Finanzplatz Deutschland: Depotbanken: "Hochsensibler Bereich"

Finanzplatz Deutschland: Depotbanken: "Hochsensibler Bereich"

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Jörg Ambrosius

Der Chef der State Street Bank, Jörg Ambrosius, über das Milliardengeschäft der Depotbanken und die Madoff-Pleite.

WirtschaftsWoche: Sie könnten ein glücklicher Banker sein, weil Sie keine Probleme mit faulen Krediten haben und nicht um den Bonus fürchten müssen...

Ambrosius: Ganz so unbeschwert sind wir nicht. State Street verwahrte vor einem Jahr weltweit etwa 20 Prozent mehr Vermögen. Wenn Aktienfonds etwa 40 Prozent Kursverluste in einem Jahr verbuchen, merken wir das auch an den von uns verwahrten Beständen. Und da wir als Vergütung von unseren Kunden einen prozentualen Anteil am verwahrten Vermögen erhalten schrumpft natürlich auch unser Ertrag.

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Wofür bekam State Street in den USA zwei Milliarden Dollar Staatshilfe aus dem Rettungsprogramm Tarp?

Die US-Regierung hat uns proaktiv mit Eigenkapital unterstützt. Durch die Größe unseres Geschäfts gelten wir als „systemkritisch“. Die Regierung wollte sicherstellen, dass wir weiterhin stabil arbeiten können, weil viele Institute eng mit uns verzahnt sind. Unsere deutsche Depotbank war davon nicht betroffen. Wir sind hier eine eigenständige Bank mit einem haftenden Eigenkapital von 425 Millionen Euro.

Sie verwahren die Fondsgelder des deutschen Marktführers DWS. Dessen Anleger zahlen für die Depotbank. Was bekommen die dafür?

Wir verbuchen beispielsweise jeden Kauf und Verkauf von Wertpapieren, berechnen täglich die Vermögensbestände der Investmentfonds und den Fondspreis und übernehmen auch die Kontrolle, dass nur Anlageprodukte für einen Fonds gekauft werden, die für diesen zugelassen sind.

Stellen wir uns vor, DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen kauft eine deutsche Aktie. Welche Rolle spielt State Street dabei?

Der Manager trifft die Anlageentscheidung und kauft dann die Aktie an der -Börse. Die Aktienlieferung in das Depot des Fonds und die Zahlung des Kaufpreises wickeln wir ab. In dem Moment, in dem wir Geld auszahlen, kommt die Aktie hinein. Wir prüfen nach jedem Geschäft, ob die Vorschriften des Investmentgesetzes und spezifische Vertragsbedingungen eingehalten werden. Mancher Fondsmanager darf zum Beispiel keine Derivate erwerben oder nur bis zur Hälfte des Fondsvermögens Aktien kaufen. Wird eine solche Vorschrift missachtet, zeigen wir das der Kapitalanlagegesellschaft an und das Geschäft wird rückgängig gemacht. Zudem prüfen wir, ob der Handel zu marktgerechten Preisen stattgefunden hat. Zusätzlich schreibt der deutsche Gesetzgeber vor, dass der Fondspreis von der Kapitalanlagegesellschaft unter Mitwirkung der Depotbank ermittelt wird. Wir stimmen uns täglich um 17 Uhr mit der DWS ab.

Sind Sie sich da immer einig?

Da wir unabhängig voneinander rechnen, kann es selbstverständlich auch mal Abweichungen geben. Es kann passieren, dass einige Geschäfte zeitversetzt verbucht wurden. Um den Anlegerschutz zu erhöhen, hat der Gesetzgeber zwei voneinander getrennten Einheiten spezielle gesetzliche Funktionen vorgeschrieben.

Wenn Fondsgesellschaft und Depotbank zur selben Großbank gehören – und das ist in Deutschland üblich – gibt es doch Interessenkonflikte und keine wirkliche Trennung.

Der deutsche Gesetzgeber hatte deshalb in seinem letzten Entwurf zur Modernisierung des Investmentgesetzes sogar explizit einen Passus vorgesehen, der vorschreiben wollte, dass Kapitalanlagegesellschaft und Depotbank nicht mehr zu einem Konzern gehören dürfen. Der wurde in letzter Minute gestrichen. Da war die deutsche Bankenlobby stark.

In der Finanzkrise gibt es zum Beispiel für strukturierte Wertpapiere häufig gar keinen Preis, weil sie illiquide sind, also gar nicht gehandelt werden. Wird Ihre Preisfestsetzung, die letztlich den Wert meines Fondsanteils bestimmt, da nicht völlig willkürlich?

Bei liquiden Titeln ist die Preisfeststellung kein Problem, da nehmen wir veröffentlichte Börsenkurse. Ansonsten treten wir an Broker heran, die uns Preise ermitteln. Gibt es keinen Marktpreis, dann kommen wissenschaftlich akzeptierte Modelle ins Spiel, mit denen theoretische Preise errechnet werden. Die Modelle sind in der Regel mit Wirtschaftsprüfern abgestimmt. Aber ich gebe zu, das ist ein hochsensibler Bereich mit weichen Kriterien. Da sind wir uns unserer Verantwortung bewusst.

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