Finanzaufsicht: Die Wetten laufen weiter

Finanzaufsicht: Die Wetten laufen weiter

Bild vergrößern

Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdeinstleistungsaufsicht (BaFin)

Pünktlich zur Bundestagsdebatte über das Euro-Notpaket verbietet die Finanzaufsicht Wetten gegen Staatsanleihen. Doch die laufen weiter - in London.

Klingt gut, kostet nichts: Aus politischer Sicht hat das Verbot, auf Kursverluste bei deutschen Bankaktien zu wetten, seine Vorzüge. Auffällig: Die Finanzaufsicht BaFin verkündete die Maßnahme am Abend vor der Bundestagsdebatte über das Euro-Notpaket. Untersagt wurden auch Wetten auf fallende Staatsanleihekurse mit Kreditderivaten (Credit Default Swaps, CDS). Politisch bringt der Vorstoß Entlastung für Bundeskanzlerin Angela Merkel, die bei ihrer Bundestagsrede am Mittwoch nach Sätzen wie "langfristige Stabilität ist ohne gesunde Staatsfinanzen nicht denkbar" ausgelacht wurde.

Die Spekulation auf Euro-Staatsbankrotte und gegen Bankaktien wird aber weitergehen wie zuvor: Die BaFin klingt streng, lässt den Markt aber fast unberührt. Denn die jetzt verbotenen ungedeckten Leerverkäufe von Bankaktien sind die Ausnahme. Dabei handelt es sich um Geschäfte, bei denen ein Spekulant eine Aktie verkauft, die er nicht besitzt. Viel häufiger sind aber gedeckte Wetten auf fallende Kurse, bei denen Spekulanten Aktien leihen und dann auf den Markt werfen — in der Hoffnung, die Aktie später günstiger kaufen zu können, wenn sie sie zurückgeben müssen. Derzeit sind fünf Prozent der Commerzbank-Aktien verliehen und ein Prozent der Deutsche-Bank-Aktien, meldete der Datenanbieter Data Explorers. Wer auf fallende Kurse bei der Deutschen Bank oder der Commerzbank setzen will, kann das also weiter tun. Privatanleger können dafür ein Shortzertifikat nutzen.

Anzeige

Das deutsche Verbot läuft ins Leere

Eine andere Möglichkeit, gegen Banken zu wetten, sind CDS. Ein Kreditderivat, das Deutsche-Bank-Anleihen gegen Zahlungsausfall absichert, kostete am ersten Geltungstag der BaFin-Verbote zeitweise 1,58 Prozent der versicherten Summe an Jahresprämie, am Vortag waren es nur 1,48 Prozent. Wer das Kreditderivat gekauft hatte, ohne Deutsche-Bank-Anleihen zu besitzen, machte sieben Prozent Spekulationsgewinn.

Das deutsche Verbot, mit Kreditderivaten gegen Euro-Staatsanleihen zu wetten, läuft ins Leere. Denn der CDS-Handel spielt sich in New York und London ab. "Wir werden unser CDS-Geschäft in London weiterführen wie bisher, weil die britische Finanzaufsicht ungedeckte CDS-Käufe bei Euro-Staatsanleihen nicht verbietet", hieß es aus einer deutschen Bank.

"Der Euro wird angegriffen", verteidigte BaFin-Chef Jochen Sanio die Verbote im Bundestag. Auf einen fallenden Euro können Spekulanten übrigens weiterhin an den Terminbörsen wetten. Wären Staatsanleihe-CDS weltweit verboten, würden das auch noch mehr Hedgefonds tun als ohnehin schon.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%