Gbureks Geld-Geklimper: Aktien-Kultur-Banausen

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Aktien

Kolumne von Manfred Gburek

Deutsche Aktionäre werden zu einer seltenen Spezies. Schon der Ausgang der diesjährigen Landtagswahlen kann zur Verstärkung dieses Trends führen.

Aktien sind prima – vorausgesetzt, Anleger verfügen über starke Nerven und viel Börsenerfahrung, begrenzen das Risiko durch Streuung, kaufen die richtigen Aktien zum günstigsten Zeitpunkt, verkaufen solche, die den Erwartungen nicht mehr entsprechen, halten die durch, deren Kurspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist, sammeln fleißig kursrelevante Informationen und passen die Anlagestrategie den individuellen Zielen an. Kurzum, Aktionäre in Gestalt einer Eier legenden Wollmilchsau mit der Fähigkeit zum Tieftauchen und Hochfliegen.

Solche Kreaturen zu schöpfen, dürfte keinem noch so innovativen Nobelpreis-Gentechniker  gelingen. Folglich sinkt die Zahl deutscher Aktionäre seit zehn Jahren fast stetig. Nur 2,2 Millionen direkt in Aktien engagierte Anleger waren es nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts Ende 2010, davon 604.000 Belegschaftsaktionäre, also keine echten. 2001 hatte man noch 3,1 Millionen gezählt. Seitdem ging auch die Zahl der indirekt über Aktienfonds engagierten Aktionäre - ebenfalls keine echten - kräftig zurück.

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Zertifikate kontra Aktien

Mögen die Ursachen der zunehmenden Aktien-Abstinenz noch so sehr darauf zurückzuführen sein, dass es besagte Kreaturen nicht gibt, muss doch hinzugefügt werden: Es waren Banker und Fondsmanager, die den Anlegern allzu lange die Illusion vermittelt hatten, es gebe sie doch. Als dieses Argument im Lauf der Nullerjahre immer unglaubwürdiger wurde, verlegten die Banker sich auf Zertifikate, denen sie Wollmilchsau-Eigenschaften andichteten – sozusagen derivative Alleskönner mit dem Anspruch, das Tieftauchen und Hochfliegen gleichzeitig zu schaffen und ganz nebenbei Anlegern das Denken abzunehmen. „Zertifikate mit Schnickschnack“, kommentiert sogar die Börsen-Zeitung, Lieblingslektüre der Banker, aus Anlass der aktuellen Aktienstatistik.

Die Vorschläge, wie der Aktien-Unlust beizukommen sei, münden immer wieder in Appelle an den Gesetzgeber, mal dieses oder jenes zu verbessern, und in die Forderung, das Schulfach Ökonomie einzuführen, das Ganze garniert mit dem wohlklingenden Begriff Aktienkultur. Dabei zeugt die Tatsache, dass die Zahl der Aktionäre zuletzt im Jahr 2001 am höchsten war, von deren miserablem Timing, weil die Aktienkurse danach nur so gepurzelt sind. Gier und Hoffnung, quasi zwei Todsünden der Geldanlage, haben Anleger – auch dank kräftiger Unterstützung durch die Werbetrommel der Deutschen Telekom – zu Kulturbanausen gemacht.

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