Finanzkrise: Europas Börsen im freien Fall

Finanzkrise: Europas Börsen im freien Fall

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An den Märkten herrscht weltweit eine Mischung aus Verzweiflung und Panik

An den Börsen droht heute weltweit ein weiterer Kahlschlag. Die asiatischen Märkte haben über Nacht bereits vorgegeben, wo die Fahrt hingeht: steil nach unten. Daran ändert wohl auch nichts, dass die britische Regierung jetzt mit Bankenteilverstaatlichungen gegen die Krise vorgeht. Der Dax stürzte heute morgen bereits unter die symbolische wichtige 5000-Punkte-Marke. Die Moskauer Börse hat heute Morgen bereits den Aktienindex MICEX vom Handel ausgesetzt.

Die europäischen Börsen sind heute morgen abgestürzt. Der deutsche Leitindex Dax riss dabei die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten. Er fiel zeitweise sogar unter 4900 Punkte. Gegen 10.15 Uhr lag der Leitindex in Franfkurt noch mit 6,8 Prozent im Minus bei 4963. Zuvor war er schon bis auf 4870 Punkte zurückgefallen, der niedrigste Stand seit drei Jahren. Auch die französische Börse ist  in der ersten Stunde nach Öffnung um 8,2 Prozent abgestürzt. Der Index der 40 wichtigsten notierten Unternehmen (CAC 40) verlor 305,37 auf 3426,85 Punkte. Am härtesten traf es abermals die belgisch-französische Kommunalbank Dexia, ihr Kurs schmierte um 17,12 Prozent ab. 

Die Verkaufswelle trage panikartige Züge und Gegenwehr gebe es überhaupt nicht, erklärte ein Händler.  „Es gibt große Angst, dass die Finanzkrise auf die Realwirtschaft durchschlägt“, sagte ein anderer Börsianer.

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Daran ändert offenbar auch ein Rettungsversuch der britischen Regierung nichts. Zur Wiederherstellung von Stabilität auf dem Finanzmarkt will das Labour-Kabinett Banken teilverstaatlichen.

Dies erklärte das Finanzministerium in London heute Morgen vor Öffnung der Börse. Bei den acht Banken handelt es sich um Abbey, Barclays, HBOS, HSBC, Lloyds TSB, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland und Standard Chartered. Der sogenannte Rekapitalisierungsplan bietet bis zu 50 Milliarden Pfund (64,5 Milliarden Euro) in Form von Vorzugsaktien.

Finanzminister Alistair Darling sagte, die Regierung reagiere damit auf außergewöhnliche Umstände. Zugleich erklärte er, dass der Prozess Zeit brauche. „Es ist keine sofortige Änderung, sondern eine Restrukturierung“, sagte Darling im Fernsehsender Sky News. Das System werde damit stabilisiert, und dies sei sehr wichtig. Die Bank von England werde außerdem weitere kurzfristige Kredite anbieten. Mindestens 200 Milliarden Pfund sollten für bis zu drei Monate bereitgestellt werden.

Ebenso wie in den USA dürften auch in Europa heute die Finanztitel die Hauptrolle im Börsenzirkus für sich beanspruchen. Deutsche-Bank-Aktien werden vorbörslich neun Prozent, Allianz sieben Prozent tiefer gehandelt. Allerdings lassen im vorbörslichen Handel auch Werte aus anderen Branchen kräftig Federn. „Verkauft werden insbesondere zyklische Werte wie ThyssenKrupp und K+S“, sagte ein Händler. Beim Brokerhaus Lang & Schwarz wurden ThyssenKrupp sieben Prozent und K+S fast zwölf Prozent niedriger gehandelt.

Nach einem heftigen Kurssturz im Eröffnungsgeschäft hat die Moskauer Börse heute Morgen bereits den Aktienindex MICEX vom Handel ausgesetzt. Bis zum 10. Oktober werde der Handel gestoppt, teilte der Börsenbetreiber mit. Das Börsenbarometer war in den ersten 35 Minuten heute Morgen um 14,35 Prozent gefallen.

Angst vor einer weltweiten Rezession

Aus Angst vor einer weltweiten Rezession waren in der Nacht bereits die Börsen in Asien abgeschmiert. Der wichtigste Index des Kontinents, der japanische Nikkei, verlor knapp zehn Prozent.

Das ist der größte Tagesverlust an den japanischen Börsen seit mehr als 20 Jahren. Zu den größten Verlierern gehörte Indexschwergewicht Toyota, das Kreisen zufolge seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr senken wird. Auch andere Exportwerte gaben deutlich nach. Händler in Tokio sprachen von „nackter Panik“, die auf dem Parkett regiere.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index verlor 9,4 Prozent und schloss mit 9203 Punkte ab – der größte Einbruch seit dem Tag nach dem „schwarzen Montag“ im Oktober 1987. Der breiter gefasste Topix-Index verlor acht Prozent auf 899 Zähler. Auch die Aktienmärkten in Südkorea, Shanghai, Taiwan und Singapur notierten deutlich schwächer. In Indonesien wurde der Handel ausgesetzt, nachdem der Leitindex des Landes um über zehn Prozent im Minus lag.

Die Börse in Hongkong notierte über fünf Prozent schwächer, obwohl die Zentralbank zuvor eine Senkung des Leitzinses um 100 Basispunkte angekündigt hatte - die größte Reduzierung seit der Einführung des Indexes vor zehn Jahren. Die Angst vor einer globalen Rezession konnte durch Finanzspritzen von Notenbanken weltweit nicht gestoppt werden.

„Die sich verschlechternden Wirtschaftsaussichten und die immer tiefer gehende Finanzkrise bringen nahezu überbordende Sorgen mit sich“, sagte Fondsmanager Mitsushige Akino von Ichiyoshi Investment Management. „Niemand kauft, auch wenn die Aktien billig bewertet sind.“

Zuvor hatte gestern Abend bereits die Wall Street mit verheerenden Werten geschlossen. Der Dow-Jones-Index schloss auf einem Fünf-Jahres-Tief bei 9447,11 Punkten. Nachdem er bereits am Montag 369 Punkte  eingebüßt hatte, verlor der Index nochmals mehr als 500 Zähler. Der  Technologie-Index Nasdaq gab um 108,08 Punkte nach und schloss bei 1754,88 Punkten. Im Vergleich zum Vortag fiel der Nasdaq damit um  5,8 Prozent.

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