Finanzkrise: Kaupthing-Sparer machen in Island Druck

Finanzkrise: Kaupthing-Sparer machen in Island Druck

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Die Kaupthing-Zentrale in Reykjavik

Nach Wochen der Unklarheit platzt den rund 30.000 deutschen Kaupthing-Opfern der Kragen: Mit Karlheinz Bellmann ist der erste Kunde der Pleitebank nach Island gereist, um sich persönlich über den Verbleib seines Ersparten zu informieren. Per Internet hält er seine Mitstreiter auf dem Laufenden.

Karlheinz Bellmann ist der Ärger anzusehen: Die Stirn in Falten steht er kampfeslustig im isländischen Nebel. Der Deutsche wird vom Fernsehen interviewt, das Thema lautet Kaupthing. Auf eigene Faust hat sich der zornige Sparer aus Frankfurt nach Island aufgemacht. Dutzendfach gab es in den einschlägigen Internet-Foren schon den Plan zur Reise in den hohen Norden, doch Bellmann ist der erste, der den Schritt wirklich gewagt hat. 110.000 Euro hat Bellmann bei der deutschen Filiale der Pleitebank angelegt, das Geld sollte für seine vier Kinder sein. „Wie haben über zehn Jahren hart dafür gearbeitet, es war auch das Geld meiner Eltern und Großeltern“, sagt das Finanzkrisen-Opfer der Journalistin. Am heutigen Tage wurde Bellmann ein Treffen versprochen, auf dem die Entschädigung der deutschen Sparer thematisiert werden soll. Er setzt große Hoffnungen in den Termin und wünscht sich eine konkrete Perspektive für sein Erspartes.

Die Äußerungen Bellmanns geben aber auch Einblick in die Vorgeschichte der Kaupthing-Katasrophe: Für die Geschädigten war die „Kaupthing Edge“ genannte Niederlassung eine deutsche Bank mit hiesiger Zulassung und Anschluss an deutsche Sicherungssysteme. „Ich hätte mein Geld nie dort investiert, wenn ich gewusst hätte, dass es gleich nach Island weitergeleitet wird“, erklärt Bellmann im Gespräch mit der isländischen Journalistin. Aus diesem Grund wähnte er sein Erspartes auch in Sicherheit, als Bundeskanzlerin Angela Merkel die Staatsgarantie für alle Einlagen bei deutschen Banken ausrief. Ein Fehler, wie die Geschädigten schmerzhaft erfahren mussten: Nur wenige Tage später stellte Kaupthing den Geschäftsbetrieb ein, die Guthaben waren von einem Tag auf den anderen nicht mehr verfügbar.

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Isländische Medien reißen sich um Bellmanns Story

Bellmann betont aber auch, dass er sich viel mehr Engagement von der deutschen Bundesregierung wünscht. Man fühle sich alleingelassen, besonders im direkten Vergleich mit den Kaupthing-Kunden aus den Niederlanden und Großbritannien. „Es wäre ein einfaches, Kaupthing mit einem deutschen Kredit über die Gesamtsumme von 308 Millionen Euro zur Auszahlung an die deutschen Kunden zu bewegen. Unsere Regierung könnte dann die Verhandlungen mit dem Institut führen.“

Zeitungen, Radio und Fernsehen in Island reißen sich um Bellmanns Story, die Interviews laufen in den Hauptnachrichten. Schon auf dem Flug nach Reykjavik knüpfte der Deutsche erste Kontakte zu Journalisten. „Ihr Deutschen tut mir Leid, die ganze Sache ist eine Schande für Island“, zitiert Bellmann eine Einheimische, der er seine Geschichte erzählte. Am Parlament des Inselstaates beteiligte sich der Deutsche an einer Menschenkette und versuchte, auf das Schicksal der Kaupthing-Edge-Kunden aufmerksam zu machen.

Viele Opfer der Kaupthing-Pleite liegen mit ihren Einlagen unterhalb der Schallgrenze von 20.887 Euro. Bis zu dieser Summe steht der isländische Bankensicherungsfonds für die Ausfälle ein – theoretisch zumindest. Denn aus eigenen Mitteln kann der dramatisch unterkapitalisierte Rettungsring nicht mal die isländischen Sparer komplett auszahlen. Gelder des Internationalen Währungsfonds, mit denen die Regierung Islands wenigstens den dringendsten Zahlungsverpflichtungen nachkommen könnte, werden derzeit noch vom Veto der Niederlande und Großbritanniens gesperrt. Beide Länder fordern vom Inselstaat im Nordatlantik vollständige Entschädigung der eigenen Bürger.

Weitere Probleme erwachsen den deutschen Kaupthing-Kunden aus dem Wirrwarr rund um die Antragstellung an den Sicherungsfonds. Für Karlheinz Bellmann war dies der Grund, seinem Geld nach Island hinterher zu reisen: „Ich saß vier Wochen vor dem Computer und konnte nichts in Erfahrung bringen.“ Aus dem Selbsthilfeforum der Kaupthing-Edge-Kunden bekam der Deutsche für diesen Schritt viel Bewunderung und Unterstüzung. „Hochachtung für Dein Engagement!“, „Ich bin auch beeindruckt und dankbar“ und „Einfach nur klasse!“ lauteten die Kommentare. Andere kündigten an, die Fahrt mit Spenden zu unterstützen. Die Geschädigten gaben den guten Tipp, dass ein Island-Urlaub beim Reisediscounter schon für 119 Euro zu haben sei. Bellmanns Fahrt wird aber deutlich teurer: „Ich bleibe bis zur Klärung dieser Angelegenheit hier“, erklärte der Deutsche trotzig im isländischen Fernsehen: „Ich stehe hier für die 30.800 Anleger und ihre 308 Millionen Euro.“

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