Finanzpolitik: Aktienmarkt: Weitere Tiefschläge befürchtet

Finanzpolitik: Aktienmarkt: Weitere Tiefschläge befürchtet

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Börsenhändlerin in Frankfurt: Kurze Erleichterung, nachdem nun der Steuerzahler in die Bresche springt.

Schnell rauf, genauso schnell wieder runter. Selbst die Tausende Milliarden Euro schweren staatlichen Notfallprogramme für die Banken haben die internationalen Aktienmärkte auf keine tragfähige Basis gestellt. Weitere Tiefschläge stehen bevor.

Kaum gibt es die ersten Hoffnungszeichen an den Finanzmärkten, melden sich auch solche Investoren wieder zu Wort, die monatelang nicht zu hören waren, deren Tage bereits gezählt schienen. Stephen Schwarzman etwa. Der Chef des Finanzinvestors Blackstone hatte noch kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 für 4,1 Milliarden Dollar Teile seines Unternehmens an die Börse gebracht, selbst 684 Millionen Dollar kassiert – und war dann still und leise untergetaucht.

Nun, da der Steuerzahler die Zeche bezahlen muss für den Kasino-Kapitalismus, ist der 61-Jährige plötzlich wieder da. Einigermaßen fröhlich erklärte Schwarzman vergangene Woche, auch seine Firma werde von den beschlossenen Rettungsmaßnahmen profitieren. Angesichts der gefallenen Aktienkurse sehe er viele „gute Kaufchancen“. Besonders die USA seien nun wieder ein „hervorragender Ort, um Geld zu investieren“.

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Für den Milliardär Schwarzman mag dies gelten. Doch Privatanleger dürften die Entwicklung der Börsen in diesen Tagen weniger euphorisch betrachten.

Und sie tun gut daran. Denn vieles spricht dafür, dass das Kursfeuerwerk vom Anfang vergangener Woche, gezündet nachdem die Regierungen weltweit Notprogramme mit einem Gesamtvolumen von mehreren Tausend Milliarden Euro geschnürt hatten, nur ein Strohfeuer war.

Der fulminante Zwischenanstieg im Dax dauerte gerade mal 16 Handelsstunden – von echter Stabilisierung keine Spur. Kein Wunder: Viele Experten gehen davon aus, dass selbst Aktien, deren Kennziffern derzeit historisch günstige Bewertungen aufweisen, möglicherweise weiter ins Rutschen kommen. „Es kann zwar zu einer starken Erholung an den Börsen kommen, das wäre wenn aber nur vorübergehend. Gründe für eine nachhaltige Rally jedoch kann ich nicht erkennen“, sagt beispielsweise Marc Faber. Der 62-jährige Schweizer Groß-Investor gilt als „Dr. Doom“, weil er sowohl den Crash von 1987 als auch die Asienkrise der Neunzigerjahre, die Technologie-Blase sowie die US-Konjunkturprobleme vorhergesagt hatte. „Es kann durchaus noch mal eine Stufe runtergehen“, warnt auch Jens Ehrhardt, der mit seinem Unternehmen DJE Kapital rund neun Milliarden Euro an Anlegergeldern verwaltet.

Heutige Finanzpolitik wird noch jahrelang die Entwicklung an Aktienmärkten bestimmen

Wer wissen will, welchen Weg die Börse in den kommenden Wochen nimmt, sollte zunächst in den Rückspiegel schauen. Denn die massive Verschuldung von Staaten und Banken, deren Kreditvergabe und die daran eng geknüpften Aussichten für die Konjunktur werden noch jahrelang die Entwicklung an den Aktienmärkten bestimmen. Zumal das Grundproblem bleibt: Niemals zuvor hatte die Finanzbranche einen größere Bedeutung für die Wirtschaft als in den zurückliegenden Jahren. Und niemals zuvor waren ihre Erträge derart künstlich aufgebläht. Bis ins vergangene Jahr hinein trugen etwa die US-Banken mit zwei von fünf Dollar zum Gewinn der US-Wirtschaft bei. Wie heute jeder weiß, standen die Gewinne nur auf dem Papier und waren zudem auf faule Kredite gebaut. „Die USA werden fast eine gesamte Generation brauchen, um die Folgen der hohen Verschuldung zu bereinigen“, ahnt Michael Keppler, der Gründer der bankunabhängigen Fondsgesellschaft Keppler Asset Management in New York.

Die schlechte Saat wurde gelegt, als zur Jahrtausendwende die Technologieblase platzte. Der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan riss die Geldschleusen weit auf, indem er den US-Leitzins auf ein Prozent senkte. Damit rettete der vermeintliche Magier der Finanzmärkte die US-Wirtschaft zwar vor dem Fall in die Rezession. Doch er legte damit zugleich die Grundlage für die größte Kreditblase der modernen Wirtschaftsgeschichte. Denn als die US-Konjunktur im November 2001 wieder ansprang, beließ Greenspan den Leitzins auf Rezessionsniveau. Erst im Juni 2004 griff die Notenbank Fed korrigierend ein. Somit waren die bösen Geister längst aus der Flasche, bevor die Zinsen in mehreren Schritten wieder angehoben wurden.

Und weil in der Welt der US-Notenbanker, in die 2002 der heutige Fed-Chef Ben Bernanke eintauchte, offenbar nur Asketen leben, die weder Autos betanken, noch Häuser heizen oder Nahrung zu sich nehmen, war auch die Inflation zunächst kein Problem. Denn die Fed orientiert sich in ihrem Handeln an der sogenannten Kern- inflationsrate. Diese klammert die Entwicklung der Preise für Nahrung und Energie einfach aus. Entsprechend wurde die inflationstreibende Wirkung der steigenden Rohstoffpreise ignoriert – und der Dollar verlor massiv an Wert. Das billige Geld trieb derweil das Kreditwachstum immer weiter an. Und die Investoren gingen an der Wall Street immer riskantere Wetten ein. Bei Zinsen, die abzüglich der echten Inflation negativ waren, blieben Spekulationen fast ohne Risiko.

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