Finanzkrise und die Wall Street: Zu Fuß durch die Krise

Finanzkrise und die Wall Street: Zu Fuß durch die Krise

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Eine Tour durch New Yorks Bankenviertel. Foto: ap

Über toxische Wertpapiere und ein Attentat: Mit einem Aussteiger durch die New Yorker Wall Street.

Am Morgen haben die Fernsehcrews vor der New Yorker Börse ihre Scheinwerfer in Stellung gebracht. Die Reporter tragen streng geschnittene Anzüge, berichten in ihre Mikrofone von den ersten Kursbewegungen des Tages. Ein paar Börsenmitarbeiter huschen über den Bordstein, verschwinden in Seiteneingängen. Und irgendwo, am Rande der routinierten Geschäftigkeit, ruft eine tiefe Bassstimme: „Haben Sie reserviert? Wall Street Experience? Die Financial Crisis Tour?“

Der große, schlaksige Mann mit Frank-Zappa-Bart, der ein Häuflein Passanten um sich schart, heißt Tom. Er trägt ein blaues Bürohemd zur schwarzen Stoffhose und in der Hand eine Aktentasche. Toms Stadtführung ist in diesen Tagen häufig ausgebucht. Das hat mit dem anhaltenden Interesse an der Finanzkrise zu tun, die hier im südlichen Manhattan begann, und vermutlich auch mit der Werbung für diese spezielle Rundtour: Mit „Insidergeschichten, die sonst keiner kennt“, wird auf der Website der Veranstalter gelockt, „echte Wall-Street-Insider“ packen aus. Tom und seine Guide-Kollegen, heißt es, hätten allesamt jahrelang bei großen Investmentbanken ihr Geld verdient.

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Tom zählt durch: 13 Teilnehmer. Eine Familie aus Washington State. Ein Immigrant aus Indonesien auf Landeskunde-Expedition. Zwei junge Norweger, die es am amerikanischen Finanzmarkt zu was bringen wollen. Sie tragen Polohemden mit gestickten Elchen auf der Brust und legen Wert auf eine hodenfreundliche Beinstellung.

„Tadaa“, sagt Tom, nein: Er singt es eher, während er ein Dokument aus seinem Aktenköfferchen zieht. „Ein toxisches Wertpapier.“ Ein CDO. Eins dieser neuartigen Finanzprodukte, die 2008 die Finanzwirtschaft an den Rand des Kollapses brachten. „40 Jahre Laufzeit sollte dieses Wertpapier haben“, sagt Tom. „Und ein paar Jahre später“ – Kunstpause – „war es nichts mehr wert.“ Toms Publikum nickt anerkennend. Schon das „Tadaa“ ist irgendwie gut angekommen. Allerdings wird die Gruppe auf dem Gehsteig auch langsam ungeduldig. Die Börse haben sie längst im Kasten. Trotzdem will Tom schnell noch die Frage beantworten, wie er zum Wall-Street-Insider wurde. Und ehrlich gesagt: Es ist so eine Sache mit Tom, dem Wall-Street-Insider.

Vom Banker zum Guide

Zehn Jahre lang habe er im Haus von Goldman Sachs gearbeitet, dem profitabelsten aller Wall-Street-Giganten. Von seinem Arbeitsplatz aus, sagt Tom, habe er die Krise förmlich kommen sehen: Im 23. Stockwerk war das, wo er in der Grafikabteilung Nachtschichten schob; wo all die farbigen Prospekte zusammengestellt wurden, die die Bank an Investoren und Kunden verschickte. „Das war eine der ganz wenigen Positionen, wo man Einblicke in die verschiedensten Bereiche des Investmentbankings nehmen konnte“, sagt Tom. Er habe sich früh seine Gedanken gemacht. „Diese Banker arbeiteten doch als Spezialisten! Jeder nur in seinem Bereich!“ Ihm, Tom, sei es immer schon so vorgekommen, als trügen die alle Scheuklappen.

Dass keine weiteren Insider-Einsichten folgen, scheint niemand zu bedauern. Die Stadtführung gewinnt nun nämlich rasant an Tempo. Bis zum alten Congressional Building sind es nur ein paar Schritte, noch ein paar mehr zum Gebäude der Deutschen Bank, seit 9/11 eine Abrissbaustelle. Weiter zur Warenbörse. New Yorker Notenbank. Zum Manhattan Company Building, das heute Trump Building heißt und für kurze Zeit mal das höchste Gebäude von New York war. Tom eilt voran, die Inside-Touristen folgen auf Turnschuhen und Bergsandalen. Eng und dunkel sind die Straßen an der Wall Street. Man muss den Kopf in den Nacken legen, um die Gebäude richtig sehen zu können, und in die starke Sonne irgendwo da oben blinzeln. Das musste man auch schon vor der Krise. Diese Führung folgt der Route traditioneller Wall-Street-Touren.

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