Finanzmärkte: Schieflage kaschiert

Finanzmärkte: Schieflage kaschiert

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Der WirtschaftsWoche-Redakteur Christof Schürmann kommentiert die aktuelle Börsenentwicklung

von Christof Schürmann

Die meisten Aktien entwickelten sich prächtig - trotz Japan, Griechenland und Inflation. 2011 war bisher ein gutes Anlagejahr – ironischerweise gerade wegen der Rettungspakete.

An der Börse ist alles möglich, sogar das Gegenteil. Für jede Entwicklung an den Finanzmärkten hat das Lexikon der Börsenweisheiten ein hübsches Bonmot parat. Das erste Halbjahr dieses Jahres jedenfalls war vom Gegenteil geprägt. Obwohl sich die Finanzkrise im Jahr vier zu einer enormen Staatsschuldenkrise ausgeweitet hat, obwohl es den größten zivilen Atom-GAU gegeben hat und obwohl Inflationsängste ein beherrschendes Thema waren, entwickelten sich die meisten (heimischen) Anlagen wie in besten Zeiten.

Dax-Papiere legten rund acht Prozent zu, die Nebenwerte des MDax knapp zehn. Weder mit Bundesanleihen noch mit Schuldverschreibungen der soliden und sogar der meisten unsoliden Schuldner verloren Anleger auch nur einen Cent. Gold (in Euro) liegt leicht im Plus, für Tagesgelder gibt es wieder Zinsen, mit denen sich die aktuelle Inflation ausgleichen lassen sollte. Alles in allem lohnte es sich 2011 bisher, einen Mix aus Aktien, Unternehmensanleihen, Gold und Festgeldern zu halten.

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Entwicklung nur teilweise fundamental untermauert

Allerdings sind die positiven Entwicklungen nur zum Teil fundamental untermauert. Die Bewertungen an den Aktienmärkten unterstellen, dass die Unternehmensgewinne in den nächsten Jahren ohne Rückschlag steigen. Der Zins, den ein Unternehmensgläubiger – also ein Besitzer von Anleihen – bekommt, enthält keine Prämie mehr für eine wirtschaftliche Abschwächung und eine damit einhergehende Verschlechterung der Bilanzkennziffern.

Die moderate Aufwertung des Goldes dürfte von der Entwicklung aller Anlageklassen die nachhaltigste sein: Unterstellt wird eine anhaltende Staatsschuldenkrise und Währungsschwäche. Dafür gibt es genügend Belege – siehe die USA, Japan, Portugal und weitere Länder der Euro-Zone.

Keine Solidität

Ohne eine Notenbankpolitik, die sowohl in den USA als auch in Europa inzwischen jede Solidität vermissen lässt, und ohne die umfangreichen Rettungspakte der Euro-Länder sähe die Börsenwelt jedoch anders aus. Gerettet werden hier weder (direkt) die Konjunktur und schon gar nicht ganze Länder wie Griechenland, geschweige denn der Euro an sich, sondern einzig und allein die Banken, Versicherungen und natürlich die Schattenbanken (Hedgefonds). Die Schulden- und Gelddruckorgie überlagert nur Schieflagen im Finanzsystem. Solange die Bankenrettung andauert und Schieflagen verschoben werden, bestehen Chancen auf steigende Kurse. Früher oder später aber dürfte die nächste Verkaufswelle auf die Märkte zurollen – nicht jede Schieflage lässt sich ewig kaschieren.

Anleger sollten deshalb darauf achten, ihren Anlagemix konstant zu halten. Wer seinen Aktienanteil nach den Kurssteigerungen der vergangenen Jahre etwa von 30 oder 40 Prozent auf mehr als 50 oder 60 Prozent ausgebaut hat, sollte an starken Tagen einige Positionen abbauen. Unternehmensanleihen können gehalten werden, der Goldanteil im Depot sollte wenigstens 20 Prozent betragen.

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