
Tolle Stimmung in den Unternehmen, Auftragsboom aus Fernost, prall gefüllte Einkaufstüten beim vorweihnachtlichen Kaufrausch - auf einen Nenner gebracht: das neue deutsche Wirtschaftswunder. So haben uns in den vergangenen Wochen aus allen Ecken der Republik die Schlagzeilen ereilt. Wer Einwände vorbringt, gilt als Miesepeter oder Spielverderber. Und eines ist schon jetzt sicher: Wessen demnächst fälliger Depotauszug nur ein einstelliges prozentuales Plus im Vergleich zum Jahresende 2009 ausweist, der wird seinem Vermögensverwalter oder Fondsmanager vorhalten, nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein, und im Extremfall zur Konkurrenz abwandern, die beim Vermögensverwalter-Ranking angeblich mit einem zweistelligen Plus zu glänzen versteht.
Kein Wunder in Sicht
Es lohnt sich, dieses Szenario näher zu beleuchten, denn es beruht auf einer ganzen Reihe von Missverständnissen und Fehleinschätzungen. Nehmen wir nur einmal das Wirtschaftswunder und dazu speziell die Analyse der Deutschen Bundesbank vom Dezember: "Während sich im Vergleich zum Vorquartal der Auftragsstrom aus dem Inland und aus Drittländern spürbar verbreiterte, schwächten sich die Impulse aus dem Euro-Raum merklich ab.“ Auf den Euro-Raum entfällt der Löwenanteil der deutschen Exporte, mithin kommt die Bundesbank zu dem Schluss: „Für das erste Quartal 2011 deutet sich nach den bisher vorliegenden Informationen ein spürbarer konjunktureller Tempoverlust an.“ Von daher gesehen, wäre ein Wirtschaftswunder in der Tat ein Wunder.
Der Fernost-Auftragsboom zugunsten der deutschen Unternehmen geht zu einem erheblichen Teil auf China zurück. Dort tritt die Zentralbank allerdings gerade fest auf die Bremse, um die Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden und die Inflationsrate nicht weiter steigen zu lassen. Diese Aktion braucht mindestens noch einige Monate Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Derweil baut China die Wirtschaft zügig um, indem das Land die Produktion von Gütern (Autos, Maschinen, Elektrogeräte u.a.) immer mehr zu sich verlagert, statt sie teuer zu importieren. Sobald beide Maßnahmen, das Bremsmanöver der Zentralbank und der Umbau der Wirtschaft, sich negativ auf die deutschen Exporte auswirken, bleiben Deutschland bei weiterhin schwacher Konjunktur im Euro-Raum nur noch Impulse aus dem Rest der Welt und aus der Binnenwirtschaft.
Moderate Aussichten
Wie ist es um diese Impulse bestellt? Was den Rest der Welt betrifft, im Großen und Ganzen gut. Das gilt zwar unter bestimmten Voraussetzungen, aber nicht in jedem Fall für die Binnenwirtschaft. Die wird in den kommenden Monaten nämlich stark von der Laune der Konsumenten abhängen. Deren Bereitschaft, Geld auszugeben, hängt unter anderem von der Sicherheit ihrer Jobs ab. Darum es ist zurzeit ganz gut bestellt. Weniger dagegen um das, was im Portmonee übrig bleibt. Das heißt, die vorweihnachtliche Kaufbereitschaft beruhte zu einem großen Teil auf dem Nachholbedarf und nur zu einem geringen Teil auf einem nachhaltigen Kaufrausch. Insofern dürfte sich die moderate Konjunkturprognose der Bundesbank für das erste Quartal 2011 als Volltreffer erweisen.
Das wirft ein Schlaglicht auf Vermögensverwalter und Fondsmanager. Beide Berufsgruppen sind nicht zu beneiden, was ihre Dispositionen im nächsten Jahr betrifft. Denn bei einer wellenartigen Konjunktur, wie sie für 2011 – nicht nur in Deutschland – zu erwarten ist, sind eher Anlagekünstler als nur biedere Geldhandwerker gefragt. Umso mehr müssen Anleger beachten, auf wen sie sich einlassen, das heißt, wer bisher dauerhaft erfolgreich war und wer zum Beispiel allein im Jahr 2011 eine Glückssträhne, ansonsten jedoch überwiegend Mäßiges zu bieten hatte.








