existenzgründung: Zukunftsbranchen leiden unter Politik

von Christof Schürmann

Qiagen-Chef Peer Schatz kritisiert Steuerpolitik und Industriesubventionen, sieht aber dennoch Chancen für innovative Unternehmensgründer in Deutschland.

Herr Schatz, würden Sie heute noch in Deutschland ein Unternehmen gründen?

Wenn man die Wahl hat, eher nicht. Die Steuerpolitik hat in der Vergangenheit immensen Flurschaden angerichtet. So hat zum Beispiel die begrenzte Möglichkeit, Anlaufverluste aus Neugründungen steuerlich geltend zu machen, Gründungen massiv behindert.

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Unsere Gründungsquote liegt um zwei Drittel unter der in vergleichbaren Industrienationen. Ist das nur ein Steuerthema?

Nein, nicht nur. Fatal ist auch, dass die Politik weniger kleine Gründerfirmen als vielmehr die alten Industrien fördert. Dabei sind es gerade die neuen Unternehmen, die positive Veränderung und moderne Arbeitsplätze schaffen. Offensichtlich ist doch, dass die Politik gemeinsam mit den Sozialpartnern hier vor allem bewahrt und verwaltet. Das ist leider oft Bestandteil des Systems. Darunter leiden Zukunftsbranchen wie die Biotech-Industrie. In den Ministerien fehlt es meist an intelligenter Querschnittspolitik, die Soziales, Steuern und Forschung verknüpft.

Dennoch bleiben Sie Ihrem Stammsitz in Hilden bei Düsseldorf treu?

Ja, wir sind ja auch kein Startup mehr. Von der lokalen und der Landespolitik bekommen wir Unterstützung. Logistik, Infrastruktur und Nähe zu Universitäten stimmen. Hilden ist aber nur einer unter unseren weltweit über 30 Standorten, wenn auch ein sehr wichtiger.

In der Forschung ist Deutschland Weltspitze, viele Innovationen schaffen aber nicht den Sprung an den Markt, wie etwa das hier entwickelte Dateiformat MP3. Warum?

Hervorragende Forscher haben wir sehr viele, aber zu viel Verwaltung und zu wenig Netzwerke, die eine Kommerzialisierung vorantreiben. In US-Universitäten wird bei Forschung und Entwicklung sofort auch höchst professionell an Vermarktung gedacht. Diese Mentalität müssen wir stärker entwickeln.

Viele Anleger haben zu Zeiten des Neuen Marktes Geld verloren. Sind da Hemmungen, in riskante Geschäftsmodelle zu investieren, nicht verständlich?

Übertreibungen wird es immer geben, Begeisterung für neue Technologien führte damals zur Fehllenkung von Kapital. Anders als in Deutschland hatte aber in den USA die Kapitalbeschaffung junger Unternehmen eine längere Historie. Der Neue Markt war ein wichtiger und für den Industriestandort notwendiger erster Schritt in Richtung einer Plattform, um den Kapitalbedarf junger -Unternehmen zu befriedigen. Aus den Erfahrungen, denke ich, haben wir alle gelernt. Industrie und Anleger sind heute reifer als vor zehn Jahren.

Als Börsenratsmitglied haben Sie 2003 den Neuen Markt mit zu Grabe getragen.

Die Entscheidung ist uns allen damals nicht leichtgefallen.

Wie kommen Gründer heute an Kapital?

Risikokapital gibt es – wenn Sie ein gutes Projekt haben und Kapitalgeber spätere Ausstiegsmöglichkeiten sehen. Dieser Exit ist, vor allem über den Verkauf an ein anderes Unternehmen, nach wie vor sehr gut möglich. Es wäre sehr positiv, wenn wir mehr Gründungen förderten.

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