Finanzlobby: Wie Versicherer unabhängige Finanzberatung verhindern

Finanzlobby: Wie Versicherer unabhängige Finanzberatung verhindern

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Unabhängigen Finanzberatern wird der Mund verboten

von Niklas Hoyer

Die Politik wollte Anleger endlich besser schützen. Doch die mächtige Finanzlobby weicht mit ihrem Einfluss auf die Politik die Regeln auf. Unabhängige freie Honorarberater drohen auf der Strecke zu bleiben.

Schiffsfonds, Argentinien-Anleihen, undurchsichtige Investmentfonds: Die Bankberater ließen sich für die Buchhalterin Edith Krämer und ihren Mann, einen selbstständigen Ingenieur, aus Ebersberg in Oberbayern jahrelang etwas Neues einfallen. Nur eines hatten die Geldanlagen gemeinsam, berichtet Krämer: „Uns bescherten sie vor allem Verluste.“ Am Ende hatten die Krämers 80.000 Euro verloren und sahen ihre Altersvorsorge, beide sind um die 60 Jahre alt, ernsthaft in Gefahr. So konnte es nicht weitergehen. „Wir haben dann jemand Unabhängigen gesucht. Einen Berater, der nicht verkauft“, erzählt Krämer.

Die Eheleute stießen bei ihrer Suche schließlich auf die Honorarberaterin Stefanie Kühn aus Grafing, die sie nun regelmäßig gegen eine stündliche Pauschale berät. Die geschlossenen Fonds haben die Eheleute Krämer auf deren Rat abgestoßen, Aktienfonds mit mieser Kursentwicklung und hohen Gebühren ausgetauscht. Manchmal rät Kühn auch, Geld als Tagesgeld anzulegen. „Jetzt läuft’s“, stellt Krämer zufrieden fest.

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Es sind Erfolgsgeschichten wie diese, die für eine unabhängige Finanzberatung auf Honorarbasis sprechen. Honorarberater stellen Kunden eine feste Vergütung in Rechnung, meist gegen einen Stundensatz von 100 bis 200 Euro. Dafür erstatten sie den Kunden sämtliche Provisionen, die sie von Fonds-anbietern oder Versicherern für die Vermittlung derer Produkte als Rückvergütung kassieren. Die Berater sind nicht länger auf den Verkauf provisionsträchtiger Geldanlagen angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das garantiert nicht automatisch eine gute Beratung, liefert aber die Basis, auf der die Experten nach wirklich passenden Geldanlagen für ihre Kunden suchen können.

Gebührenreiche, aber sinnlose Anlageprodukte

Eigentlich war dies im Sinne der Politik: Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner von der CSU hatte im vergangenen Jahr mehrfach angekündigt, die Honorarberatung stärken zu wollen. Den Worten folgten aber keine Taten. Stattdessen planen nun Teile der Berliner Regierungskoalition andere Regeln zur Verbesserung des Anlegerschutzes. So will das Bundesfinanzministerium per Gesetz den Vertrieb geschlossener Fonds stärker regulieren; außerdem soll die Mindestqualifikation von Bankberatern vorab kontrolliert werden. Doch das Wirtschaftsministerium hat diese Pläne vorerst blockiert, nachdem Banken und Finanzvertriebe ihre Lobbymacht in die Waagschale warfen, um die Gesetzentwürfe zu beeinflussen. Die Lobbyisten fürchten eine zu starke Regulierung der Finanzberatung auf Provisionsbasis, die das einträgliche Geschäft – gebührenreiche, aber sinnlose Anlageprodukte in den Markt zu drücken – erschweren würde.

Honorarberatern nützen die geplanten Regeln ohnehin nichts. Im Gegenteil: Viele unabhängige Honorarberater könnten auf der Strecke bleiben, wenn sie nicht mehr Unterstützung aus Berlin erfahren. Künftig dürften sie Kunden noch eingeschränkter als bisher zu Anlageprodukten beraten. „Das zarte Pflänzchen Honorarberatung droht abgeschnitten zu werden“, warnt Achim Tiffe, Direktor des unabhängigen Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen.

Aktien und Anleihen sind tabu

In den Ohren leidgeplagter Anleger klingt das schlecht. Nach einer aktuellen Studie der Direktbank ING-Diba glauben 40 Prozent der Deutschen, dass Bankberater vor allem die Interessen ihres Arbeitgebers im Auge haben, nicht die des Kunden. Allein in Deutschland verlieren sie schätzungsweise 20 bis 30 Milliarden Euro jährlich wegen falscher Beratung.

Jüngst erlitten rund 20.000 Anleger hohe Verluste mit laufzeitbegrenzten und nicht börsennotierten, sogenannten geschlossenen Dubai-Immobilienfonds, in denen geschätzte 700 Millionen Euro stecken. Noch vor wenigen Jahren hatten Finanzverkäufer die Fonds als Steuersparmodell gepriesen. Ein einträgliches Geschäft, denn bei vielen geschlossenen Fonds streichen Vermittler Provisionen von über zehn Prozent ein. Die Immobilienpreise im Wüstenemirat Dubai sind mittlerweile jedoch eingebrochen, der deutsche Fiskus setzte Steuervorteilen 2008 ein Ende.

Ohne die Provisionen, so lässt sich vermuten, wären Produkte wie Dubai-Fonds in nur wenigen Anlegerdepots gelandet. Jedoch dürfen sich schon heute viele unabhängige Honorarberater zu vielen Investments nicht mehr äußern. „Wenn ein Kunde kommt, der eine größere Summe in Aktien investiert hat, darf ich ihm dazu keine Ratschläge erteilen“, sagt Thomas Lau, Honorarberater in Würselen. Selbst zu risikoarmen Anlagen wie einer Bundesanleihe darf er nichts sagen.

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