Expertenkolumne: Richtig versichert bei Berufsunfähigkeit

Expertenkolumne: Richtig versichert bei Berufsunfähigkeit

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Oliver Wagner

Fast jeder vierte Erwerbstätige scheidet vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Die Gründe hierfür sind vielfältig - einer kann die Berufsunfähigkeit sein.

Gerade für Besserverdiener, die eigentlich noch gerne arbeiten würden, kann dies eine erhebliche Verschlechterung des gewohnten Lebensstandards bedeuten.

Ein beliebtes und probates Mittel zur Absicherung dieser Bedarfslücke ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Hier verpflichtet sich der Versicherer zur Zahlung einer monatlichen Rente im Fall der Berufsunfähigkeit.

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Aber Achtung: Viele dieser Verträge werden über Jahre unproblematisch bedient, aber im Fall der Anspruchsanmeldung prüft der Versicherer nochmals ganz genau, ob er wirklich zahlen muss. Immer wieder tauchen dann Probleme im Hinblick auf möglicherweise falsch beantwortete Fragen beim Versicherungsantrag auf. Kann der Versicherer dies nachweisen, führt dies oft zu einem Rücktritt oder zur Anfechtung des Vertrages. Der Berufsunfähige geht dann leer aus.

Deshalb sollte bei Abschluss eines solchen Vertrages ganz sorgsam und genau geprüft werden, was angegeben werden sollte.

Tipp: Um Ärger zu vermeiden, im Zweifel lieber zuviel als zuwenig mitteilen.

In folgenden Fällen konnte sich der Versicherer mittels Rücktritt oder Anfechtung vom Vertrag lösen:

Wenn die Frage nach regelmäßigem Alkoholkonsum verneint wurde, obwohl der Versicherungsnehmer in der Vergangenheit mehrmals wegen alkoholbedingter Straftaten verurteilt wurde (KG, VersR 07, 234).

Verschweigen einer ärztlich diagnostizierten Hirnathropie. Zwei Jahre nach Vertragsschluss trat Berufsunfähigkeit wegen Multipler Sklerose ein (OLG Koblenz, OLGR 02,339).

Wenn der Versicherungsnehmer die Frage nach ärztlichen Untersuchungen mit „Routineuntersuchung“ beantwortet, tatsächlich in dieser Untersuchung aber deutlich erhöhte Leberwerte festgestellt wurden (KG, VersR 07,933).

Wenn bei der Antragstellung die Berufsangabe „Krankenpfleger“ gemacht wird, der Versicherungsnehmer tatsächlich aber seinerzeit arbeitsunfähig und arbeitslos war (KG, VersR 07, 973).

Wenn bei der Antragstellung objektiv falsche Angaben über die versicherte Person gemacht werden und nicht offen gelegt wird, dass eine tatsächliche Kenntnis vom Gesundheitszustand der versicherten Person fehlt. In dem konkreten Fall hatte ein Vater für seine Tochter entsprechende Angaben gemacht (KG, VersR 07,381).

Ein Rücktritts- oder Anfechtungsrecht des Versicherers wurde allerdings verneint bei einer Bordellbesitzerin, die bei Antragstellung ihr Bordell als Pension auswies. Grund: Der Versicherungsagent hatte Kenntnis vom Gewerbe. Dies war dem Versicherer zurechenbar (OLG Koblenz, VersR 02,1145).

Durch die Reform des Versicherungsvertragsgesetzes hat sich die Rechtslage jetzt deutlich zugunsten der Versicherten verbessert.

Für nach dem 1. Januar 2008 abgeschlossene Verträge gilt, dass der Versicherungsnehmer nur noch auf schriftlich gestellte Fragen antworten muss. Weitergehende Mitteilungspflichten hat er nur noch im absoluten Ausnahmefall. Nur wenn eindeutig gefahrrelevante Umstände arglistig nicht angezeigt werden, kann hier noch eine Lösung des Versicherers vom Vertrag erfolgen. Das Risiko einer Fehleinschätzung liegt also nicht mehr beim Versicherten, sondern bei der Versicherung.

Auch muss er keine zwischen Antragstellung und Vertragsabschluss hinzu gekommenen Umstände nachmelden, wenn nicht der Versicherer vor Vertragsannahme in Textform nachfragt.

Tipp: Wenn dennoch ein Rechtsstreit mit dem Versicherer geführt werden muss, ist dieser oft langwierig und teuer. Zudem trifft es den Versicherten häufig in einer Situation, in der die Finanzdecke zusammenbricht. Es lohnt sich gegebenenfalls, gleichzeitig eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, die dieses Risiko abdeckt.

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