Finanzierung: Eigenkapital der Dax- und MDax-Werte stark gesunken

Finanzierung: Eigenkapital der Dax- und MDax-Werte stark gesunken

von Christian Ramthun

Die im Dax und MDax gelisteten Unternehmen haben in der Wirtschaftskrise massiv an Eigenkapital verloren.

Nach einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte für die WirtschaftsWoche verloren die 80 Unternehmen seit Ende 2007, dem Zeitpunkt vor der Krise, Eigenkapital im Umfang von 32 Milliarden Euro. Damit sank die Eigenkapitalquote von 32,8 auf 30,9 Prozent. Dabei verzerrt der Durchschnittswert die reale Lage erheblich. Viele Dax-Konzerne haben ihr Eigenkapital in der Krise stabil gehalten oder sogar ausgebaut, andere sind bedenklich abgerutscht. So erreichen auch jetzt Merck, SAP, Beiersdorf und Salzgitter Eigenkapitalquoten von mehr als 50 Prozent. Unternehmen wie Bayer, Fresenius Medical Care, K+S und MAN haben zur Krisensicherung ihr Eigenkapital noch erhöht.

Dagegen sieht es bei den Finanzkonzernen dramatisch aus. Die Eigenkapitalquote der Deutschen Börse ist auf nur noch 1,8 Prozent abgerutscht. Sie ist damit Schlusslicht im Dax. Nur unwesentlich besser ist der Wert der Deutschen Bank mit 2,1 Prozent. Aber auch andere Finanztitel verfügen über nur noch geringes Eigenkapital. Betroffen sind die Münchener Rück (Quote: 10,2 %), der Versicherungskonzern Allianz (7,2 %) und die Commerzbank (3,2 %). Gleiches Bild im MDax. Hier bilden Postbank (2,2 %), Aareal Bank (5,0 %) und die Hannoversche Rück (9,8 %) die Schlusslichter. Allerdings ist die Quote des von der Bankenaufsicht akzeptierten „regulatorischen“ Eigenkapitals, wozu auch Nachrangdarlehen und Genussrechte gehören, deutlich höher.

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Dramatisch verloren haben auch die im MDax gelisteten Automobilzulieferer. Deren Eigenkapitalquote schrumpfte in der Krise von 40 auf 25 Prozent. Die großen Autokonzerne verharrten dagegen nur wenig verändert bei einem Viertel. „Das Eigenkapital wird von Monat zu Monat aufgezehrt“, warnt Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VMDA) in der WirtschaftsWoche. 20 Prozent Produktionseinbruch in diesem Jahr werden bei den Maschinenbauern am 31. Dezember 2009 tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Dann setzt ein „gefährlicher Automatismus“ ein, wie Hesse fürchtet. Weil das Eigenkapital schrumpft, werden die Banken laut Basel-II-Vorschriften ihre Kreditkonditionen verschärfen, die Zinsen erhöhen oder Darlehen kündigen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble plant deshalb Maßnahmen, um die Eigenkapitalquote der Unternehmen zu erhöhen. „In der Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt sich der Wert des Eigenkapitals, da es bedrohten Unternehmen ermöglicht, Liquiditätsengpässe und Auftragsflauten zu überbrücken und am Markt zu bleiben“, zitiert die WirtschaftsWoche aus einem Papier des Bundesfinanzministeriums im Vorfeld des Kanzlergipfels am kommenden Mittwoch. Der BDI fordert in einem der WirtschaftsWoche vorliegenden Vorbereitungspapier zum Gipfeltreffen, bei dem es um die Kreditversorgung der Unternehmen geht, eine „Eigenkapitaloffensive“. Nach Angaben von DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier sind für die niedrige Eigenkapitalquote falsche Anreize der Steuerpolitik mit „einer starken steuerlichen Ungleichbehandlung von Eigenkapital und Fremdkapital“ mitverantwortlich. In Deutschland sind die kalkulatorischen Kosten des Eigenkapitals – anders als Fremdkapitalzinsen – nicht abzugsfähig als Betriebsausgaben. Konsequenz: Eigenes Geld ist teurer als geborgtes Kapital.

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