Finanzierung: Kritik an Kreditversicherern objektiv unberechtigt

Finanzierung: Kritik an Kreditversicherern objektiv unberechtigt

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Joachim Neusser, Geschäftsführer der ProCreda GmbH

Die Konditionen für eine Darlehensabsicherung bei Kreditversicherungen sind häufig günstiger als die neuen staatlichen Programme. Die vielfach geäußerte Kritik an den Kreditversicherern hält einer objekiven Betrachtung nicht stand - das Zeichnungsvolumen ist nur wenig zurückgegangen. Was Unternehmen bei Lieferantenkrediten beachten sollten.

Die Größenordnung der kumulierten Lieferantenkredite im B2B-Trade entspricht betragsmäßig den optional kurzfristigen Betriebsmittelkrediten durch Banken. Dennoch gibt es einen bedeutenden Unterschied: Traditionelle Kreditinstitute besichern ihre kurzfristigen Kredite de facto komplett, während nur etwa die Hälfte aller Waren-Kreditgeber deren Schuldnern weitgehend ungeprüft und oft nur per einfachem Eigentumsvorbehalt Lieferantenkredite blanko gewähren. In der Finanz- und Wirtschaftskrise hat dies unter anderem zu einem deutlichen Anstieg der Folgeinsolvenzen der Gläubiger geführt.

Diejenigen Unternehmen, die über Kreditversicherungsprogramme deren Debitorenmanagement auf eine gesicherte kalkulatorische Basis stellen, sahen sich allerdings in der aktuellen Krise mit der Situation konfrontiert, dass einige bonitätsmäßig schwache oder dubiose Abnehmer nur noch eingeschränkt oder gar nicht durch den Anbietermarkt gezeichnet wurden. Die Kreditversicherer reagierten damit auf die sich verschlechterten Fundamentaldaten bei der Finanzanalyse zur deren Kreditevaluierung.

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Zeichnungspolitik widerspricht Kritik

In der sogenannten Realwirtschaft wurde diese Reaktion der Kreditversicherer mit zum Teil erheblicher Verstimmung aufgenommen und kommentiert. Das Bonmot des „paradoxen Regenschirm-Verleihers" machte die Runde: Bei Sonnenschein den Regenschutz borgen, bei Regen denselben aber zurückfordern. Diese Wahrnehmung spiegelt aber nur in wenigen Ausnahmen die Zeichnungspolitik objektiv wieder. Insbesondere betrifft sie keine komplette Branche oder Segmente. Das Ausmaß des von Kreditversicherern reduzierten Zeichnungsvolumens ist nur rund 2,5 Prozent niedriger als Ende 2007, also kurz vor der eigentlichen Bankenkrise. Damit ist der Wert kongruent der empirischen Schwankungen, die prinzipiell jeden anderen konjunkturellen Zyklus beschreiben. Und das umgekehrt der Kreditversicherungsmarkt gar im gleichen Umfang zusätzliche Kapazitäten, wie in Haussephasen meist möglich, nicht anbieten konnte, ist insbesondere nachvollziehbar.

Allein durch die parallel wirkende vorsichtige Kreditvergabepraxis der Banken, vulgo Kreditklemme, die die Käufer zu (vereinbarten oder stillschweigen akzeptierten) Zahlungszielausweitungen zwangen, potenzierten sich deren Liquiditätsprobleme. Die teilweise harsche Kritik an den Kreditversicherern mit Pauschalverurteilungen ist also nicht generell angemessen.

Soffin-Mittel ausgedehnt

Da sich die doppelt wirkende „Kreditklemme" nichtsdestoweniger unmittelbar negativ auf die gesamtwirtschaftliche Umsatzentwicklung auswirkt, sah sich das Bundeswirtschaftsministerium auf Druck von einigen stärker betroffenen Branchen gezwungen, die Soffin-Mittel im Rahmen der zweiten Bundestranche auch auf den Kreditversicherungssektor auszudehnen: Als Unterstützung der kreditversicherten Unternehmen und nicht etwa der risikotragenden Anbieter, wie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft nachdrücklich erklärt. Noch vor der Bundestageswahl 2009 wurde folglich eine schnelle Ergänzung, um das während der Krise reduzierten Gesamtvolumens von rund 7,5 Milliarden Euro, zugesagt.

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