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Finanzkrise: Wenig Chancen für Notenbanken

von christof.schuermann@wiwo.de und malte fischer

Die Notenbanken versuchen, mit Zinssenkungen und Geldspritzen die Finanzmarktkrise einzudämmen. Die Erfolgschancen dafür stehen schlecht.

Extreme Schwankungen
Extreme Schwankungen

Haben Sie mal ’nen Euro?“ Die Frage kennt jeder, der sich auf den Straßen der Großstädte bewegt, beispielsweise in Frankfurt. Dort ebenso wie in London oder New York betteln derzeit nicht nur gestrandete Existenzen um ihr täglich Brot, das Who’s who der Finanzwelt ist auf der Suche nach frischem Geld. Üblicherweise müssen die Banker nicht betteln, wenn sie Bares wollen. Für jeden Euro und Dollar, den die Kunden auf ihren Bankkonten parken, müssen die Banken Mindestreserven bei der Zentralbank hinterlegen. Das gilt auch für Kredite, die dem Kunden auf seinem Konto gutgeschrieben werden. Einen Teil stellen ihnen die Notenbanken in kurzen Leihgeschäften zur Verfügung. Um den anderen Teil zu bekommen, rufen sie ihre Kollegen bei der Konkurrenz im Nachbarturm an. Die aber nehmen seit Wochen schon den Hörer nicht mehr ab. Im Markt für kurzfristige Leihgeschäfte herrscht deshalb Panik. Aus Furcht, dass eben jene Konkurrenz im Nachbarturm milliardenschwere Fehlspekulationen in den Büchern hat und möglicherweise geliehenes Geld nicht mehr wird zurückzahlen können, horten „viele Banken ihr Geld unter dem Kopfkissen“, so Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Damit fehlt ihnen aber die Luft zum atmen. „Alle Banken sind derzeit sehr, sehr vorsichtig, das gehört zu ihrem Geschäft, auch wenn das Verhalten möglicherweise nicht rational ist“, sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen. Helfen sollen nun die Notenbanken. Die Währungshüter sollen die Zinsen möglichst deutlich senken. Am Dienstag dieser Woche entscheidet die US-Notenbank Fed über die Leitzinsen; wenn ihr Chef Ben Bernanke sie um weniger als 0,5 Prozentpunkte senken sollte, gälte das für Banker und Börsianer als große Enttäuschung. Zusätzlich sähen es die Bankmanager gerne, wenn die Notenbanken notleidende, spekulative Papiere als Sicherheit für weitere Kredite annehmen – Papiere, die sonst niemand mehr haben will. Das Risiko läge dann bei den Notenbanken und am Ende bei den Steuerzahlern, im Zweifel müsste der Staat als letzte Instanz einspringen. Doch können die Notenbanken mit Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen überhaupt noch das festgeklemmte Schleusentor am Geldmarkt lösen und damit die Folgen der Finanzkrise abfedern? Das ist mehr als fraglich. Trotz Hunderte Milliarden schweren Rettungsaktionen der Notenbanker in den vergangenen Wochen „hat der Markt noch nicht positiv reagiert“, so Traud. Denn die eigentliche Ursache der Finanzkrise, das fehlende Vertrauen im Bankensystem, lässt sich damit nicht beheben. „Mit den Banken und der Zentralbank verhält es sich derzeit wie mit einem Patienten, den der Arzt an den Tropf gehängt hat“, sagt Michael Schubert, Währungsexperte » der Commerzbank. „Sobald die Notenbanken die Liquiditätszufuhr drosseln, bricht die Krankheit wieder aus.“ Grund für die Malaise: Zu viele Banken haben sich untereinander infiziert. Das Misstrauen ist so groß wie selten zuvor. „Die verwobenen Strukturen diverser Kreditvehikel erlauben es nicht, das Ausmaß der Krise verlässlich abzuschätzen“, sagt Eugen Keller, Chefanalyst des Bankhauses Metzler.

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Im normalen Betrieb läuft das Geschäft am Geldmarkt ungestört und geräuschlos ab. Banken mit kurzzeitigen Überschüssen leihen Instituten, die Bedarf für ihr Tagesgeschäft haben, Geld – für einen Monat, für eine Woche, oft auch nur für eine Nacht. Dafür gibt es einen Zins, der regelmäßig ein paar Hundertstel Prozentpunkte über dem Zinssatz liegt, den die Notenbanken festgelegt haben. Seit jedoch die Deutsche Bank Ende Juli der Düsseldorfer IKB Bank zunächst den Kredithahn zudrehte und gleichzeitig die Aufsichtsbehörden ob der Schieflage am Rhein alarmierte, ist die Luftzufuhr unterbrochen – nicht nur zwischen Frankfurt und Düsseldorf. Das Problem: Die Manager haben seit Jahren gezockt. Sie schaufelten sich gegenseitig billige, kurzfristige Gelder in die Bilanzen, um langfristige Geschäfte zu finanzieren. Zur eigenen Finanzierung haben die Zocker dabei auf komplexe Schuldverschreibungen gesetzt, Commercial Papers im Fachjargon genannt. Diese wiederum sind mit Forderungen unter anderem auf Hypothekendarlehen in den USA abgesichert. Seit der amerikanische Immobilienmarkt kollabiert, kauft niemand mehr Commercial Papers, da die vermeintlichen Sicherheiten nicht mehr genug wert sind. Etwa 2000 Milliarden Dollar ist der Markt für Commercial Papers groß – Geld, das nun sukzessive für die Refinanzierung bei den Banken auszufallen droht. Ohne Sicherheit, das kennt jeder Hausbauer, gibt es aber keinen Kredit mehr – oder nur zu sehr teuren Konditionen. Teure Kredite rechnen sich aber nur, wenn das Anlageobjekt voraussichtlich mehr abwirft, als der Zins dafür kostet. Doch in Amerika etwa kostet ein Monatskredit derzeit die Hälfte mehr als eine Anlage in beispielsweise sicheren zweijährigen US-Staatsanleihen.

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