Finanzkrise: Stressige Ansichten zum Bankentest

Finanzkrise: Stressige Ansichten zum Bankentest

Nach dem Bankenstress-Test in den USA diskutiert auch die Europäische Union die Situationsanalyse großer Banken. Die Meinungen über die Ausgestaltung gehen aber auseinander – und an die Öffentlichkeit dringen sollen die Ergebnisse wohl nicht.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüßt Stresstests für den europäischen Bankensektor: „Das Vertrauen in das Finanzsystem muss wiederhergestellt werden“, sagte der für Europa zuständige IWF-Experte Marek Belka in Paris.

Dazu formieren sich die derzeit die Fronten quer durch die Europäische Union: Während das IWF einen „harten“ Stresstest auf Europaebene wünscht, betont zum Beispiel Franz-Christoph Zeitler, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bundesbank, die nationale Zuständigkeit für einen Stresstest.

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Keine harten Eigenkapitalqouten beim EU-Bankenstresstest

Konkret stützt sich das von ihm favorisierte „Commitee of European Banking Supervisors“ (CEBS), in dem ranghohe Vertreter der nationalen Bankenaufsichtsbehörden und der Notenbanken der EU sowie der Europäischen Zentralbank sitzen, auf folgende Grundlagen:

Durchführung durch nationale BehördenEuropaweit einheitlicher StresstestZusammenfassende Daten ohne Bezug auf konkrete Banken und Länder

Harte Eigenkapitalquoten – wie etwa beim US-Stresstest – sind hier Fehlanzeige. Dabei versuchte die US-Regierung abzuschätzen, wie groß der Kapitalbedarf von 19 Großbanken bei einer Verschärfung der Rezession ist. Die meisten Institute schnitten dabei besser ab als befürchtet: Zehn von 19 Banken müssen ihr Kapital um insgesamt rund 75 Milliarden Dollar aufstocken und wollen die Mittel dazu größtenteils aus eigener Kraft aufbringen. Am Ergebnis des US-Stresstests äußerten Experten nach der Veröffentlichung erhebliche Bedenken.

Keine Veröffentlichung der Ergebnisse

Eine Veröffentlichung der Ergebnisse nationaler Stresstests nach US-Vorbild lehnt Zeitler ebenfalls grundsätzlich ab. Auch Finanzminister Peer Steinbrück steht Überlegungen der EU zu einem Stresstest des europäischen Bankensystems skeptisch gegenüber. „Einfach nur Stresstests zu fordern, macht keinen Sinn. Man muss sich auch darüber klarwerden, welche Eigendynamik Ergebnisse haben können“, kritisiert er. Ein solcher Test könne auch schädlich sein für die Einschätzung des Bankensektors, sagte er. Negative Ergebnisse könnten das bereits geschwächte Vertrauen der Bürger in das Finanzsystem noch weiter unterhöhlen.

„Solche pauschale Untersuchungen reichen nicht aus, um das Vertrauen in die Banken wieder herzustellen“, kritisiert diese Meinung zum Beispiel Christian Fischer von der Schweizer Kreditagentur Independent Credit View (ICV) gegenüber dem „Handelsblatt“.

Und diese Auffassung teilen auch andere Notenbanken: Zuletzt hatte der französische Notenbankgouverneur Christian Noyer sich laut „Handelsblatt“ für einen europaweiten „harten“ Stresstest ausgesprochen. Und die Schweizer Bankenaufsicht hat den heimischen Finanzinstituten einem Zeitungsbericht zufolge bereits einen Stresstest nach US-Vorbild verordnet. Wie die „NZZ am Sonntag“ berichtete, will die Aufsichtsbehörde Finma testen, wie Banken im Fall weiterer Abschreibungen fauler Wertpapiere reagieren würden. Demnach müssen Institute, die im Kredit- und Hypothekengeschäft tätig sind, ein Szenario durchspielen, nach dem vier Prozent ihrer vergebenen Kredite wertlos wären.

Der IWF schätzt, dass Banken weltweit bei Krediten und Wertpapieren Wertberichtigungen in Höhe von 2,8 Billionen Dollar vornehmen müssen. In der Euro-Zone waren es nach IWF-Berechnungen bislang 154 Milliarden Dollar. Doch bis Ende 2010 stehe mit weiteren rund 750 Milliarden Dollar an Wertberichtigungen noch ein dicker Batzen an. „Europa ist bei der Aufdeckung der Risiken im Bankensektor noch lange nicht da, wo es sein müsste“, warnt IWF-Experte Helge Berger.

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