G7-Treffen in Tokio: Finanzkrise: Finanzminister Steinbrück fordert entschlossenes Handeln

G7-Treffen in Tokio: Finanzkrise: Finanzminister Steinbrück fordert entschlossenes Handeln

Bild vergrößern

Letzte Vorbereitungen im Konferenzsaal in Tokio, in dem sich am Samstag die Finanzminster und Notenbankchefs der G7 treffen.

Finanzminister Peer Steinbrück dringt im Kreis der sieben größten Industriestaaten (G7) auf Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise. In einem Schreiben an seine G7-Ministerkollegen warnte Steinbrück zwar vor vorschnellen Reaktionen. Er verlangte aber, klare Entschlossenheit zu zeigen, um die Situation angehen zu können.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten USA, Japan, Deutschland, Kanada, Großbritannien, Frankreich und Italien wollen am Samstag in Tokio über mögliche Konsequenzen aus der Bankenkrise reden. Das von den Industrieländern getragene Forum für Finanzstabilität (FSF) legt dazu einen Zwischenbericht über die seit Monaten andauernde Bankenkrise vor. Dem Gremium gehören Vertreter von Regierungen, Notenbanken, Finanzinstitutionen sowie Aufsichtsbehörden an.

Steinbrück spricht sich in dem Papier an seine Minsterkollegen für politische Antworten vor allem zu Kapital- und Liquiditätsstandards der Banken sowie zur Finanzmarkttransparenz aus. Dem deutschen Finanzminister zufolge ist das volle Ausmaß der Finanzkrise, die durch Fehlspekulationen mit zweitklassigen US-Immobiliendarlehen ausgelöst wurde, noch nicht bekannt. Die Ereignisse zeigten aber, dass die neuen Eigenkapitalrichtlinien „Basel II“ so schnell wie möglich in allen G7-Ländern umgesetzt werden müssten. Hintergrund ist, dass in den USA die neuen Vorgaben bisher noch nicht angewandt werden. Sie regeln, wie viel eigenes Kapital die Banken als Risikopuffer für ihre Geschäfte zurücklegen müssen, im Schnitt sind es acht Prozent. Die Krise werfe die Frage auf, ob es einen besonderen Puffer bei außergewöhnlichen Risiken geben müsse, schrieb Steinbrück.

Anzeige

Auch sollte Steinbrück zufolge untersucht werden, ob und wie der Weiterverkauf von gebündelten Kreditrisiken reguliert werden kann. Zwar führe der Transfer zu einer effizienteren Verteilung der Risiken. Diese verschwinden laut Steinbrück jedoch nicht und gelangen oft in unregulierte Marktsegmente. Steinbrück forderte zugleich das so genannte Baseler Komitee zur Bankenaufsicht auf, die Arbeiten zum Liquiditätsmanagement zu beschleunigen und sobald wie möglich Vorschläge für „angemessene Standards“ vorzulegen.

Die in die Kritik geratenen Rating-Agenturen forderte er auf, selbst für bessere Verfahren („best practices“) bei strukturierten Produkten zu sorgen. Es seien mehr Informationen zur Bewertung und eine bessere Marktbeobachtung nötig. Zugleich müssten Interessenkonflikte bei den Bewertungsgesellschaften vermieden werden. „Die jüngsten Vorschläge der Rating-Agenturen sind ein guter erster Schritt.“ Schließlich sollte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) die Finanzmarktstabilität im Auge haben und zusammen mit dem FSF ein Frühwarnsystem entwickeln.

Steinbrücks britscher Kollege, Finanzminister Darling, äußerte sich zur aktuellen Währungsproblematik. Er sagte, einige Länder seien zwar beunruhigt über die Auswirkungen des relativ schwachen Dollars. Er plädierte aber dafür, dass sich die G-7-Vertreter auf die Themen konzentrieren sollten, die sie direkt beeinflussen können. Europas Exportwirtschaft muss bereits seit geraumer Zeit Nachteile wegen des starken Euro in Kauf nehmen. Wie sich letztlich die Staatengruppe in der Abschlusserklärung zum Tokioter Treffen äußeren wird, wird nach Angaben aus G-7-Kreisen noch beraten. Steinbrück hatte jüngst erklärt, es könnte sinnvoll sein, dazu etwas klarer Stellung zu nehmen. Zur aktuellen Entwicklung der Weltwirtschaft, die von Rezessionsängsten in den USA beeinträchtigt ist, ließ Darling trotz der aktuellen Probleme vorsichtige Zuversicht erkennen. „Wir durchlaufen eine schwierige Zeit“, sagte er. „Aber wir können da durchkommen.“ Die vereinzelt geäußerte Erwartung, die Staatengruppe könnte sich auf koordinierte Schritte zur Wachstumsbelebung einigen, dämpfte der britische Minister.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%