Finanzkrise: Was Sie über den Bankenstresstest wissen müssen

Finanzkrise: Was Sie über den Bankenstresstest wissen müssen

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Wenn die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die mit Ergebnisse zu ihrem jüngsten Stresstest vorlegt, geht es auch für die Nord/LB um viel

von Mark Fehr

Was soll der Stresstest für Banken? Wie funktioniert er und was passiert, wenn ein Finanzinstitut beim Test durchfällt. wiwo.de hat die Antworten.

1. Was soll das ganze?

Der Stresstest soll zeigen, ob Europas Banken für künftige Krisen gewappnet sind. Die Kontrolleure wollen die wegen der Finanz- und Schuldenkrise angespannten Märkte beruhigen, indem sie offenlegen, welche Institute im Fall einer Rezession Probleme bekommen – und welche nicht. Die Idee ist gut, die Umsetzung miserabel.

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2. Wie funktioniert der Stresstest?

Der Stresstest setzt 91 europäische Banken – davon 13 aus Deutschland – einem harten konjunkturellen Krisenszenario aus. Die Institute haben berechnet, wie viele ihrer Kredite ausfallen und wie stark ihr Eigenkapital schrumpft, wenn Immobilienpreise und Aktienkurse fallen, während Inflation und Arbeitslosigkeit steigen. Die Banken müssen bei dieser Simulation eine harte Kernkapitalquote von mindestens fünf Prozent halten, sonst fallen sie durch den Test.

3. Wer ist Andrea Enria?

Der Chef der European Banking Authority (EBA) kommt aus der italienischen Notenbank und gilt als hochkompetenter Finanzfachmann. Allerdings zweifeln Kritiker an seiner Unabhängigkeit, denn Mario Draghi, der künftige Chef der Europäischen Zentralbank, ist Enrias ehemaliger Vorgesetzter.

4. Was ist beim Stresstest schief gelaufen?

Es ist eine gute Idee, die Finanzmärkte durch Transparenz zu beruhigen, doch die Umsetzung fällt miserabel aus. Die EBA wollte streng sein, handelte aber willkürlich und unfair und konterkarierte damit ihre eigenen Ziele. Statt für Ruhe zu sorgen, lösten die Bankenkontrolleure immer neue Diskussionen aus, weil sie die Spielregeln nur zögerlich festlegten. Fehlerhafte Erfassungsbögen und unrealistische Abgabefristen für die Testdaten ließen zudem Zweifel an der Kompetenz von Enria und seinen Leuten aufkommen.

5. Was passiert mit Staatsanleihen?

Die Bankenaufsicht veröffentlicht detailliert, welche Bank wie viel in Staatsanleihen welcher Länder gesteckt hat. Das hat bei deutschen Instituten großes Wehklagen ausgelöst, denn Spekulanten könnten so die Risikoprofile einzelner Häuser einsehen und diese gezielt attackieren. Allerdings tut die EBA gut daran, an dieser Stelle Transparenz herzustellen. So war im Vorfeld bemängelt worden, dass der Stresstest zunächst die Risiken bei solchen Staatsanleihen ausblenden sollte, die bis zur Fälligkeit gehalten werden.

6. Kann eine Bank den Stresstest boykottieren?

Alle relevanten Finanzinstitute müssen beim Test mitmachen, sonst ergibt dieser ein lückenhaftes Bild. Untersagt aber ein Haus der EBA, seine Daten zu publizieren, sind den Kontrolleuren die Hände gebunden. Auf diesem Weg hat sich die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in letzter Minute selbst von der Belastungsprobe ausgeschlossen. Der Ruf des Stresstests war zu diesem Zeitpunkt schon so stark ramponiert, dass die Bank nicht vor diesem Schritt zurückschreckte.

7. Warum haben gerade Landesbanken Probleme bekommen?

Zahlreiche Landesbanken mussten mit staatlicher Hilfe vor der Finanzkrise gerettet werden, so dass es mit ihrer Kapitalausstattung noch immer nicht zum Besten steht. Doch auch öffentlich-rechtliche Institute wie die Helaba, die die Finanzkrise ohne fremde Hilfen überstanden haben, sind ins Visier der Bankenaufsicht geraten. Grund ist die bei Landesbanken beliebte Finanzierung mit stillen Einlagen. Deren Haftung für Verluste einer Bank hängt von der konkreten vertraglichen Ausgestaltung ab, was der Transparenz schadet. Die EBA verweigert den international unüblichen stillen Einlagen die Anerkennung als hartes Kernkapital - die betroffenen Institute versuchten daher hastig, die Finanzinstrumente umzuwandeln.

8. Was passiert mit Banken, die durchfallen?

"Alle Mitgliedstaaten stehen bereit, die Rekapitalisierung ihrer Banken als Ergebnis aus dem Stresstests vorzunehmen", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im April gesagt. Im Klartext heißt das, die europäischen und deutschen Steuerzahler sollen in die Bresche springen. Doch wie das funktionieren soll, ist unklar. Denn der Bankenrettungsfonds Soffin ist geschlossen und kann nicht mehr verlängert werden und im Fall der Helaba hat Hessens Finanzminister noch im Frühjahr Kapitalspritzen für seine Landesbank ausgeschlossen.

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