Finanzinvestoren: Ohne den Wirt

Finanzinvestoren: Ohne den Wirt

Bild vergrößern

Glücklich wird Blackstone im Moment mit seinem Investment in die Deutsche Telekom AG nicht

Mit Unternehmen aus den Portfolios von Finanzinvestoren haben Anleger zuletzt viel Geld verloren. Wendet sich nun das Blatt?

Die Rechnung von Stephen Schwarzman, Boss des Finanzinvestors Blackstone, war ganz einfach: Man nehme 400 Millionen Euro aus der Kasse, leihe sich 2,3 Milliarden Euro von der Deutschen Bank zu günstigen Konditionen und kaufe sich mit der Gesamtsumme von 2,7 Milliarden Euro 192 Millionen Aktien der Deutschen Telekom. Mit den hohen Dividenden der Bonner bediene man erst die Zinsen für den Deutsche-Bank-Kredit und behalte dann noch 50 Millionen Euro für sich. Der Kurs der T-Aktie muss dann nur noch pro Jahr um müde 65 Cent steigen und schwupp – kann Schwarzman den Blackstone-Investoren 2011 wiederum stolz eine jährliche Rendite von 30 Prozent auf die eingesetzten eigenen 400 Millionen Euro zeigen.

Doch Schwarzman machte die Rechnung ohne den Wirt. Die T-Aktie hängt notorisch unter seinem Einstiegskurs von 14 Euro und erfüllt selbst Schwarzmans geringe Ansprüche an den erhofften Kurszuwachs nicht. Finanzkrise und Absturz an den Börsen haben nicht nur die Telekom-Aktie, sondern auch die Kurse anderer Unternehmen, bei denen Finanzinvestoren mit an Bord sind, stark getroffen. Nicht alle Papiere sind bereits günstig, doch Anleger finden durchaus die eine oder andere Perle, die langfristig Chancen bietet – selbst wenn man mit ins Kalkül zieht, dass der Abwärtstrend an den Börsen noch längst nicht ausgestanden sein dürfte.

Anzeige

Telekom-Chef René Obermann präsentierte am vergangenen Donnerstag zwar einen dramatischen Gewinneinbruch von 82 Prozent auf 569 Millionen Euro. Um seine Großaktionäre – neben Blackstone der Bund – milde zu stimmen, zahlt Obermann dennoch eine üppige Dividende von 78 Cent pro Aktie. Allein die hohe Rendite von über sechs Prozent macht die Aktie zu einem Kauf, zumal die Dividende so bald nicht gesenkt werden dürfte. „Der Druck von Blackstone und dem Bund für eine hohe Dividende ist da, schließlich verdienen die nichts am Kurs“, so Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck & Co in München. 3,4 Milliarden Euro Ausschüttung fließen am 16. Mai in die Aktionärssäckel. Dass Obermann danach kaum mehr Geld für Investitionen übrig hat, liegt auf der Hand. „Die Telekom ist vor allem mit sich selbst und Kostensenkungen beschäftigt“, so Kitz.

Schwarzman dürfte das mit Unbehagen beobachten. Sein Einstieg bei der Telekom wurde vor zwei Jahren als Meilenstein für die Private-Equity-Industrie in Deutschland gefeiert. Nicht mehr nur kleine Autozulieferer aus Schwaben sollten geschluckt, sondern selbst Dax-Konzerne von Heuschrecken gekauft, zerlegt und weiterverkauft werden. Linde, Daimler, Siemens – kaum ein Konzern blieb ungenannt.

Heute ist davon keine Rede mehr. Ohne Moos nichts los, die dringend notwendigen Kredite für eine Großübernahme bleiben auf den Büchern der klammen Banken. Und nicht nur Blackstones 4,4-prozentiges Engagement bei der Telekom liegt tief unter Wasser. Auch die großen Börsengänge von Unternehmen, mit denen sich die Finanzinvestoren Cash für die Dax-Megadeals hereinholen wollten, erwiesen sich als Flop.

Gut 50 Prozent unter ihrem Kurshoch liegt beispielsweise die Aktie von Gagfah. Unter viel Getöse war das Immobilienunternehmen im Herbst 2006 an die Börse gekommen. Mit Finanzinvestor Fortress im Rücken wollte das Unternehmen den deutschen Immobilienmarkt aufrollen.

Gagfah sollte die Initialzündung für eine Welle von Börsengängen großer Immobilienunternehmen werden. Endlich, so die Hoffnung internationaler Finanzinvestoren, werde Deutschlands erschlaffter Markt für Mietshäuser und Eigentumswohnungen aus seinem Dornröschenschlaf erweckt.

Daraus ist nichts geworden. Der Markt lahmt, die Immobilienpreise stagnieren, ebenso wie die Mieteinnahmen. 4,95 Euro Mieterlöse je Quadratmeter Wohnfläche hatte Gagfah Aktionären versprochen, im Schnitt 4,83 Euro erzielt das Unternehmen bei seinen 169.000 Wohnungen derzeit nur. Ob der schwachen Entwicklung überwarf sich jüngst Gagfah-Finanzvorstand Martin Löffler mit Fortress-Europachef Robert Kauffman und zog nur 15 Monate nach dem Börsengang von dannen. So heimlich und leise, dass Gagfah seine Aktionäre über den Abgang Löfflers vor einem Monat nicht einmal informierte.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%