Finanzkrise: Internationaler Währungsfonds mahnt Europäer zu mehr Koordination

Finanzkrise: Internationaler Währungsfonds mahnt Europäer zu mehr Koordination

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IMF Managing Director Dominique Strauss-Kahn responds to a question from the news media during a press conference at the 2008 IMF/World Bank Fall Meetings at IMF headquarters in Washington, DC, USA 09 October 2008. Strauss-Kahn said world central banks acted properly in coordinating interest rate cuts and more steps are warranted to restore confidence in financial markets. EPA/SHAWN THEW (c) dpa - Bildfunk

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Staaten weltweit und besonders die Europäer zu enger Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Finanzkrise gedrängt.

Zugleich nährte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn heute in Washington die Hoffnung, dass die Krisenfolgen gegen Ende 2009 auslaufen könnten und wieder eine moderate Wirtschaftsbelebung einsetzen könnte.

„Die Situation ist sehr ernst“, beschrieb Strauss-Kahn die Lage. „Aber wir können die Probleme lösen, wenn wir schnell, entschieden und kooperativ handeln.“ Die Krise sei globaler Natur, kein Land könne sich ihr entziehen.

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Die oberste Priorität müsse der Wiederherstellung von Vertrauen an den Märkten gelten. Die Staaten müssten in enger Abstimmung Lösungen finden: „Kooperation und Koordination sind der Preis des Erfolges.“

Das müssten gerade die Europäer sich klar machen, sagte der IWF-Chef. Dabei heiße das nicht, dass die Lösungswege in den einzelnen Ländern am Ende nicht unterschiedlich sein könnten. Was aber nicht weiterführe, seien einsame Entscheidungen ohne Abstimmung mit betroffenen anderen Ländern. Strauss-Kahn nannte keine Namen von Ländern, die es nach seiner Ansicht an Kooperation haben fehlen.

In den vergangenen Tagen war allerdings Deutschland von einigen europäischen Partnern wie Frankreich kritisiert worden, weil man zum Beispiel mit einer Garantie für alle privaten Einlagen bei Banken vorgeprescht war.

Wenn es um die Lehren aus der Finanzkrise, um eine neue Finanzarchitektur gehe, bedarf es nach den Worten von Strauss-Kahn ebenfalls globale Entscheidungen. Dass es einer neuen Architektur bedürfe, sei offensichtlich, sagte er. Die alte sei wegen regulatorischer und aufsichtlicher Fehler gestrandet. Die Gruppe der sieben führenden Industrieländer, die G7, könnte für diesen Erneuerungsprozess zwar Impulse geben und Vorschläge entwerfen. Die Regie könne sie aber nicht übernehmen.

Gehandelt werden müsse in einem weitaus größeren Kreis, nämlich auf globaler Ebene. Wenn alle betroffen seien, müssten auch alle mitreden können.

Strauss-Kahn wiederholt die neueste Schätzung des IWF, dass die Finanzkrise Verluste im Gesamtwert von 1,4 Billionen Dollar mit sich bringen werde. Für die wirtschaftliche Entwicklung bedeute dies, dass die Industrieländer im Ganzen 2009 kein Wachstum mehr aufweisen werden. „Wir stehen an der Schwelle einer Rezession“, sagte er. Die Weltwirtschaft insgesamt werde um noch drei Prozent zulegen.

Ende des kommenden Jahres sollte dann eine langsame Erholung einsetzen. Für das von ihm angemahnte schnelle Handeln der Regierungen setzte Strauss-Kahn Kernprinzipien. Die staatlichen Aktionen müssten klare Ziele haben, sie müssten stimmig sein sowie global und regional gut koordiniert. Zudem müsse der Steuerzahler an den Chancen einer positiven Entwicklung angemessen beteiligt werden. „Ich dränge die europäischen Länder zur Zusammenarbeit“, machte der IWF-Chef klar.

Wenn es um die akuten Handlungsnotwendigkeiten gehe, spielten offensichtlich Instrumente wie Liquiditätshilfen, Garantien und Kapitalspritzen eine wichtige Rolle, sagte Strauss-Kahn. Am Ende stehe dann die Rekapitalisierung der Finanzinstitute. Die Wirtschafts- und Finanzpolitiken müssten ihre Politik generell an der Bewältigung der Finanzkrise und an der Schaffung von Vertrauen an den Märkten ausrichten. Hilfreich sei alles, was die Wachstumsbedingungen verbessere. Insofern begrüßte der IWF-Chef auch die Zinssenkungen wichtiger Notenbanken am Vortag.

Auch seine Organisation helfe. So habe der IWF einen Notfall-Mechanismus in Gang gesetzt, mit dem ärmeren Ländern schnell Finanzierungsmöglichkeiten gegeben werde. Es gehe um den Ersatz von Finanzierungen, etwa von Exportgeschäften, die ihnen wegen der Krise wegbrächen.

Nach einer kurzen Stabilisierung hat der Dax heute erneut deutlich nachgegeben

Der deutsche Leitindex drehte in der letzten Handelsstunde ins Minus und rutschte binnen kürzester Zeit um 2,53 Prozent auf 4.887,00 Zähler ab. Zeitweise war er bis auf 4.803 Punkte gefallen. Am Vormittag war er noch bis auf 5.153 Zähler gestiegen. Auch die Nebenwerte büßten ihre Kursgewinne ein, konnten sich aber im Plus halten. Der MDAX stieg um 0,12 Prozent auf 5.711,66 Punkte.

Der TecDax schloss mit plus 1,60 Prozent auf 542,85 Zähler. Die Märkte seien nach wie vor sehr volatil und die Erholung habe - wie man nun sehen könne - auf wackeligen Füßen gestanden, sagte ein Börsianer. Von einer Bodenbildung könne noch nicht die Rede sein.

Als Grund für den Kursrutsch kurz vor Handelsschluss verwiesen Händler einstimmig auf die Kursverluste in den USA. Die Zahlen des US-Konzerns General Motors , der die Finanzkrise zu spüren bekommen habe, verunsichere die Anleger, außerdem standen die US-Finanzwerte nach der Aufhebung des Leerverkaufs-Verbots teilweise tief im Minus. Im derzeitigen nervösen Marktumfeld reiche das schon aus, um einen solchen Rutsch zu verursachen, hieß es am Markt. Die Verunsicherung und der Vertrauensverlust seien einfach zu groß

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