Gbureks Geld-Geklimper: Bloß nicht kaputtsparen

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Bloß nicht kaputtsparen

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Manfred Gburek

Kolumne von Manfred Gburek

Beim Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB gibt es kein Zurück mehr. Die Alternative wäre Deflation, und die will niemand.

Aus der Perspektive von Anlegern sind ohne Frage die jüngste Erholung der Aktienkurse und der gegenläufige Preiseinbruch der Edelmetallpreise besonders spannend, aus der Perspektive der Geldpolitik dagegen die Warnungen von Bundespräsident Christian Wulff in Richtung Europäische Zentralbank. Um das Ergebnis in Sachen Aktien und Edelmetalle vorwegzunehmen: Im ersten Fall handelt es sich um die Zwischenerholung innerhalb einer mittelfristigen Abwärtsbewegung, im zweiten Fall um eine ausgeprägte Korrektur der vorherigen Übertreibung nach oben. Die Zwischenerholung der Aktienkurse wird nicht lange anhalten, wohingegen die Korrektur der Edelmetallpreise unter kräftigen Schwankungen durchaus einige Monate andauern kann, bevor die nächsten Preisgipfel erreicht werden.

Wulff hat zur Abwechslung endlich mal ein ganz heißes Eisen angepackt: Der Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank sei "rechtlich bedenklich", sagte er vor Nobelpreisträgern. Das mag so sein, doch worin besteht die Alternative? Etwa indem die Euro-Länder sich kaputtsparen und in die Deflation abrutschen, also in eine Preisspirale nach unten? Gott bewahre. Das werden sie auf dem Umweg über Eurobonds und ein ganzes Bündel an Maßnahmen zu verhindern versuchen, leider wohl erst im nächsten Jahr.

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Wie Trichet sich durchgesetzt hat

Ursprünglich, fast in Vergessenheit geraten, hatte die EZB sich für den Aufkauf von Staatsanleihen mit der Begründung entschieden, "die Übertragung der zinspolitischen Impulse" sei gestört. Was auch immer hinter dieser Floskel stecken mochte, in Griechenland, Portugal und Irland durfte erst einmal gejubelt werden, weil Staatsanleihen dieser Länder bei der EZB landeten. Damit nicht genug, Anfang August sollte das Aufkaufprogramm fortgesetzt werden. Dagegen sträubte sich die bankinterne Opposition im EZB-Rat – vergebens. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet soll wegen deren Gebaren so wütend geworden sein, dass er sich einfach über ihre Bedenken hinwegsetzte. Folge: Die EZB kaufte auch italienische und spanische Staatsanleihen auf.

Damit ist der Bann gebrochen, der Weg zurück faktisch unmöglich. Wozu also die ganze Aufregung bis hin zum deutschen Staatsoberhaupt? Und wohin geht der Weg nach vorn? Er ist quasi vorgezeichnet: Noch mehr Aufkäufe, jedes Mal begründet beispielsweise mit einer "besonderen Situation", mit "Marktstörungen" oder auch mit der Angleichung an die Geldpolitik der Fed in den USA, wo man sich für den Staatsanleihenkauf erfinderisch den Begriff "Quantitative Easing", kurz QE, einfallen ließ.

Leben auf Pump unter neuen Vorzeichen

Es ließe sich argumentieren, der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB verstoße gegen den Maastricht-Vertrag. Wieder so ein juristisches Argument, ähnlich wie das von Wulff. Ob mit rechtlichen Bedenken noch etwas ausgerichtet werden kann, während die Deflation fortschreitet, ist mehr als zu bezweifeln. Trichet, dessen Vertrag im Oktober ausläuft, will offenbar um jeden Preis als oberster Bewältiger der europäischen Schuldenkrise in die Geldgeschichte eingehen. Nur so ist zu verstehen, warum er die interne Opposition im EZB-Rat heruntergeputzt hat. Überlassen wir ihn doch seiner Aufgabe, bevor er aus dem Amt scheidet. Umso schneller können wir uns von der Deflation befreien.

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