
Solche Geschäfte mit Anleihen, Währungen und Kreditversicherungen im Auftrag von Kunden stellen die Banken gern als nahezu risikolos dar. Doch das sind sie nicht. Oft sichert die Bank sich über ein Gegengeschäft mit einer anderen Bank ab. Falls die zusammenbricht, steht sie selbst im Risiko. Bei der Deutschen Bank etwa stecken immerhin 29,7 Milliarden Euro im Geschäft mit Kreditderivaten. Es sind Ansprüche der Bank an Kunden, mit denen sie Derivate-Geschäfte eingegangen ist. Falls der alte Kunde ausfällt, müsste eine Bank einem neuen Kunden diesen Betrag bezahlen, damit der das Geschäft zu den alten Bedingungen übernimmt. Das heißt: Wenn Geschäftspartner bei Derivaten zahlungsunfähig werden, ist nicht das gesamte Geld verloren.
Doch selbst wenn man das mildernd berücksichtigt, beträgt das Risiko der Investmentbanken bei Derivaten atemberaubende 720 Milliarden Dollar, schätzen die Analysten von JP Morgan.
Nach den Bankpleiten und Fusionen der Finanzkrise teilen sich heute noch weniger Banken das Geschäft mit dem Wertpapierhandel. „Der Kuchen ist nur um etwa 15 Prozent kleiner als vor der Krise“, frohlockt der Chefhändler einer Investmentbank. Er verteilt sich aber auf deutlich weniger Institute. Die können also wegen der Finanzkrise ihre Gebühren erhöhen, der Investor zahlt drauf und damit – am Ende der Kette – letztlich auch der Investmentfonds- oder Versicherungskunde. „Die Gewinne der Banken kommen hauptsächlich aus dem Handelsgeschäft. Aus Sicht der Investoren sind das Transaktionskosten“, sagt Stefan Stalmann, Analyst bei UniCredit.
Blessing fordert neue Regeln für die Bankbranche
Schon vor der Krise war die Zahl der Konkurrenten im lukrativen Handel mit festverzinslichen Wertpapieren so gering, dass Anshu Jain, Investmentbank-Chef der Deutschen Bank, 2004 in Monte Carlo von einem „Oligopol bei der Arbeit“ sprach. Von den 17 Banken des Oligopols in Jains PowerPoint-Präsentation sind inzwischen fünf pleite, zerschlagen oder von Rivalen übernommen. Und die übrig gebliebenen profitieren.
Kunden sind ihrer Investmentbank oft geradezu ausgeliefert. Wenn sie auf einem komplizierten Finanzkonstrukt sitzen, das plötzlich entgegen den Versprechen des verkaufenden Bankers hohe Verluste bringt, hilft trotz aller Wut oft nur der Gang zum selben Banker. Und weil nur der das Problem versteht, kassiert er für die Restrukturierung hohe Gebühren.
Kein Wunder, das verärgerte Kunden, Investoren und selbstredend auch die Politik, die den Banken mit Steuergeldern half, auf strengere Regeln für die Banken dringen. Selbst Commerzbank-Chef Martin Blessing fordert neue Spielregeln für die Branche: „Wenn man Banken der Selbstregulierung überlässt, wäre das, als wenn Autofahrer im Kollektiv die Ampeln abschaffen und man trotzdem hofft, dass der Verkehr noch funktioniert.“
Ackermann hätte durch strenge Auflagen für Finanzmarktgeschäfte viel mehr zu verlieren als Blessing, dessen Bank bereits am Tropf des Staates hängt und Eigenhandelsgeschäfte weitgehend zurückgefahren hat. JP-Morgan-Bankanalyst Kian Abouhossein sagt, durch höhere Eigenkapitalanforderungen könnte die Rendite im Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank 2011 von 10,0 Prozent auf 6,7 Prozent fallen.
Große Sorgen über strengere Regeln machen sich Banker trotz G20-Gipfeln und vieler politischer Willensbekundungen nicht. „Gerade in den USA haben die Kongressabgeordneten jetzt ganz andere Prioritäten. Die von Präsident Barack Obama vorgeschlagene Reform des Gesundheitswesens gilt als wichtiger“, heißt es bei einer großen Investmentbank.
So schnell ändern sich die Zeiten.









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Alle Kommentare lesen17.09.2009, 13:07 UhrAnonymer Benutzer: Günter
bänker mit dieser Geschäftsstrategie sind nichts anderes als
kriminelle Vereinigungen - es bestätigt sich mal wieder...hinter
der schönsten Fassade sitzt meistens der größte Dreck. Es
hilft nur noch eines: Gelder abheben, Konsumverzicht,Generalstreik,
und auf die Straße - und bitte keine Produktivitätssteigerungen
15.09.2009, 18:37 UhrAnonymer Benutzer: Investmentbanker
@ Steigenberger
Von mir aus können sie Derivate ganz verbieten, die Regulierungen noch weiter aufblähen, boni enteignen, banker ins KZ stecken und basel XDXXiV einführen.
bankpleiten wird es trotzdem immer geben und SiE HAFTEN !
15.09.2009, 17:42 UhrAnonymer Benutzer: Steigenberger
Wie der Artikel richtig darstellt, haben sich die Gross-investmentbanken weitgehend von der Realwirtschaft abgekoppelt u. betreiben das Finanzkasino mit Derivatewetten u. Carrytrades weitgehend untereinander u. zusammen mit den Hedgefonds.
Sinn ist vorallem der Quartalsgewinn ! für die bank u. für die "leitenden Handelsmitarbeiter" via boni.
Allein die fallierte broker/-investmentbank Merril Lynch hat noch boni an ihre Zockerhändler in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar gezahlt!
Wenn diese Spielchen nur unter ihresgleichen gemacht würden, wäre das ein kleineres Problem.
Aber diese institute manipulieren durch ihre Spekulationsvolumina, die durch Derivatgeschäfte noch potenziert werden die Devisenmärkte, die Rohstoffmärkte ,die Aktienmärkte u. partiell die Anleihemärkte zu ihrem kurzfristigen Vorteil.
Durch die "Aktienleihe" bei investmentfonds werden oft Kursmanipulationen - letztendlich- zulasten der langfristig orientierten Anleger von seiten der investmentbanken durchgeführt.
Diese sahnen überall ab u. lassen nur Scherben u. Minigewinne für den normalen Anleger zurück, der durch dieses Geschäftsgebaren um seine Rendite betrogen wird.
Auf welch tönernden Füssen diese investmentbanken stehen zeigen die von ihnen kaum abgeschriebenen, nicht marktfähigen Derivate in ca. 1000 Milliarden Dollar Höhe; hier wird einfach mit buchaltungstricks das reale Minus verschleiert u. gehofft mittels grosser Gewinne in Zukunft kontinuierliche Abschreibungen auf die Derivate zu machen u. andererseits auf eine partielle Erholung des Derivatemarktes gehofft.
Dies alle hat mit der Realwirtschaft kaum etwas zu tuen u. wenn, dann wird die Realwirtschaft nur negativ von diesen blutsaugerbanken betroffen.
Eine strege internationale Regulierung ist dringend erforderlich, ein basel iii für die investmentbanken!