Finanzkrise: Weshalb Banken trotz aller Risikomodelle Milliarden verloren

Finanzkrise: Weshalb Banken trotz aller Risikomodelle Milliarden verloren

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Börsencrash: Die Realität ist komplexer als das beste Modell

Weshalb Bankmanager trotz ausgeklügelter mathematischer Risikomodelle milliardenschwere Verluste gemacht haben. Und was sie künftig besser machen wollen.

Im Juni 2007 lebt Stefan Ortseifen noch in einer heilen Welt. „Die Bank wird ihren erfolgreichen Weg der letzten Jahre fortsetzen“, schreibt der Vorstandsvorsitzende da an die Aktionäre der IKB. Wesentliche Gefahren nennt der Geschäftsbericht nicht. Schließlich ist „die Risikokultur der IKB geprägt durch einen konservativen Umgang mit den Risiken des Bankgeschäfts“.

Eine fatale Fehleinschätzung. Nur einen Monat später steht die IKB vor der Pleite. Je weiter sich die Krise frisst, desto mehr Institute drohen zu kollabieren. Viele haben wesentliche Gefahren ihres Geschäfts nicht gesehen oder dramatisch unterschätzt. Bis heute sind die Defizite kaum beseitigt.

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Durch die Verbriefung von Krediten können Banken Risiken streuen und so ihre Bilanzen entlasten. Allerdings konnten Institute, die ein Kreditpaket schnürten, Risiken auch komplett weitergeben. Das setzte falsche Anreize, die Qualität der Kredite spielte kaum noch eine Rolle. Künftig sollen die Institute einen Teil des Risikos behalten.

Viele Investoren verstanden die Papiere zu wenig. Ratingagenturen hatten selbst auf Kredite an wenig zahlungskräftige Schuldner basierende Produkte mit der Bestnote AAA bewertet. Weitere Nachfragen machte das offenbar überflüssig und setzte selbst die Erkenntnis außer Kraft, dass hohe Renditen nur mit hohen Gewinnen möglich sind.

Taleb: Modelle für Vorhersagen ungeeignet

Heftig diskutiert wird in der Branche über die internen Risikosysteme der Banken. Als Messgröße hat sich der sogenannte Value-at-Risk (VaR) durchgesetzt. Das Konzept wurde Mitte der Neunzigerjahre von der Investmentbank JP Morgan entwickelt und basiert auf verschiedenen mathematischen Modellen. Sie geben Auskunft über erwartbare Verluste einzelner Wertpapierportfolios oder eines ganzen Instituts. Liegt der VaR einer Bank bei 50 Millionen Euro, heißt das, dass sie mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Zeitraum höchstens so viel Geld verlieren wird. Die Zahl sagt nichts darüber, wie hoch der Verlust bei außerordentlichen unvorhersehbaren Ereignissen werden kann.

Vor allem deshalb steht das Konzept seit Ausbruch der Krise unter Beschuss. Prominentester Kritiker ist der ehemalige Börsenhändler Nassim Nicholas Taleb, der es mit seinem Buch „Der Schwarze Schwan“ zum Finanzkrisenbestseller gebracht hat. Der Glaube an Modelle und Statistiken wiege die Banken in trügerischer Sicherheit, meint Taleb. Historische Erfahrungen würden einfach fortgeschrieben. Dabei kommen ungewöhnliche Ereignisse auf den Finanzmärkten regelmäßig vor, wie die Börsencrashs der vergangenen Jahrzehnte zeigen. Statistische Ansätze wie die Gaus’sche Normalverteilung seien deshalb für Voraussagen völlig ungeeignet. In der Tat erfassten manche Modelle einen Zeitraum, in dem die Immobilienpreise in den USA nur gestiegen waren.

„Die Modelle funktionieren an sich gut, sind aber teilweise falsch eingesetzt worden“, meint dagegen Christopher Finger von der Risikoberatung Riskmetrics. Bei vielen Instituten seien Vermögenswerte problematisch klassifiziert, Verbriefungen etwa wie Unternehmensanleihen behandelt worden. Die Banken hätten dabei außer Acht gelassen, dass bei den komplizierten Produkten volkswirtschaftliche Faktoren wie die Immobilienpreise, die Arbeitslosigkeit oder die Leitzinsen eine wichtige Rolle spielen. Risiken wie das Austrocknen der Liquidität ganzer Märkte seien aber tatsächlich nicht vorgesehen gewesen. „Das müssen wir künftig verbessern“, sagt Finger.

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