Finanzkrise: Staatliche Eingriffe nicht als Naturgesetz

KommentarFinanzkrise: Staatliche Eingriffe nicht als Naturgesetz

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„Fire Paulson" hat jemand mit Kreide auf den Boden, am Eingang zum Weißen Haus geschrieben. Möglicherweise hat hier ein ehemaliger Lehman-Mitarbeiter seinem Ärger Luft gemacht, vielleicht war es aber auch einer der zahlreichen deutschen Banker, die sich derzeit anlässlich der Weltbank-Tagung in Washington aufhalten. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Melanie Bergermann.

Denn auch sie sehen in der US-Regierung und Finanzminister Paulsen die Schuldigen für den abermaligen Crash an den Finanzmärkten. Wenn die Regierung Lehman nicht hätten Pleite gehen lassen, wäre das Ganze nicht passiert, so die Argumentation.

Richtig ist, dass die Lehman-Pleite zu Panikreaktion an den Finanzmärkten geführt hat. Ursächlich dafür ist die US-Regierung die jegliche Hilfe verwehrt hat. Doch von Schuld kann deshalb längst keine Rede sein. Sie hat im Prinzip nur das getan, was in der Wirtschaft üblich ist. Sie hat ein Unternehmen das nicht mehr überlebensfähig war aus dem Markt ausscheiden lassen. Auch wenn Banker es dieser Tage gerne so darstellen: Es ist kein Naturgesetz, dass Staaten und damit jeder Steuer zahlende Bundesbürger Banken retten. Und das ist auch gut so. Denn damit würden sinnvolle Marktgesetze langfristig außer Kraft gesetzt.

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In einem sind sich die Banker derzeit wenigstens einig. Die Regierungen ihrer Länder müssen eingreifen. Es müsse alles getan werden, „um die Abwärtsspirale zu stoppen", sagt Klaus-Peter Müller, Chef des Bundesverbands deutscher Banken. Es handele sich bei der Finanzkrise eine systemische Krise, auf die man „internationale Antworten" brauche, sagt er.

In der Tat hatte die Bundesregierung an diesem Wochenende kaum eine Wahl. Die Lage im Finanzsektor war dramatisch.

Langfristige Kredite für große Unternehmen gab es nur noch selten. Weil die Banker selbst Angst hatten, dass ein Wettbewerber Pleite ging, liehen sie sich untereinander kein Geld mehr und schränkten sich somit in der Kreditvergabe ein. Erste Anzeichen von Panik zeigten sich auch bei den Girokonto-Inhabern., also den normalen Privatkunden. Banken verzeichneten eine erhöhte Anzahl von Barabhebungen. Ein Landesbanker berichtete, dass sein Institut in den vergangenen Tagen fünfmal so viele 500-Euro-Scheine ausgegeben habe, wie sonst üblich.

Aus Sorge vor den weitreichenden Auswirkungen der Finanzkrise zogen die Anleger am Freitag dann auch ihr Geld aus den Aktienmärkten, was dramatische Kursverluste zur Folge hatte.

Die Bundesregierung will die Banken und damit die gesamte Wirtschaft nun durch verschiedene Mittel stützen. Zum Beispiel Bürgschaften. Damit die Banken sich untereinander wieder Geld leihen, will die Bundesregierung dafür garantieren. Zusätzlich soll es zu Kapitalmaßnahmen für schwache Banken kommen.

Wird damit wieder alles wie es vorher war?

Das gilt mittlerweile als ausgeschlossen. Stattdessen wird damit gerechnet, dass es noch zu weiteren Schockwellen kommt.

Denn die Finanzkrise hat in den USA bereits zu Konsumschwäche geführt. Das trifft ein exportlastiges Land wie Deutschland besonders. Und eine sogenannte realwirtschaftliche Krise trifft wiederum auch die Banken. Wenn die große Krise bewältigt sei, sagt Müller, müsse man sich um die weiteren Folgen kümmern. „Es macht Sinn proaktiv tätig zu werden", sagt er. Sorgen machen sich die Banker um Kreditausfälle beispielsweise bei Automobilzulieferern., auf die sich eine Nachfrageschwäche sofort auswirkt. Hinzu kommen die Folgen der zu erwartenden Kündigungswellen, die mit dem wirtschaftlichen Abschwung einher gehen – sowohl im Finanzsektor als auch in der Industrie. Steigt die Arbeitslosenzahl nimmt auch die Gefahr zu, dass Eigenheim- und Konsumentenkredite nicht mehr bedient werden können.

Nichtsdestotrotz werden sich die Banken gerade um dieses Geschäft nun besonders bemühen. Das Investment Banking mit seinen Traumrenditen wird es so schnell nicht mehr geben. Das Geschäft mit den Kunden, rücke deshalb wieder in den Vordergrund, ist sich Heinrich Haasis, der Chef des Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sicher. Einige Landesbanker gehen ebenfalls davon aus, dass die Institute nun speziell um die Unternehmenskunden rangeln werden. Doch gibt das so viel Geschäft her, dass es die deutschen Banken ernähren kann? „Wohl kaum", meinen gleich mehrere Bankchefs.

Sie meinen, dass es zu einer Markbereinigung kommen muss. Ein wesentlicher Weg – die Insolvenz – darf dabei nicht kategorisch ausgeschlossen werden, auch wenn der Fall Lehman den Eindruck erweckt, dass ein Staat eine Bank nicht Pleite gehen lassen darf, ohne gleich das ganze System ins Wanken zu bringen. Staatliche Eingriffe dürfen nicht zum Naturgesetz werden. Das würde den Nährboden für weitere Krisen bilden.

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