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Finanzmarktregulierung: Spekulative Leerverkäufe verboten

von apn

Seit Mitternacht sind in Deutschland für verschiedene Aktien und Kreditausfallversicherungen ungedeckte Leerverkäufe untersagt. Damit soll die Spekulation eingedämmt werden. Die Börsen reagierten verunsichert.

Die Dax-Anzeigetafel an der Quelle: REUTERS
Die Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse am 8. Oktober 2009 Quelle: REUTERS

Zur Eindämmung der Spekulationen an den Finanzmärkten ist seit Mitternacht ein Verbot ungedeckter Leerverkäufe von Anleihen der Staaten in der Euro-Zone in Kraft. Wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Dienstagabend mitteilte, sind auch ungedeckte Leerverkäufe von Aktien mehrerer Finanzunternehmen untersagt, darunter die von Allianz, Commerzbank, Deutscher Bank und Postbank.

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Verboten wurden zudem sogenannte ungedeckte Credit Default Swaps (CDS). Die Verbote gälten bis Ende März nächsten Jahres und würden laufend überprüft, erklärte die BaFin. Sie begründete ihren Schritt mit den außergewöhnlichen Kursschwankungen bei Schuldtiteln von Staaten der Eurozone. Zudem hätten sich die sogenannten Spreads von CDS auf Kreditausfallrisiken mehrerer Staaten der Eurozone erheblich ausgeweitet.

Leerverkäufe schon 2008 untersagt

„Vor diesem Hintergrund hätten massive Leerverkäufe der betroffenen Schuldtitel und der Abschluss von ungedeckten CDS auf Kreditausfallrisiken der Staaten der Eurozone weitere exzessive Preisbewegungen zur Folge, welche zu erheblichen Nachteilen für den Finanzmarkt führen und die Stabilität des gesamten Finanzsystems gefährden können“, mahnte die Aufsichtsbehörde. 

Leerverkäufe sind eine der hochriskanten Strategien, die beispielsweise Hedgefonds verfolgen, um Gewinne sowohl in steigenden als auch fallenden Märkten zu erzielen. Dabei werden beispielsweise große Aktienpakete gegen Provision von Fondsgesellschaften oder Banken ausgeliehen und an der Börse verkauft. Das drückt in der Regel den Kurs. Zu den dann niedrigeren Bewertungen kaufen die Hedgefonds die Papiere zurück und reichen sie an Bank oder Fondsgesellschaft weiter.

Wesentliches Element ist zudem die weitgehende Finanzierung solcher Geschäfte durch Kredite. Durch den so erzielten Hebel- oder Leverage-Effekt wird der mögliche Gewinn noch weiter erhöht. Allerdings wird so auch das finanzielle Risiko für die Anleger beim Scheitern der Spekulation erheblich vergrößert.

Schon im September 2008 hatte die BaFin ungedeckte Leerverkäufe einer Reihe von Aktien untersagt. Dieses Verbot war aber im Februar 2010 überraschend wieder aufgehoben worden.

Aktien von zehn Unternehmen betroffen

Von dem neuen Verbot sind die Aktien von zehn Unternehmen betroffen, nämlich Aareal Bank, Allianz, Commerzbank, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Deutsche Postbank, Generali Deutschland Holding, Hannover Rück, MLP und Münchner Rück. FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger begrüßte die Ankündigung der BaFin, ungedeckte Leerverkäufe auf nationaler Ebene zu verbieten. „Das findet ausdrücklich unsere Unterstützung“, sagte sie nach einer Sitzung ihrer Fraktion. Alles, was im Kampf gegen hochspekulative Geschäfte national gemacht werden könne, müsse schnell auf den Weg gebracht werden.

In Europa haben die Börsen am Mittwoch mit teils erheblichen Verlusten auf die Regulierungsmaßnahmen der deutschen Finanzmarktaufsicht reagiert. Die Indexverluste in Europa glichen bereits nach den ersten Handelsminuten die hohen Vortagesgewinne in vielen Fällen komplett aus. Dabei fielen Verluste von mehr als einem Prozent und nahe drei Prozent an.

Der EuroStoxx 50 sank 2,3 Prozent und der Deutsche Aktienindex Dax verlor 1,3 Prozent. Die Verluste erfassten den breiten Markt und sämtliche Branchen. Europas Aktienmärkte schlossen sich damit den schwachen Börsen aus Asien an.

Deutsche Finanzwerte, die vom Leerverkaufsverbot betroffen waren, zeigten allerdings nicht in allen Fällen besonders ausgeprägte Kursverluste. Es waren eher die stärksten Gewinner des Vortages, die im Dax überdurchschnittlich abgaben

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.05.2010, 10:36 UhrAnonymer Benutzer: FelixSchwarz

    bei vielen investmentbankern kann man sagen: Geld essen Seele auf!

  • 20.05.2010, 10:32 UhrAnonymer Benutzer: FelixSchwarz

    Es ist doch klar, dass der, der durch Leerverkäufe viel „Geld macht“, gegen jede Regulierung ist und sich als der „große Experte“ aufspielt! Es doch auch klar, dass die so genannten „Experten“ immer nur eins sind: potentelle Junkies. Es ist doch klar, dass jene, die diesen „Junkies“ den Spaß verderben, als die „dummen“ hingestellt werden! Ein bekanntes Spiel, dass jeder leicht durchschaut. Denn es handelt es sich doch um ein Glücksspiel, vergleichbar mit dem Russischen Roulette. Russisches Roulette ist ein potentiell tödliches Glücksspiel, das mit einem Revolver gespielt wird. Um die Folgen dieses Handelns beurteilen zu können, da muss man nicht selbst gespielt haben! Aber: Es ist ein Krieg auf dem Gebiet der Finanzen! Angezettelt wird er vor allem von den britischen und amerikanischen Hedgefonds und deren Vasallen.

  • 20.05.2010, 01:29 UhrAnonymer Benutzer: Kleinanleger

    Der illustre Chor der klagenden Unternehmen, allen voran Hedge Fonds und investmentbanken, zeigt, dass die Maßnahme richtig war. Wenn unproduktiver Spekulation ein Teil ihrer Existenzgrundlage genommen wird, kann die Realwirtschaft nur profitieren. Schade nur, dass sich ähnliches nicht dauerhaft und weltweit wird durchsetzen lassen.

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