Finanzkrise: Bloß nicht die Finger verbrennen

KommentarFinanzkrise: Bloß nicht die Finger verbrennen

Nach dem überraschenden Kollaps des Versicherungsgiganten AIG scheint an der Wall Street nichts mehr unmöglich.

Das fühlt sich an wie 87,“ erinnert sich ein älterer Börsenhändler an den Absturz der Kurse an der Wall Street vor mehr als 20 Jahren. Andere lamentieren bereits über die größte Krise seit 1929, als der Börsencrash die Weltwirtschaftskrise beschleunigte. Wenn der Dow Jones an einem Tag über 500 Punkte verliert und zwei Tage später nochmals 450 Punkte, kann man schon von einer gewissen Panik sprechen.

Es trägt auch nicht zur Beruhigung der Nerven bei, wenn am Wochenende zuvor die Top-Manager führender US-Banken in hektisch zusammengerufenen Notsitzungen praktisch einen kollektiven Offenbarungseid abgegeben haben. Niemand sah sich in der Lage, Lehman zu retten. Gut 48 Stunden später wiederholte sich das traurige Schauspiel in atemberaubendem Tempo beim Versicherungsgiganten AIG. Erneut war der verängstigte private Sektor unwillens und unfähig, das Geld zusammenzubringen um Überlebenshilfe zu leisten.

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Immerhin zeichnen sich mittlerweile aber zumindest die Konturen einer Konsolidierung ab. Weniger Schwache übernehmen Bedrohte und Angeschlagene, die Bank of America kauft Merrill Lynch, Morgan Stanley schlüpft vielleicht bei Wachovia unter, für die Sparkasse Washington Mutual scheint es mehrere Bewerber zu geben.

Für unverbesserliche Optimisten ist das schon Grund genug, die Bankenkrise nun als beendet zu erklären und sogar lange nicht gesehene Kaufgelegenheiten zu propagieren, insbesondere im Finanzsektor. Doch dieses Getrommel hören wir in diesem Jahr bereits zum dritten Mal. Im März hieß es, die Übernahme und Rettung von Bear Stearns durch JP Morgan Chase markiere die Wende.

Dann sollte die Verstaatlichung der Mega-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac Anfang September für den Umschwung sorgen, jetzt die Quasi-Verstaatlichung von AIG, mit der der Totalzusammenbruch verhindert worden sei. Doch langsam. Wer sich zurücklehnt und erst einmal tief durchatmet, stellt fest, bisher ist es bestenfalls ein Crash auf Raten, der die Kurse an den wichtigsten Börsen nur rund 25 Prozent unter die Höchststände von vor knapp einem Jahr gedrückt hat.

1987 brachen die Kurse an einem Tag um mehr als 22 Prozent ein. Tatsächlich ist die Krise an den Finanzmärkten viel schlimmer, als es der bisherige Rückgang der Kurse widerspiegelt. Die mittelfristigen Folgen für den Rest der Wirtschaft sind überhaupt noch nicht absehbar. Und wer bei Aktien zu früh zugreift, den bestraft die Mathematik: Nach einem 50-Prozent-Verlust muss eine Aktie um 100 Prozent steigen, um nur den Einstiegskurs wieder zu erreichen – eine ganz simple Rechnung.

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