Finanzagentur: Bankenlobby vereitelt Privatanleger-Pläne des Bundes

Finanzagentur: Bankenlobby vereitelt Privatanleger-Pläne des Bundes

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Carl Heinz Daube - Chef der Finanzagentur des Bundes

von Hauke Reimer

Der Bund knickt vor der Banken-Lobby ein, neue Zinspapiere für Privatanleger wird es vorerst nicht geben.

Auf den ersten Blick ist es ein Win-Win-Geschäft, vorteilhaft für Steuerzahler und Anleger: Wenn der Bund mehr Wertpapiere an Private verkauft, wird er weniger abhängig von Großanlegern und kann sich günstiger verschulden. Sparer leihen einem der weltweit sichersten Schuldner ihr Geld und kassieren spesenfrei attraktive Zinsen. So stellte sich der Bundestag die Zukunft des Privatkundengeschäfts der Finanzagentur vor, die die Schulden des Bundes managt. 2006 verabschiedete der Bundestag, auch mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP, ein Gesetz, mit dessen Hilfe mehr Privatkunden gewonnen werden sollten, „zur Diversifizierung der Kreditaufnahme“ und um „dem Bürger zugleich eine sichere Geldanlage beim Bund anzubieten“.

Gesagt, getan: Im Juli 2008, rechtzeitig zur Eskalation der Finanzkrise, kam der Bund mit seiner Tagesanleihe auf den Markt. Die Finanzagentur warb mit einer behäbigen Schildkröte für die „entspannendste Geldanlage Deutschlands“. Agentur-Chef Carl Heinz Daube blies zur Offensive, wollte die Zahl seiner Kunden auf eine Million verdoppeln. Für Ende 2009 plante Daube einen Sparplan, über den Anleger regelmäßig in einen Korb von Bundeswertpapieren investieren sollten. Auch an inflationsgesicherten Schatzbriefen wurde in der Agentur im Frankfurter Mertonviertel gebastelt.

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Mit Kanonen auf Spatzen

Doch davon ist heute keine Rede mehr. Die Schuldenmanager des Bundes hatten ihre Rechnung ohne Banken und Sparkassen gemacht. Deren Verbände liefen Sturm gegen die Privatanleger-Pläne. 2008 wetterte der damalige Bankenpräsident Klaus Peter Müller, dessen Commerzbank wenig später vom Staat gerettet werden musste, gegen „beachtliches Fehlverhalten und einen Verstoß gegen die soziale Marktwirtschaft“. Ein schweres Geschütz, gerichtet gegen einen Spatzen: Nur 13 Milliarden von aktuell 1016 Milliarden Euro Bundesschulden liegen bei Privatanlegern – ein Taschengeld für die durch Steuergelder alimentierten Banken, bei denen die Deutschen allein 577 Milliarden als Spareinlagen halten. Weitere 200 Milliarden verwaltet die Branche – mehr schlecht als recht und gegen saftige Gebühren – in Geldmarkt- und Rentenfonds.

Bei FDP und CDU/CSU fanden die Banken dennoch Gehör. Nach der Bundestagswahl fand sich auf Seite 21 des Koalitionsvertrag eine kleine Passage: „Die Finanzagentur Deutschland soll unter Berücksichtigung der haushalterischen Belange des Bundes so wenig wie möglich mit Kreditinstituten in Wettbewerb treten.“ Stark gemacht haben soll sich für die Klausel Steffen Kampeter (CDU) – heute Staatssekretär im Finanzministerium.

Kaum Spielraum für neue Offensive

Das Ministerium sagt dazu, dass die Produktpalette der Finanzagentur beibehalten werde, bis die im Koalitionsvertrag angesetzte Prüfung durchgeführt sei. Wie lange die dauere? „So schnell wie möglich, so lange wie nötig“, sagt eine Sprecherin.

Der Koalitionsvertrag dürfte aber kaum Spielraum für eine neue Privat-Offensive lassen. Für Anleger ist das schlecht. Zurzeit sind die Zinsen, die der Bund bietet, zwar dürftig: 0,49 Prozent bringt die Tagesanleihe, fünfjährige Schatzbriefe rentieren bei zwei Prozent. Doch auf lange Sicht lohnen sich Bundespapiere. Nach einer Studie der Uni München brachten die als langweilig verschrienen Schatzbriefe vom Typ B seit 1979, wenn sie fünf Jahre gehalten wurden, im Schnitt 6,4 Prozent Rendite pro Jahr. Damit waren sie kaum schlechter als Aktien, die über fünf Jahre 7,7 Prozent abwarfen – bei viel höherem Risiko.

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