
Der ifo-Geschäftsklima-Index ist gerade auf den hohen Stand vom Sommer 2007 geklettert, aber der Deutsche Aktienindex Dax notiert weit unter dem damaligen Hoch von über 8000 Punkten und ist inzwischen sogar unter 6000 abgetaucht. Die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen hat nur noch eine Eins vor dem Komma, aber das Kreditgeschäft lässt zu wünschen übrig. Der Dollar holt trotz der miserablen US-Konjunktur gegenüber dem Euro auf, aber das als Anti-Dollar geltende Gold peilt neue Preisrekorde an, obwohl sein Preis bei einem starken Dollar nach den bisherigen Erfahrungen eigentlich einknicken müsste. Wie reimt sich das alles zusammen?
Nehmen wir zunächst das ifo-Klima und den Dax unter die Lupe, also zwei Indikatoren, die zu einem großen Teil Stimmungen und Erwartungen wiedergeben. Ihre Trends liegen bei mehrjähriger Betrachtung gar nicht so weit auseinander. Im Sommer 2007 hatten beide tatsächlich gemeinsam ein Hoch erreicht, doch dem folgte der Dax-Absturz 2008 von 8000 um fast die Hälfte bis zum Jahresende und schließlich auf 3666 Punkte im Frühjahr 2009. Derweil kühlte sich das ifo-Klima nur zeitversetzt ab, jedoch keineswegs gegen den Dax-Trend. Das droht sich jetzt zu wiederholen, allerdings weniger dramatisch (keine Dax-Halbierung mehr), weil die Geldschleusen der Europäischen Zentralbank (EZB) geöffnet bleiben. In der Zone zwischen 4800 und 5000 Dax-Punkten dürfte sich die Börse fangen.
Anleihenblase hier, Goldpreismanipulation da
Das größte Phänomen unter den Anlagen war in letzter Zeit die stark abwärts gerichtete Renditeentwicklung der Bundesanleihen und mit ihr der kräftige Anstieg des Bund Future (Terminkontrakt auf Bundesanleihen) vom Tief bei 110 Punkten im Juli 2008 auf zuletzt 134. Das heißt, man konnte am deutschen Rentenmarkt in gut zwei Jahren fast 22 Prozent Gewinn erzielen. Diese Sonderentwicklung ist nur so zu erklären, dass die internationale Finanzkrise weite Anlegerkreise zur Flucht in die Sicherheit trieb (bzw. was ihnen als Sicherheit vorschwebte). Und das, obwohl Bill Gross, der auf Anleihen spezialisierte Anlagestratege der zum Allianz-Konzern gehörenden Fondsgesellschaft Pimco, schon im März dieses Jahres vor Anleihen warnte. Auf deren Kurse trifft inzwischen ohne Wenn und Aber der Begriff Blase zu. Offenbar sind Banken, abgesehen von ihrem eigenen Sicherheitsfimmel, auch deshalb so wenig auf die Kreditvergabe zu Mindestzinsen erpicht, weil sie mit dem Platzen dieser Blase, folglich mit höheren Zinsen, in nächster Zeit rechnen.
Das auf den ersten Blick seltsame, scheinbar gegen die bisherigen Erfahrungen sprechende Nebeneinander des Dollar-Anstiegs gegenüber dem Euro und des Goldpreis-Anstiegs in beiden Währungen lässt sich am besten so erklären: Euro und Dollar sind und bleiben durch Notenbankern und Politiker manipulierbare Papierwährungen, von denen mal die eine, mal die andere in Front liegt, je nachdem, ob die Händler an den Devisenmärkten die gigantischen Schulden der USA oder die Streitereien der Euro-Länder aus Anlass der Griechenland-Krise stärker gewichten.





