Finanzkrise: Von der Bankenpleite zum Staatskollaps?

Finanzkrise: Von der Bankenpleite zum Staatskollaps?

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Grafik: Nun auch Staaten unter Druck (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Der Versicherungsschutz gegen Pleiten von Ländern wie Argentinien, Ungarn oder Russland verteuert sich rapide. Folgt nach dem Banken- nun der Staatskollaps?

Mehr Frechheit war nie: Während Zehntausende Anleger weltweit noch um ihr in argentinischen Staatsanleihen investiertes Geld kämpften, zapfte das südamerikanische Land schon wieder den Kapitalmarkt an. Das war im Sommer 2005, nur knapp vier Jahre nach dem Staatsbankrott des Landes. Ende 2001 hatte Argentinien den Finger gehoben, von knapp 100 Milliarden Dollar Auslandsschulden waren rund 75 Milliarden auf einen Schlag verloren. Auch private Anleger mussten drei Viertel ihres Vermögens abschreiben. Der kümmerliche Rest wurde umgeschuldet – und soll je nach Papier erst in den Jahren 2024 und 2033 abbezahlt sein.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – so kommentierte die WirtschaftsWoche im Juli 2005 die erste Emission argentinischer Dollar-Staatsanleihen nach dem Bankrott.

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Heute, gut drei Jahre später, heißt es für Argentinien zurück auf Los. Erneut brechen die Anleihekurse ein, verliert der Leitaktienindex Merval 25 Prozent binnen zwei Tagen, steht das Land wieder vor einem Absturz. Grund: Das Land leidet unter einem Polit-Chaos. Das Fass zum Überlaufen brachte die Ankündigung von Präsidentin Cristina Kirchner, die seit erst 14 Jahren bestehenden privaten Rentenversicherer wieder zu verstaatlichen.

Welle von Staatsinsolvenzen droht

Schlimmer als damals: Argentinien steht möglicherweise nicht als einziger Staat vor dem Konkurs, nach den Bankenpleiten droht eine Welle an Staatsinsolvenzen. Das signalisieren zumindest die rapide steigenden Prämien für einen Ausfallschutz gegen eine Staatspleite. Für eine Absicherung gegen einen Bankrott der Gauchos etwa müssen Anleger inzwischen gut 36 Prozent an jährlicher Prämie bezahlen – das wäre so, als wenn eine Vollkaskoversicherung für einen 20.000 Euro teuren VW-Golf 7.200 Euro pro Jahr kosten würde.

Der Grund: Das in den vergangenen Jahren global vagabundierende Kapital flüchtet – zurück auf Sparkonten in die USA oder in Bundesschatzbriefe. Auch hohe Devisenreserven und Rohstoffvorkommen beruhigen das scheue globale Kapital nicht mehr. Die für die Absicherung russischer Staatsschulden verlangte Prämie vervierfachte sich binnen eines Monats.

Grafik: Kippt Ungarn? (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

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In Ungarn hat die Notenbank vergangene Woche die Zinsen um drei Prozent erhöht, um den dramatischen Verfall des Forint und der daran gebundenen Anleihen einzudämmen. Großbritannien und Russland stützen Island mit Milliardenkrediten, den baltischen Staaten und der Türkei begegnen Investoren plötzlich mit großem Misstrauen, Pakistan oder Venezuela stehen, gemessen am den Versicherungsprämien, sowieso schon auf der Kippe. Selbst die Absicherungskosten für Top-Schuldner wie Deutschland schnellen nach oben – wenn auch von einem äußerst niedrigen Niveau aus.

Neue Milliardenverluste zu erwarten (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Neue Milliardenverluste zu erwarten (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

„Viele Investoren müssen Anlagen liquidieren, das erklärt beispielsweise den Druck auf osteuropäische Währungen wie den Forint“, so Harwig Wild, Schwellenländer-Spezialist des Bankhauses Metzler in Frankfurt. In den Sog geraten vor allem Länder mit hohen Defiziten aus ihrer Export- und Importbilanz wie Lettland oder Estland, deren enges Währungsband zum Euro wegen der hohen Verschuldung nun auf dem Spiel steht. Ungarn hält Wild für stabil: „Die Auslandsverschuldung liegt mit 110 Milliarden Euro recht niedrig, zudem ist die Industrie breit aufgestellt.“

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