Finanzplatz Deutschland: Sinn und Unsinn der Finanz-Beipackzettel

Finanzplatz Deutschland: Sinn und Unsinn der Finanz-Beipackzettel

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Informationsblätter für Finanzprodukte

von Heike Schwerdtfeger

Die Bundesregierung hat sie eingeführt, jetzt liegen die ersten auf dem Tisch: Was die neuen Informationsblätter für Finanzprodukte taugen, wie Anleger Fallen umgehen, was die Banken verbessern sollten.

Der Zettel lockt mit bunten Bildchen und Grafiken. „Doch die vielen Sternchen und Fußnoten finde ich irritierend“, sagt Annemarie Blum. Die Frankfurterin ist kein Geld-Profi, sondern Buchhändlerin – eine ganz normale Anlegerin, die wissen will, was ihre Bank mit ihrem Ersparten so treibt. Für sie und ihresgleichen hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) die Beipackzettel für Finanzprodukte ersonnen. Im vergangenen Herbst forderte sie die Banken auf, ihren Kunden verständliche, transparente und miteinander vergleichbare Übersichten zu Geldanlageprodukten auszuhändigen.

Eine grob gestrickte Vorlage gab sie den Banken gleich mit, hoffte aber wohl darauf, dass die selbst noch Grips investieren. Denn verbindliche Vorgaben machte Aigner nicht. Sie setzt erst einmal auf freiwillige Lösungen. Kommt die Branche nicht zu Potte, so die Drohung hinter den Freiwilligkeitsappellen, wird es wohl gesetzliche Regelungen für Finanz-Beipackzettel geben.

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Verbindliche Standards gefordert

„Die vielen kleinen Steine, die das Verbraucherschutzministerium systematisch setzt, sind schon ein großer Fortschritt“, sagt Heinrich Bockholt, Leiter des Instituts für Finanzwirtschaft in Koblenz. Der Verbraucherzentralen Bundesverband fordert von der Bundesregierung dagegen, jetzt verbindliche Standards für Produktblätter zu setzen. „Damit die Informationen für Verbraucher einen Nutzen haben, müssen sie einheitlich und verständlich sein“, sagt Vorstand Gerd Billen.

Die Produktinformationen sollen das gesetzlich verpflichtende Beratungsprotokoll ergänzen, das Bankberater ihren Kunden seit diesem Jahr nach Beratungsgesprächen mit nach Hause geben müssen. Die DIN-A4-Blätter für Sparbriefe, Investmentfonds und Zertifikate sollen zeigen, was für ein Finanzprodukt verkauft wird, wie es funktioniert, welche Renditen realistisch sind und wo die Risiken liegen. Außerdem soll der Beipackzettel die Kosten nennen und darüber aufklären, dass Gewinne versteuert werden müssen.

Schwer verständlich

Bisher haben Großbanken wie die Deutsche Bank und die Deutschland-Tochter der Credit Suisse eigene Informationen vorgelegt, Sparkassen wie die aus Pforzheim-Calw sind ihren Verbänden zuvorgekommen, manche Finanzdienstleister wie MLP bieten die Informationen ebenfalls an.

Anlegerin Blum geht es bei manchen Informationen zunächst so wie bei den Medizintexten zu Aspirin von Bayer: Sie muss erst mal die Brille aufsetzen. Immerhin hatte sich die Deutsche Bank Mühe gegeben und das dröge Papier mit Piktogrammen und einer Balkengrafik aufgepeppt. Eine Weltkugel als Symbol für die Anlageregion und ein Tachometer, das für die Risikoklasse steht, sind Hingucker. Aber Ministerin Aigner verteilt keine Designpreise – und angesichts mancher Fußnote schleicht sich bei Anlegerin Blum der Verdacht ein, dass auch hier im Kleingedruckten allerhand versteckt werde. Was der Finanzvertrieb MLP zu einem Mischfonds aufgeschrieben hat, findet Blum jedenfalls „schwer verständlich“.

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