_

Finanzkrise: Geldvernichtung à la Deutsche Bank

von Mark Böschen

Das Emigrantenkind Boaz Weinstein stieg vom Sieger eines Börsenspiels zum Star-Händler der Deutschen Bank auf. Sein Absturz zeigt, warum die Branche schrumpfen muss.

Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen
Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Wie verliert man in nur drei Monaten 15,3 Milliarden Dollar? So groß ist das Minus im Schlussquartal bei der US-Bank Merrill Lynch, das deren Chef John Thain den Job kostete. Wie verbrennt man 4,8 Milliarden Euro? So groß klafft das Loch aus dem vergangenen Quartal bei der Deutschen Bank. Eine Möglichkeit, so viel Geld zu vernichten, wäre, 73.846 Porsche Cayenne à 65.000 Euro zu kaufen und zu verschrotten. Doch die Frankfurter Bank, die ihre Doppeltürme gerade zu „Green Towers“ umrüstet, hat einen umweltfreundlicheren Weg gefunden: den Handel mit Wertpapieren, insbesondere Kreditprodukten. Der wird von der Bank als Hauptverursacher des Verlusts genannt. Aber wie geht der genau?

Anzeige

Um das zu begreifen, muss man Männer wie Boaz Weinstein verstehen. Der Co-Chef des Kredithandels der Deutschen Bank gab wenige Tage vor der Offenlegung des Großverlusts seinen Abschied von der Bank bekannt. Ein Karriereknick für den erst 35-jährigen, Sohn polnisch-israelischer Eltern, der schon als Teenager das Börsenspiel einer New Yorker Lokalzeitung gewann. Mit Anfang 20 arbeitete er bei einem kleinen Wall-Street-Haus, 1998 ging er zur Deutschen Bank und wurde mit 27 Jahren einer der jüngsten Managing Directors – und Star-Händler. Auf dem Gipfel des Booms im September 2006 feierte er bei der „Fete de Swifty“ in einem riesigen weißen Zelt an der 73. Straße mit Bürgermeister Mike Bloomberg, Blackstone-Chef Steve Schwarzman und Industrie-Erbin Wendy Vanderbilt.

Kreditderivate als Versicherung

Die Basis seines Erfolgs: Weinstein baute das Geschäft mit Kreditderivaten der Bank auf. Diese Papiere sollen Anleger gegen den Ausfall von Anleihen absichern, wurden in den Händen smarter Trader aber zu Hauptinstrumenten der Spekulation, die den Banken erst Milliardengewinne brachte – und vielen dann den Ruin. Händler kauften eine Anleihe und die zugehörige Versicherung gegen deren Ausfall.

Weil der Anleihezins geringfügig höher war als die Kosten des Kreditderivats, kassierten sie ihre Gewinne, angeblich ohne Risiko. Durch Milliardenwetten wurden aus kleinen Preisdifferenzen große Profite. Doch als Lehman Brothers im September zusammenbrachen, explodierten die Absicherungskosten – und mit ihnen die Deals der Wunderknaben.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat den Eigenhandel mit Krediten gegen null gefahren. Hoffentlich für immer. Denn viele der dort beliebten Milliardenwetten bringen nur kurzfristig einen hohen Bonus für Trader, gefährden aber das Finanzsystem. Sie gehören allenfalls in einen Hedgefonds, wie ihn Weinstein jetzt gründen will. Viel Glück.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.02.2009, 12:46 UhrAnonymer Benutzer: Die Redaktion

    Dieser Kommentar wurde seitens der Redaktion bearbeitet.

  • 04.02.2009, 12:36 UhrAnonymer Benutzer: Parasit

    Raubtierkapitalismus ist nicht das problem,nein es liegt ander Konsequezlosigkeit des Systems [EDiT: Aus rechtlichen Gründen sind wir gezwungen, den hier stehenden Satz zu löschen, d. Red.] Und deshalb wird es nie wirklich zu Ende sein,erst wenn alles tot istund das kann noch dauern aber um das zu verstehen leiden die meisten Menschen immernoch an Halluzinationen und sehen Fatamorgana

  • 03.02.2009, 11:09 UhrAnonymer Benutzer: Die Redaktion

    @gutso: Den antisemitischen Kommentar im Posting vor ihrem beitrag haben wir gelöscht. Vielen Dank für ihren Hinweis.

Alle Kommentare lesen

Blogs

Kurze Erholung läuft
Kurze Erholung läuft

Bei 6200 gelingt dem Dax eine Stabilisierung. Sie kann die Notierungen bis in den Juni hinein steigen lassen. ...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.