Gbureks Geld-Geklimper: Aktien nach der Atomkatastrophe

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Aktien nach der Atomkatastrophe

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Manfred Gburek

Kolumne von Manfred Gburek

Die Aktienkurse haben auf die Reaktorunfälle in Japan unter dem Strich eher verhalten reagiert. Das hat seine guten Gründe.

Welch ein Absturz: Vor 21 Jahren jubelte ganz Japan „Number one“ - Nummer eins. Um es den USA zu demonstrieren, am liebsten in deren Sprache. Die Parole bezog sich auf die japanische Wirtschaft, die es damals nach Anwendung aller möglichen statistischen Tricks im internationalen Vergleich auf den ersten Platz geschafft haben soll oder es erst schaffen sollte. Und heute: Im Gefolge der Atomkatastrophe eine seltsame Hilflosigkeit, die uns wegen der dürftigen Informationspolitik unverständlich erscheint, der Staat extrem verschuldet, die Wirtschaft weltweit nur noch an dritter Stelle und der repräsentative Nikkei-Index gerade mal ein Viertel von seinem Stand aus dem Frühjahr 1990 wert.

In dieser Situation denken wahrscheinlich die wenigsten Anleger daran, japanische Aktien zu kaufen, und dafür mag es auch den einen oder anderen Monat zu früh sein. Doch vorausgesetzt, die japanische Atomkatastrophe führt, wirtschaftlich betrachtet, nicht noch zu viel dramatischeren Konsequenzen als seinerzeit der Atomunfall von Harrisburg in den USA, müssten die Aktienkurse das Schlimmste hinter sich haben. Denn schon in nächster Zeit werden institutionelle Anleger bei Japan-Aktien massiv zugreifen, und sei es bloß deshalb, weil der japanische Staat das auch tut.

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RWE und Eon bald auf Kaufniveau

Die bisherigen Reaktionen der Anleger an nahezu allen Märkten führen zu der typischen Entwicklung, die sich ergibt, sobald ein nicht vorhersehbares Ereignis negative Folgen zu haben droht: Man trennt sich von einem Teil der Aktien, der Edelmetalle, der Rohstoffe usw. Im Gegenzug reagieren die Kurse der Anleihen positiv, denn der drohende Zinsanstieg lässt ein wenig auf sich warten. Ist der erste Schock überwunden, gehen die Anleger zur Tagesordnung über – oder besser gesagt, was sie dafür halten, nämlich weiter steigende Aktienkurse in Europa und Amerika. Dass diese im Vergleich zu den Kursen der Japaner relativ hoch sind, blenden die meisten Anleger kurzfristig aus.

In Deutschland stammt ein knappes Viertel des Stroms aus Atomkraftwerken. Würden alle abgeschaltet, bliebe uns immer noch der Stromimport, etwa vom französischen Konzern EdF, dessen Bosse geradezu auf eine solche Gelegenheit warten. Natürlich werden nicht alle deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet; und auch zu den dafür in Zukunft vorgesehenen ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, weil CDU und FDP mit ihren entsprechenden Absichtserklärungen in erster Linie für die jetzigen Landtagswahlkämpfe Punkte sammeln wollen – als läge Biblis im japanischen Erdbebengebiet. Fest steht jedenfalls, dass RWE, Eon & Co. beim Abschalten noch ein gehöriges Wort mitzureden haben. Im Übrigen nähern sich ihre Aktien allmählich dem Kaufniveau, weil die Kurse die meisten negativen Nachrichten schon vorweggenommen haben dürften.

Trotz J.R. und Poldi kein eitel Sonnenschein

Über die Zukunft der anderen Primärenergien wird in diesen Tagen allzu viel spekuliert. Sei es, dass man der Steinkohle wieder mehr Potenzial zubilligt, sei es, dass angeblich Windkraft und Solarenergie das Rennen zu machen versprechen, in allen Fällen formieren sich bereits die Befürworter. Darüber wird allzu leicht vergessen, dass Steinkohle die Luft verpestet, die effiziente Nutzung von Windkraft enorme Investitionen in Stromnetze erfordert und Solarenergie im verregneten Deutschland nicht ohne Subventionen auskommt, mögen J.R. Ewing und Lukas Podolski noch so sehr die Werbetrommel für Strom aus der Sonne rühren. Die Kursentwicklung der meisten Aktien mit alternativem Stromhintergrund hat die Anleger in den vergangenen Monaten jedenfalls ziemlich arm gemacht.

Bei genauer Betrachtung von Dax, EuroStoxx, Dow Jones etc. fällt auf, dass sie schon vor der japanischen Atomkatastrophe nicht so recht vom Fleck kommen wollten. Das sah zwar kaum dramatisch aus, ließ aber deutlich erkennen, dass die Börsenbäume und -träume nicht in den Himmel wachsen wollten. Nach den Reaktorunfällen reagierten die Kurse dann auf breiter Front abwärts, weil Anleger zu Recht davon ausgingen, dass damit eine neue Situation mit Konsequenzen nicht nur für die Betreiber von Atomkraftwerken entstanden war: Die Unfälle sind Auslöser für generell steigende Kosten, und das weltweit, in Deutschland sowieso, was sich ja schlüssig aus der ersten Reaktion der Bundesregierung ergibt. Das heißt, weniger Atom- und mehr andere Energie wird sich als Inflationsbeschleuniger erweisen.

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