
Der IWF-Vorschlag ist trotz dieser scheinbar schlüssigen Überlegungen abenteuerlich, weil er einen Mechanismus voraussetzt, den es so gar nicht geben kann: Inflation steigt über vier Prozent – Knopfdruck: Leitzins rauf – im Gefolge nur noch zwei Prozent Inflation mit sinkender Tendenz – wieder Knopfruck: Leitzins runter – und so weiter. Inflation als beliebig steuerbare Größe, was für ein Unsinn: Der Anstieg über vier Prozent kommt nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern entwickelt sich dynamisch, ausgehend von null, von einem, von zwei oder drei Prozent. Je niedriger die Ausgangsbasis, desto größer ist die Gefahr, dass die Inflationserwartungen weit über vier Prozent hinausschießen – mit der Folge, dass die Inflationsrate sich zeitversetzt ebenso entwickeln wird. Denn letztlich sind es Menschen, um nicht zu sagen unberechenbare Menschenmassen, die dafür sorgen, dass die Inflation sich nur bedingt bis gar nicht steuern lässt.
Auch Deutschland im Schuldensumpf
Naturgemäß haben die USA als größter Schuldner der Welt ein besonderes Interesse, ihre Schulden mit inflationsbedingt leichterem Geld zurückzuzahlen. Diesbezüglich können sie sogar auf viele Verbündete überall auf der Welt bauen, mit Ausnahme der Hardliner in der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch die müssen schon jetzt klein beigeben, sonst würde Griechenland doch noch ein Finanzbeben auslösen. Fatal daran ist, dass die offiziellen Inflationsraten in den wichtigsten westlichen Ländern niedrig sind. So dürfen die Gegner der Hardliner ungestraft argumentieren, etwas mehr Inflation sei nicht schädlich. Damit bewegen sie sich auf einer Linie mit dem IWF – und kehren ebenso wie dessen Theoretiker das Gegenargument unter den Tisch, dass die Inflation ein vom menschlichen Verhalten bestimmter dynamischer Prozess ist, den man nicht mal eben in die eine oder andere Richtung manipulieren kann.
Die niedrigen offiziellen Inflationsraten lenken davon ab, dass die hoch verschuldeten Staaten schon den für sie günstigen Dreh finden werden, um sich mit leichterem Geld zu entschulden. Das gilt nicht nur für Griechenland und andere Euro-Länder, die Deutschland noch tiefer in den Schuldensumpf ziehen, ohne dass die EZB oder die Bundesregierung letzten Endes etwas dagegen tun können. Es gilt auch für die USA, wo der Kongress keinen Versuch auslässt, um die Notenbank Fed auf seinen Kurs zu trimmen.
Goldpreis als Inflationsindikator
Die veröffentlichten Inflationsraten werden durch die massiven staatlichen Eingriffe nicht von heute auf morgen anspringen, sondern sich zunächst nur schleichend nach oben bewegen; das hängt mit der Zusammensetzung der Warenkörbe und mit den Erfassungsmethoden zusammen. Der zuletzt in Euro auf einen historischen Höchstwert gestiegene prominenteste Inflationsindikator, der Goldpreis, signalisiert dagegen alles andere als nur einen schleichenden Prozess der Geldentwertung. Ihm sind die Preise der meisten Rohstoffe entweder gefolgt oder vorangegangen; sie werden zeitversetzt zu steigenden Preisen auch bei den Verbrauchs- und Gebrauchsgütern führen. Im Abstand von höchstens zwei Jahren werden die Preise lukrativer Immobilien folgen, zunächst die für Wohnimmobilien in bevorzugten Lagen, später auch die vieler Gewerbeimmobilien.
In diesem Kontext noch ein Dank für den Kommentar eines Lesers mit dem Pseudonym Banker0815, der auf den Dollar-Wert des Ausgabe- und Rücknahmepreises beim Fonds KanAm US-grundinvest aufmerksam gemacht hat. Von daher verringert sich der Abstand des an der Hamburger Fondsbörse ermittelten Kurses zum Rücknahmepreis in dem hier vor Wochenfrist veröffentlichten Beispiel, basierend auf dem Verhältnis von 1,35 US-Dollar je 1 Euro, von 43,2 auf 23,3 Prozent. Trotzdem nicht schlecht – und deshalb nochmals die Empfehlung, die Kurse an der Fondsbörse wegen der dortigen Schnäppchen weiter im Auge zu behalten. Internet: www.fondshandel.boersenag.de oder breiter gefasst www.boersenag.de









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Alle Kommentare lesen08.03.2010, 17:36 UhrAnonymer Benutzer: Rentner
@ Unterwasserexplosion
inflation oder bankrott? Du hast m. E. die wahrscheinlichste Variante übersehen!
Lösung: UMVERTEiLEN OHNE ENDE!
Die wo so dumm waren, in der Vergangenheit gespart zu haben, werden durch Lastenausgleiche aller Art oder neue Soli dafür bestraft.
07.03.2010, 17:53 UhrAnonymer Benutzer: Henry
@RDA: Vielen Dank für die Antwort.
Mit anderen Worten: in unserem Schulden dominierten System ist immer jemand gekniffen.
Vielleicht machen uns die Chinesen gerade vor, wie ein Staat zu wirtschaften hat – erst ansparen, dann investieren. ich weiß, dann sind wieder sämtliche Vertreter der Finanz- und Zockergilde gekniffen. Na und?
06.03.2010, 11:37 UhrAnonymer Benutzer: Die Amerikaner
üben doch bisher ü b e r a l l ihren Einfluss aus, nicht nur auf nationalen Währungen der Welt oder den Euro (am amerikan. Wesen soll doch heute
überall die Welt genesen).
Ohne Geldmaschinerie mit Steigerung der Eigenver-
schuldung bei anderen (z.b. bei den Chinesen) und
negativen Auswirkungen auf das eigene Volk, läuft auch von dort sicher bald nicht mehr viel.
Mehr US- Schulden bedeutet auch mehr Leiden in breiten Schichten der US- bvölkerung.
Eine inflationierung der Währungen, ein Anwachsen, benachteiligter Menschen kann nicht "zur Ruhe im inneren" einer Nation beitragen (s. aktuell GR).