Finanzmarktreformen: USA nehmen Banken an die Leine

Finanzmarktreformen: USA nehmen Banken an die Leine

Bild vergrößern

US-Präsident Barack Obama

von Andreas Henry

Nach der Zustimmung im US-Senat über das Finanzreformpaket müssen sich die Banken in den USA damit abfinden, dass alle Anstrengungen ihrer Lobbyisten in Washington gescheitert sind, eine deutlich verschärfte Aufsicht und Regulierung ihrer Geschäfte zu verhindern. Die Politiker haben das Momentum der Krise genutzt, um den Finanzsektor erheblich restriktiver zu kontrollieren.

Nach der Gesundheitsreform wird Präsident Barack Obama die Verabschiedung einer umfassenden Finanzreform als weiteren politischen Erfolg verbuchen können. Gestern segnete der US-Senat ein umfassendes Regulierungspaket ab, das radikaler ausgefallen ist, als die Finanzbranche erwartet hatte. Jetzt geht es in den kommenden Wochen lediglich noch darum, diese Vorschläge mit der vom Repräsentantenhaus bereits im Dezember verabschiedeten Version abzugleichen. Bereits Ende Juni könnte dem US-Präsidenten ein unterschriftsreifes Gesetz vorgelegt werden.

Die Kurse von amerikanischen Bankaktien knickten aus diesem Grund zuletzt deutlich ein. Denn der sich nun konkret abzeichnende neue Regelkatalog dürfte in vielen bisher lukrativen Geschäftsbereichen zu massiven Einschnitten führen. Noch tun sich die Analysten schwer damit, die Folgen für zukünftige Bankgewinne exakt zu quantifizieren. Unabhängige Branchenexperten wie Meredith Whitney, die sich einen Namen machte, weil sie vor Beginn der Finanzkrise als erste auf die Probleme bei vielen US-Großbanken aufmerksam gemacht hatte, erwarten aber spürbare Einbussen  - sowohl bei den Umsätzen als auch der Profitabilität der Banken.

Anzeige

Neue Abteilung soll für Ordung sorgen

So soll vor allem der außer Kontrolle geratene Markt für alle möglichen Arten von Derivate-Kontrakten an eine enge Leine genommen werden. In Zukunft werden die meisten dieser Kontrakte voraussichtlich über eine zentrale Stelle abgewickelt werden müssen. Bilaterale Wetten im so genannten Over-The-Counter (OTC) –Verfahren wären nur noch in Ausnahmefällen möglich. Zudem soll ein Regulierer mehr Interventionsmöglichkeiten erhalten, falls Banken mit riskanten Derivategeschäften Kopf und Kragen riskieren.

Zwar konnten die Banklobbyisten verhindern, dass eine neue unabhängige Konsumentenschutzbehörde gebildet wird, die möglicherweise sehr aggressiv und mit weitgehenden Befugnissen Finanzinnovationen geprüft und eventuell verboten hätte. Doch mit dieser zusätzlichen Aufgabe soll nun laut dem Senatsentwurf eine neue Abteilung innerhalb der amerikanischen Notenbank betraut werden. Die amerikanische Zentralbank hatte sich bereits den Vorwurf gefallen lassen müssen, sie habe nicht auf Exzesse und zweifelhafte Methoden bei der Vergabe von Krediten zur Hausfinanzierung reagiert, die schließlich zur Immobilienblase in den USA beigetragen hatten. Sie dürfte deshalb in Zukunft früher auf solche Fehlentwicklungen reagieren.

Lobbyisten wollen alle Hebel in Bewegung setzen

Die Federal Reserve wird auch bei der Bewertung von zukünftigen Systemrisiken eine wichtige Rolle spielen. Ein neu geformtes Gremium mehrerer Regulierer soll unter Federführung der Fed sich aufbauende Risiken im Finanzsystem möglichst frühzeitig erkennen und dann gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zur Gegensteuerung vorschlagen. So soll verhindert werden, dass einzelne Finanzinstitutionen zu groß werden können, um sie scheitern zu lassen. Bei einer zukünftigen Schieflage sollen keine Steuergelder mehr für Rettungsaktionen eingesetzt werden müssen. In Extremsituationen erhält der US-Staat vielmehr die Möglichkeit, Banken oder andere systemrelevante Institutionen zu verstaatlichen um sie dann - möglichst geordnet - abwickeln zu können.

Noch nicht endgültig geklärt ist, ob und in welchem Umfang die Banken in Zukunft den so genannten Eigenhandel weiter beitreiben dürfen. Mit diesem lukrativen Geschäft auf eigenes Risiko machen vor allem die großen Investmentbanken und die Banken mit großer Investmentbankabteilung hohe Gewinne. Der Senatsentwurf sieht vor, dass die Banken diese Aktivitäten praktisch einstellen müssten. Ganze Abteilungen müssten dann möglicherweise verkauft, abgetrennt oder ausgelagert werden. Der Gesetzesvorschlag des Repräsentantenhauses enthält dagegen kein Verbot des Eigenhandels. Solche riskanten Geschäfte müssten allerdings mit mehr eigenem Kapital unterlegt werden. In der Frage der zukünftigen Behandlung des Eigenhandels werden die Banklobbyisten in Washington deshalb in den verbleibenden Wochen bis zur endgültigen Unterzeichnung des Gesetzes alle Hebel in Bewegung setzen, um die aus Sicht der Banken schlimmere Variante noch abzubiegen.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%