
Abgestimmt, so hat es zumindest den Anschein, werden die Gesetze vor allem mit der Finanzlobby. Besonders die Finanzvertriebe sind eng mit aktuellen und ehemaligen Regierungsmitgliedern vernetzt. In einem Blog der DVAG im Internet macht der Finanzvertrieb regelmäßig Stimmung gegen die Honorarberatung. Im Februar schrieb Marketing-Vorstand Helge Lach dort, dass Honorarberatung viel zu teuer sei. Sein persönliches Fazit: „DVAG statt Honorarberatung“. Anfang Juli äußerte er sich verwundert über die Befürworter der Honorarberatung, schließlich seien die „Ursachen für mögliche Missstände in der Finanzberatung allenfalls ganz am Rande in den Vergütungssystemen zu suchen“.
Insider berichten, dass das Bundeswirtschaftsministerium nach den harschen Reaktionen der Finanzlobby gegen die geplanten Regeln opponierte. Nun soll die Regierung über Kompromisse diskutieren: Geschlossene Fonds könnten dann weiter ohne KWG-Erlaubnis vertrieben werden, die Berater müssten aber Sachkunde und eine Haftpflichtversicherung für Vermögensschäden nachweisen.
Üppige Rückflüsse
Alternativ könnten die mit der KWG-Erlaubnis verbundenen Regeln eingeschränkt werden: „So scheint eine Beitragspflicht zur Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) nicht sachgerecht, wenn keine Kundengelder angenommen werden“, heißt es im Verbraucherschutzministerium. Vermittler dürften „durch die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen nicht vor unlösbare Probleme gestellt werden“.
Mit einem solchen Kompromiss könnten freie Provisionsberater und Finanzvertriebe gut leben. Sie könnten den Kunden weiterhin Geldanlagen vermitteln, die ihnen üppige Rückflüsse sichern. Auf der anderen Seite dürften zwar auch Honorarberater weiterhin zu geschlossenen Fonds beraten. Zu Aktien, Anleihen und Zertifikaten bliebe ihnen aber der Mund verboten. Die versprochene Stärkung ihres Berufsbildes? Fehlanzeige.
Versicherer: Honorarberatung will keiner
Möglicherweise zahlt sich auch in dieser Frage der Lobbydruck aus. Mitte Juli stellten zum Beispiel mehrere Versicherungsvorstände eine Auftragsstudie des Hamburger Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) vor. Das zentrale Ergebnis: Ob Kunden von Provisionsberatern oder Honorarberatern betreut werden, wirke sich auf die „Absicherungsqualität“ kaum aus. „Der Versorgungsgrad mit Risikovorsorge- und Altersvorsorgepolicen ist vergleichbar“, sagt IMWF-Geschäftsführer Roland Heintze. Schlecht bestellt wäre es um Menschen, die sich überhaupt nicht beraten ließen. Außerdem seien 85 Prozent der Deutschen nicht bereit, für eine Finanzberatung ein Honorar zu zahlen. Das Fazit: „Sollten also Honorarmodelle weiter forciert werden, dürften damit in Zukunft immer weniger Bürger bereit sein, sich über ihre Risiko- und Vorsorgelücken beraten zu lassen.“
Interessant daran: Die Studie setzt das Vorhandensein von Versicherungen mit Qualität gleich. Inwiefern die Befragten passende Policen haben und welche Gebühren sie dafür zahlen, spielt keine Rolle. Ob der Kunde sogar mehr an Provisionen trägt als er einem Berater direkt als Honorar zahlen müsste, wird ebenfalls nicht angesprochen. Das überrascht kaum: IMWF-Geschäftsführer Heintze ist PR-Berater. Im Beirat des IMWF sitzt mit Hans-Wilhelm Zeidler ein Vorstand der Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung. Solche Auftragsstudien mögen ein Diskussionsbeitrag sein; unabhängige Informationen sind es nicht.
Sollte die Politik auf derart gesteuerte Empfehlungen hören, wäre das für ratsuchende Anleger eine schlechte Nachricht.









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Alle Kommentare lesen02.08.2010, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: Selbstanleger
Da die deutsche bildungs- und Medienlandschaft aus den bundesbürgern offenbar nur noch Schöngeister ohne jegliche Kenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge machen möchte, die schön konsumieren sind die Nicht-Kenntnisse über Gelddinge nicht verwunderlich. Und damit wir den Raffelhüschens dieser Welt auch noch weiter wie die Lemminge nachlaufen und Riesterprodukte & Co. kaufen, hat niemand interesse daran, den bürger schlau zu machen. Selbständige Vermögensberatung wird durch Haftungsaspekte quasi unmöglich gemacht. Fazit : Kümmern Sie sich selbst um ihr Geld. Tun Sie nichts, was Sie nicht verstehen und lassen sich auch nicht durch ständig neue Produkte und Trends irritieren. Legen Sie jeden Monat einen betrag X zur Seite und kaufen Sie davon ab und zu in Tranchen Aktien, Anleihen oder Fonds. Alles andere ist für die Privatanleger meist zu teuer, unübersichtlich und riskant.
02.08.2010, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: Selbstanleger
Da die deutsche bildungs- und Medienlandschaft aus den bundesbürgern offenbar nur noch Schöngeister ohne jegliche Kenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge machen möchte, die schön konsumieren sind die Nicht-Kenntnisse über Gelddinge nicht verwunderlich. Und damit wir den Raffelhüschens dieser Welt auch noch weiter wie die Lemminge nachlaufen und Riesterprodukte & Co. kaufen, hat niemand interesse daran, den bürger schlau zu machen. Selbständige Vermögensberatung wird durch Haftungsaspekte quasi unmöglich gemacht. Fazit : Kümmern Sie sich selbst um ihr Geld. Tun Sie nichts, was Sie nicht verstehen und lassen sich auch nicht durch ständig neue Produkte und Trends irritieren. Legen Sie jeden Monat einen betrag X zur Seite und kaufen Sie davon ab und zu in Tranchen Aktien, Anleihen oder Fonds. Alles andere ist für die Privatanleger meist zu teuer, unübersichtlich und riskant.
31.07.2010, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: peter
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