
Das Geschacher um die Konditionen der – im Grundsatz längst beschlossenen - Rettung Griechenlands ist in der letzten Runde angekommen. Das heißt: Bundeskanzlerin Angela Merkel kann sich noch so sehr um die endgültige Entscheidung zur Art und Höhe des deutschen Rettungsbeitrags herumzudrücken versuchen, am Ende muss sie einsehen, dass die Griechen im Verhältnis zu Deutschland, zu den anderen Ländern des Euro-Raums und zu den eingeschalteten EU-Gremien die stärkere Verhandlungsposition innehaben. Denn das Drohpotenzial des in Gedanken bereits durchgespielten griechischen Abschieds vom Euro ist gewaltig und mit unabsehbaren Folgen verbunden, nicht zuletzt für Banken und andere Gläubiger, sodass zwangsläufig eine neue Finanzkrise ausbrechen würde. Dagegen fällt ein fauler Kompromiss zugunsten Griechenlands mit der Option, dass alle daran beteiligten Parteien ihn als ihren eigenen Erfolg darstellen können, zunächst so gut wie gar nicht ins Gewicht.
Vorstoß des IWF
Zunächst. Doch was kommt danach? Eine besonders interessante Antwort ergibt sich aus dem Vorstoß des Internationalen Währungsfonds (IWF), dem überschuldeten Land im Zweifel beizustehen – ohne so harte Auflagen wie 1997 gegenüber asiatischen Ländern, versteht sich. Einen solchen Vorstoß hätten ebenso gut die USA unternehmen können, ohne die der IWF keine gravierenden Beschlüsse fassen kann, weil sie ein Vetorecht besitzen. Haben sie aber nicht unternommen, denn es geht ja auch auf dem Umweg. Und der ist für sie günstiger, weil am Ende nicht nur die USA, sondern praktisch alle Mitgliedsländer des IWF zur Kasse gebeten werden, falls der wieder einmal irgendwo auf der Welt seine Finanzspritzen einsetzt. Da behaupte jemand noch, die Amerikaner übten keinen Einfluss auf den Euro aus. Sie tun es einfach, und wenn es sein muss, auf Umwegen.
Der IWF schlägt Unsinn vor
Ein weiteres Beispiel für diese Politik ist der abenteuerliche IWF-Vorschlag, die Notenbanken mögen ihr Inflationsziel doch bitteschön von zwei auf vier Prozent erhöhen. Dahinter steckt zum einen die Befürchtung, dass der Zinssenkungsspielraum der Notenbanken bei niedriger Inflation und damit in Verbindung niedrigen Leitzinsen (in den USA zurzeit de facto gleich null) sehr gering oder gar nicht vorhanden ist. Die Folge dürfte sein, dass die Notenbanken zur Abwendung der nächsten Krise auf die Senkung der Leitzinsen verzichten müssten, weil die ja nicht unter null sinken können. Zum anderen verweist der IWF auf die Gefahr der Deflation: Wenn die Inflationsrate nur einen Spielraum von zwei Prozentpunkten nach unten hat, bis sie in Deflation mündet, ist diese Gefahr größer als bei einem Spielraum von vier Prozentpunkten. Warum Gefahr? Weil im Fall der Deflation möglicherweise alle Welt mit weiter sinkenden Preisen rechnet. Die Folge: eine Weltwirtschaftskrise größten Ausmaßes.














