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Finanzmärkte: Die waghalsigen Spekulationen der Investmentbanken

von Mark Böschen, Cornelius Welp, Thomas Katzensteiner (Frankfurt), Yvonne Esterhazy (London) und Andreas Henry (New York)

Ein Jahr nach der Lehman-Pleite gehen Banken wieder voll ins Risiko und verdienen Milliarden – vor allem deshalb, weil Staaten und Geldpolitik die Finanzmärkte mit Kapital fluten. Warum die Systeme der Investmentbanken Verlustrisiken dramatisch unterschätzen, welche Gefahren das für Anleger birgt.

Deutsche Bank-Chef Josef Quelle: AP
Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann: Seine Investmentbank hat im ersten Halbjahr so gut verdient wie selten Quelle: AP

Bloß keinen Fehler machen. Wort für Wort liest Josef Ackermann bei einer der Banken-Konferenzen, mit denen nach den Sommerferien in Frankfurt der arbeitsreiche Herbst beginnt, seine Rede vom Blatt ab. Ruhig, fast unbeweglich steht der Deutsche-Bank-Chef am Rednerpult der Industrie- und Handelskammer. Dabei hätte er allen Anlass, Zeige- und Mittelfinger zum Siegeszeichen zu recken: Seine Investmentbank hat im ersten Halbjahr so gut verdient wie selten, ebenso die meisten Rivalen, die das Finanzchaos überlebten. Doch über diese Sensation spricht er nur vorsichtig. „Durch strukturelle Veränderungen entstehen Gewinner und Chancen für die Deutsche Bank, Marktanteile im Investmentbanking zu gewinnen“, sagt er dann.

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Lauter Jubel, das weiß er, wäre eine Provokation: für Unternehmer, die um Kredite kämpfen, für Arbeiter, die um ihre Jobs zittern und vor allem für die Politiker, die Milliarden an Steuergeldern ins Finanzsystem gepumpt haben. Ausgerechnet die Verursacher der Finanzkrise, die Investmentbanken, machen wieder Gewinne, als sei nichts geschehen. Während Industrie und Steuerzahler unter den Folgen der Krise leiden, profitieren die Banken von zum Teil riskanten Handelsgeschäften („Sales & Trading“). Die Deutsche Bank hat hier in den letzten beiden Quartalen so viel verdient wie selten in den vergangenen fünf Jahren. US-Rivalin JP Morgan schaffte in den drei Monaten bis Juni sogar den größten Gewinn mit Zinsgeschäften seit 2004.

Riskante Geschäfte sollen der Vergangenheit angehören

Diesmal jedoch soll alles anders sein als im letzten Boom, der in der Finanzkatastrophe endete. „Wir machen das, was sich in der Krise als falsch erwiesen hat, am Ende nicht wieder neu auf“, sagt Ackermann. Allzu riskante Geschäfte sollen der Vergangenheit angehören. Doch schon der Blick in den Halbjahresbericht der Deutschen Bank weckt Zweifel. Ihr Verlustrisiko ist demnach heute höher als kurz vor Ausbruch der Finanzkrise: Die maximale Summe, die Ackermanns Bank bei normalem Handelsverlauf im Durchschnitt des zweiten Quartals verlieren konnte, beziffert die Bank auf 142,9 Millionen Euro. Das ist ein Viertel mehr als im zweiten Quartal 2008, kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September. Bei extrem außergewöhnlichen Ereignissen kann der Verlust um ein Vielfaches höher sein.

Ähnlich sieht es bei den Rivalen aus. Bei der US-Bank Goldman Sachs etwa stieg die Risikokennzahl im zweiten Quartal auf 245 Millionen Dollar, im Vorjahr lag sie zu diesem Zeitpunkt noch bei 184 Millionen. Weil die Finanzmärkte sich seither beruhigt haben (und die Risikokennzahl von der Schwankungsstärke der Kurse abhängt), ist der Schluss logisch: Die Banken haben riskante Geschäfte wieder hochgefahren.

Die Bank gewinnt
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Das Sicherheitspolster der Branche gegen drohende Verluste ist sehr dünn: So hat etwa die Deutsche Bank in den vergangenen sechs Monaten ihre Bilanzsumme zwar von 2,2 Billionen auf 1,7 Billionen Euro reduziert. Unterlegt sind diese Geschäfte aber nur mit Eigenkapital von 34 Milliarden Euro.

Eine mögliche Verlustquelle: Die Bank hat für 64 Milliarden Euro sogenannte Level-3-Vermögenswerte in ihrer Bilanz. Für die gibt es derzeit keinen beobachtbaren Marktpreis, sie gelten als unverkäuflich. Viele Investmentbanken haben zudem Vermögenswerte so umgebucht, dass sie diese nicht abwerten müssen. Dahinter steht die Annahme, dass es bei den zugrunde liegenden Krediten keine bedeutenden Zahlungsausfälle geben wird – eine angesichts immer noch schwacher Konjunktur sehr optimistische Prognose.

Wie aber kann es sein, dass das Verlustrisiko der Banken schon wieder so stark steigt? Und mit welchen Risiko-Geschäften verdienen die Investmentbanken überhaupt so viel Geld?

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.09.2009, 13:07 UhrAnonymer Benutzer: Günter

    bänker mit dieser Geschäftsstrategie sind nichts anderes als
    kriminelle Vereinigungen - es bestätigt sich mal wieder...hinter
    der schönsten Fassade sitzt meistens der größte Dreck. Es
    hilft nur noch eines: Gelder abheben, Konsumverzicht,Generalstreik,
    und auf die Straße - und bitte keine Produktivitätssteigerungen

  • 15.09.2009, 18:37 UhrAnonymer Benutzer: Investmentbanker

    @ Steigenberger

    Von mir aus können sie Derivate ganz verbieten, die Regulierungen noch weiter aufblähen, boni enteignen, banker ins KZ stecken und basel XDXXiV einführen.

    bankpleiten wird es trotzdem immer geben und SiE HAFTEN !

  • 15.09.2009, 17:42 UhrAnonymer Benutzer: Steigenberger

    Wie der Artikel richtig darstellt, haben sich die Gross-investmentbanken weitgehend von der Realwirtschaft abgekoppelt u. betreiben das Finanzkasino mit Derivatewetten u. Carrytrades weitgehend untereinander u. zusammen mit den Hedgefonds.
    Sinn ist vorallem der Quartalsgewinn ! für die bank u. für die "leitenden Handelsmitarbeiter" via boni.
    Allein die fallierte broker/-investmentbank Merril Lynch hat noch boni an ihre Zockerhändler in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar gezahlt!

    Wenn diese Spielchen nur unter ihresgleichen gemacht würden, wäre das ein kleineres Problem.
    Aber diese institute manipulieren durch ihre Spekulationsvolumina, die durch Derivatgeschäfte noch potenziert werden die Devisenmärkte, die Rohstoffmärkte ,die Aktienmärkte u. partiell die Anleihemärkte zu ihrem kurzfristigen Vorteil.
    Durch die "Aktienleihe" bei investmentfonds werden oft Kursmanipulationen - letztendlich- zulasten der langfristig orientierten Anleger von seiten der investmentbanken durchgeführt.
    Diese sahnen überall ab u. lassen nur Scherben u. Minigewinne für den normalen Anleger zurück, der durch dieses Geschäftsgebaren um seine Rendite betrogen wird.
    Auf welch tönernden Füssen diese investmentbanken stehen zeigen die von ihnen kaum abgeschriebenen, nicht marktfähigen Derivate in ca. 1000 Milliarden Dollar Höhe; hier wird einfach mit buchaltungstricks das reale Minus verschleiert u. gehofft mittels grosser Gewinne in Zukunft kontinuierliche Abschreibungen auf die Derivate zu machen u. andererseits auf eine partielle Erholung des Derivatemarktes gehofft.
    Dies alle hat mit der Realwirtschaft kaum etwas zu tuen u. wenn, dann wird die Realwirtschaft nur negativ von diesen blutsaugerbanken betroffen.
    Eine strege internationale Regulierung ist dringend erforderlich, ein basel iii für die investmentbanken!

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