Finanzkrise: Wo Anleger wieder zugreifen können

Finanzkrise: Wo Anleger wieder zugreifen können

Trotz Erholung an den Börsen ist die Finanzkrise längst nicht ausgestanden. Wie es im Dax weitergeht, wo Anleger zugreifen können, wo Ihr Geld wirklich sicher ist.

Im Online-Universum Second Life konnten auch deutsche Anleger schon mal üben: Als virtuelle Wesen standen sie Schlange vor Geldautomaten, zitterten um ihre Einlagen auf den Konten einer Bank, der die Mittel ausgingen. Vor gut einem halben Jahr brach in der virtuellen Welt im Zuge einer Finanzkrise eine Bank zusammen, das Institut Ginko Financial. Der Betreiber der Internet-Welt, Linden Lab aus San Francisco, hat inzwischen reagiert. Seit ein paar Wochen dürfen auch in Second Life nur noch Finanzinstitute Bankgeschäfte anbieten, die eine Lizenz einer Aufsichtsbehörde vorweisen können. Teilnehmer hatten sich beschwert, dass nach dem Bankzusammenbruch die Stabilität der Wirtschaft in Second Life gefährdet sei.

Diese Gefahr ist auch im wirklichen Leben ganz real. Unternehmen müssen mehr für ihre Kredite bezahlen, verängstigte Verbraucher geben weniger aus, die Wachstumsprognosen der Industrieländer werden eingedampft: Die Finanzkrise, von miesen US-Hypotheken ausgelöst, greift auf die Wirtschaft über. Politiker und Notenbanken sind aufgeregt wie schon seit Jahren nicht mehr.

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Alles ist noch viel schlimmer als gedacht. Die finanziellen Folgen der Finanzkrise, so hieß es im vergangenen Sommer, seien begrenzt, ihre Dauer überschaubar. Denkste. Das seit drei Generationen größte Desaster an den Finanzmärkten geht diese Woche nun schon ins vierte Quartal. Statt „vielleicht 50 bis 100 Milliarden Dollar“ Verlusten, die US-Notenbankchef Ben Bernanke im Juli 2007 prognostizierte, haben sich aus Geschäften mit minderwertigen US-Hypotheken (Subprime) bereits 200 Milliarden Dollar Minus aufgetürmt – allein in den Bilanzen der Banken.

Die größten Geldhäuser der Welt wie UBS und Citigroup melden, obwohl bereits mit zweistelligen Milliardenbeiträgen gestützt, weiteren Kapitalbedarf. Bear Stearns, eine der Top-5-Investmentbanken an der Wall Street, ein Haus mit 400 Milliarden Dollar Bilanzsumme, muss in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom Konkurrenten JP Morgan und der US-Notenbank Fed vor der Pleite gerettet werden. Hedgefonds kippen, wie schon im vergangenen Jahr, auch von Januar bis März 2008 gleich im Dutzend. Zuletzt erwischte es mit Carlyle Capital einen der ganz Großen der Branche. Mit der Präsidentenfamilie Bush per Du, bei allen Großbanken auch deshalb ein gern gesehener Gast, hatte Carlyle-Gründer David Rubenstein plötzlich unangenehme Nachrichten auf seinem Blackberry – und musste nach Kreditkündigungen seiner Bankfreunde einen mehr als 20 Milliarden Dollar schweren Fonds dichtmachen.

Sollten Anleger jetzt vor allem Vorsicht walten lassen, Kapital lieber weiter in Festgeldern, auf dem Sparbuch oder gleich in Gold parken? Oder ist die Finanzkrise mittlerweile in Panikmache ausgeartet, ist alles doch nicht so schlimm und der Aktienmarkt mittlerweile günstig?

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der binnen weniger Monate die globale Deutungshoheit in Sachen Finanzkrise eroberte, warnte erst vergangene Woche plötzlich vor möglicherweise sinkenden Erträgen auch beim größten deutschen Geldinstitut. Ein schlechtes Zeichen, segelte bisher doch kaum ein Geldhaus so sicher durch das Finanzgewitter wie die Deutsche Bank. Jetzt soll der Staat es richten, zumindest in den USA, so Ackermanns Wunsch. Zusätzlich rufen Banker gar nach einer Änderung von Bilanzregeln, um Investoren geringere Verluste präsentieren zu können.

Die Börsen sind nervös wie selten. Nach Gewinnwarnungen und schwachen Geschäftsausblicken brachen die Kurse von Blue Chips reihenweise ein. Egal, ob Siemens, Metro oder Deutsche Telekom – es gibt kaum noch sichere Häfen an der Börse. „Es ist weiter viel Dampf auf dem Kessel, weitere Abschreibungen werden mit Sicherheit folgen, und die Krise wird sich noch viel weiter in die Länge ziehen“, sagt Jochen Felsenheimer, Leiter Kreditstrategie und Derivatespezialist bei UniCredit in München.

Viele Strategen trommeln dennoch unverdrossen zum Einstieg an der Börse. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurssturz seinen Tiefpunkt erreicht habe, liege „bei 70 Prozent“, äußerte sich im typischen Bankerkauderwelsch Ryoji Musha, Anlagestratege bei der Deutschen Bank, vergangene Woche in einem Marktkommentar. „Wir sehen bei europäischen Aktien die niedrigste » Gewinnbewertung seit 15 Jahren und glauben, Aktien bieten auf mittlere Sicht Wertsteigerungspotenzial“, so Alex Lyle, Fondsmanager bei Threadneedle in London. Dennoch gibt es eine Menge Gründe, warum der Tiefpunkt an der Börse noch längst nicht erreicht ist.

Zuallererst: Banken dürften noch nicht einmal die Hälfte aller aufgelaufenen Subprime-Verluste abgeschrieben haben. Analysten von Bear Stearns, und die müssten es als bisher letzte Hauptbetroffene ja wissen, schätzen allein für die im S&P-500-Index vertretenen US-Banken im ersten Quartal 2008 weitere Abschreibungen von bis zu 70 Milliarden Dollar. Goldman Sachs taxiert die Gesamtverluste aus der Subprime-Krise auf 460 Milliarden, die UBS auf 600 Milliarden und der Internationale Währungsfonds gar auf 800 Milliarden Dollar. Je nach Lesart wären damit entweder knapp die Hälfte, ein Drittel oder gar erst ein Viertel des Abschreibungsmarathons bewältigt, wenn überhaupt.

Denn der US-Häusermarkt verzeichnete nach jüngsten Zahlen für den Januar mit einem Einbruch von 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat einen der größten Preisrückgänge seiner Geschichte; der US-Konsument bedient nicht nur seine Haushypotheken immer weniger, sondern auch seine 2400 Milliarden Dollar schweren Kreditkarten- und Autoschulden; Ratingagenturen erwarten eine Verfünffachung der Ausfallraten bei schwachen Unternehmensschuldnern.

Das alles lässt viel Raum für weitere Abschreibungen in den Bankbilanzen, wenig Raum aber für eine Spekulation auf steigende Kurse. „Eine nachhaltige Entspannung der Kreditkrise ist nicht in Sicht. Solange der Aktienmarkt nicht einen tragfähigen Boden ausgebildet hat, sollten Anleger vorsichtig bleiben“, so Tammo Greetfeld, Aktienstratege bei UniCredit. „Zuletzt haben wir nur eine kurzzeitige Erholungsrally gesehen, die schnell wieder auslaufen wird“, kommentiert Kreditspezialist Felsenheimer den Kursanstieg der vergangenen Tage, nach der vorläufigen Rettung von Bear Stearns.

Gegen eine länger anhaltende Rally spricht, dass der Aktienmarkt, besonders der amerikanische, alles andere als günstig bewertet ist. So verdienten die 500 wichtigsten US-Unternehmen im vergangenen Jahr 72 Dollar je Aktie. Gemessen am derzeitigen Indexstand des S&P 500 von rund 1340 Punkten ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19. Das entspricht in etwa dem Doppelten einer angemessen niedrigen Bewertung in Phasen der Rezession. So müssten die Gewinne der US-Unternehmen in diesem Jahr deutlich zweistellig steigen, um eine halbwegs günstige Bewertung zu erreichen und um einen weiteren Kursverfall einzudämmen. Dass die Gewinne aber ausgerechnet im Rezessionsjahr 2008 zulegen, nachdem sie bereits 2007 zweistellig eingebrochen waren, ist so gut wie ausgeschlossen. Denn „wir sind nun in der Phase der Krise, in der auch Industrieunternehmen immer stärker betroffen sein werden“, sagt Felsenheimer von UniCredit. Steigende Finanzierungskosten, weniger Bankengelder für die Expansion und Konjunktursorgen rund um den Globus stellen optimistische Prognosen der Unternehmen auf den Prüfstand. SonyEricsson beispielsweise, als Handyhersteller nicht direkt von der Finanzkrise betroffen, warnte die Investoren vor einem schwachen Geschäft. Grund: das weltweit abflauende Wachstum. Binnen Sekunden brach der Kurs um elf Prozent ein, zwei Milliarden Börsenwert waren perdu. Immer noch wenig gegenüber dem Kursverlust bei Siemens: Schon die Ankündigung einer außerordentlichen Belastung von lediglich 900 Millionen Euro in diesem Jahr veranlasste die Börsianer, in wenigen Minuten zehn Milliarden Euro an Börsenwert zu vernichten. Als der US-Softwareanbieter Oracle am vergangenen Donnerstag meldete, Kunden hielten sich wegen der Finanzkrise mit Bestellungen zurück, drückte das auch den Kurs von SAP. Verunsicherung pur.

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