Da stellt sich die Frage, welche Chance die Europäische Zentralbank als Hüterin der Geldwertstabilität hat, wenigstens dafür zu sorgen, dass den Griechen nicht auch noch andere Anrainer des Mittelmeers folgen. Beispielsweise Italien, Spanien und Portugal, die allesamt ihre liebe Mühe und Not haben, die Euro-Stabilitätskriterien einzuhalten. Wenn Griechenland für Euro-Anleihen bereits heute Zinsen zahlen muss, die weit über denen für deutsche Bundesanleihen liegen, ist auch die Frage berechtigt, unter welchen Bedingungen das Euro-System weiter existieren soll. Die Märkte haben zunächst eine Antwort gegeben, die wenig aussagt : Der Euro ist im Vergleich zum Dollar schwach geworden. Ausgerechnet zum Dollar, für den bis auf Weiteres gar nichts spricht, weil er seit Jahren an Kaufkraft verliert. Wenn er aber im Vergleich zum Euro zumindest kurzfristig Stärke zeigt, taucht als nächste Frage auf, wie es um die Euro-Stabilität wirklich bestellt ist.
Als die Europäische Zentralbank zuletzt so etwas wie das nahende Ende der Niedrigzinspolitik andeutete, war die Aufregung zunächst groß. Droht etwa ein Zinsanstieg, obwohl die Wirtschaft in den westlichen Ländern zum Teil immer noch dramatisch schrumpft? Die Antwort kam wieder von den Märkten. So ging die Umlaufrendite der Bundesanleihen nochmals in den Keller. Also kein Zinsanstieg, sondern ein Zinsrückgang. Die Reaktion der Marktteilnehmer ist leicht zu erklären: Sie wollen einfach nicht glauben, dass die Zentralbanker den viel beschworenen Exit einleiten, den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik mit all ihren Begleiterscheinungen, wie hohe Liquidität in Verbindung mit niedriger Kreditvergabe. Damit dürften sie fürs Erste richtig liegen, jedenfalls was Bundesanleihen betrifft.
Kurzschlussreaktionen bald nicht mehr auszuschließen
Kaum auszudenken, was geschehen wird, wenn die Renditen der Anleihen eines Tages in entgegengesetzter Richtung reagieren. Da dieses Ereignis irgendwann in den kommenden Jahren eintreten wird, möglicherweise bereits 2010, sollte man sich darüber durchaus den einen oder anderen Gedanken machen. Etwa den, dass dann die Kapitalkosten für alle Schuldner in die Höhe gehen dürften. Oder dass der Bund immer mehr Anleihen emittieren müsste, allein um seine Zinsen zu zahlen. Oder dass die Gewissheit, die Zinsen könnten so schnell nicht mehr fallen, am Ende einen Run er Schuldner auf die Kapitalmärkte auslösen würde. Oder auch, dass im Zuge steigender Zinsen Inflationserwartungen aufkommen dürften.
Fast drei Jahrzehnte lang, ausgehend von der extrem restriktiven Zinspolitik des früheren US-Notenbankchefs Paul Volcker, sind die Zinsen mit vielen Unterbrechungen per Saldo gesunken. Die meisten Marktteilnehmer von heute können sich kaum eine Vorstellung von zweistelligen Zinsen machen, geschweige denn, wie am besten auf einen Zinsanstieg zu reagieren sei. Allein diese Konstellation birgt böse Überraschungen, das heißt, Kurzschlussreaktionen von marktbestimmenden Großanlegern sind nicht mehr auszuschließen, von Kleinanlegern sowieso nicht. Aus Anlegersicht wird es also allmählich Zeit, die Gewinne von Langläufern unter den Anleihen mitzunehmen und diese in Kurzläufer oder in Tagesgeld umzuschichten, lieber zu früh und unter Verzicht auf die letzten Pünktchen als zu spät, nachdem der Markt gedreht hat.









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Alle Kommentare lesen11.12.2009, 19:07 UhrAnonymer Benutzer: Anleger
Prognosen sind schwierig!
Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen!
10.12.2009, 20:12 UhrAnonymer Benutzer: M
Dass die Zinsen bei erstklassigen Anleihen steigen, ist für mich keine ausgemachte Sache. Gestern habe ich bei cnbc gelesen, dass die Zinsen für zehnjährige japanische Staatsanleihen auf 1,24% gefallen sind. Vor ein paar Wochen lagen sie noch 15 basispunkte höher.
bis dahin ist bei bundesanleihen noch ein wenig Luft. Zinsen, die schon stark gefallen sind, können also doch noch weiter fallen.
Vielleicht ist es zu früh aus den Langläufern auszusteigen.
10.12.2009, 15:35 UhrAnonymer Benutzer: Inflationvoraus
den Notenbanken dieser Welt bleibt doch gar nichts anderes übrig, als die immensen Schulden wegzuinflationieren.
Die zerstörerische "Finanz- und Fiskalpolitik" von Helikopterben macht sich doch mittlerweile überall bemerkbar.
Es werden in den nächsten 1 bis 2 Jahren r e i h e n w e i s e
Volkswirtschaften/Nationen in den bankrott gehen.
bankenfeiertage, Unruhen, brennende innenstädte werden die Folge sein....