
Die deutsche Wirtschaft schrumpft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr voraussichtlich um 4,9 Prozent. Doch Bundesbank-Präsident Axel Weber kann dem dicken Minus sogar noch etwas Positives abgewinnen, und das gleich doppelt: Zum einen sei der negative Wert weniger dramatisch als die 6,2 Prozent Minus, die seine Volkswirte zuvor erwartet haben, zum anderen könne man für das kommende Jahr mit einem Plus von 1,6 Prozent rechnen. „Talsohle durchschritten“, ließ Weber denn auch jüngst vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten verlauten, mehr noch, „Deutschland hat eine Vorreiterfunktion“.
Griechenland zieht Kreise
So weit die positive Perspektive. Wäre da nicht auch noch der eine oder andere Querschläger. Etwa der, dass Deutschland vorher konjunkturell „überproportional gelitten hat“, so Weber. Das heißt, wer tief fällt, kann anschließend hoch steigen, ohne wieder das Ausgangsniveau zu erreichen – wie die deutsche Wirtschaft anno 2009. Oder ein anderer Querschläger, der ihr Herz trifft, den Mittelstand: Während die Großindustrie sich gerade berappelt, indem sie bei Bedarf mittels Anleihen den Kapitalmarkt anzapft, und während kleine Betriebe auf die Unterstützung durch Sparkassen oder Genossenschaftsbanken bauen können, gerät der deutsche Mittelstand zunehmend in eine Kreditklemme, aus der er sich immer weniger mithilfe von laufenden Einnahmen befreien kann. Hierbei geht es um das Überleben traditionell wichtiger Branchen, wie Maschinenbau und Autozulieferer. Die negativen Effekte der Kreditklemme wird der Mittelstand laut Weber noch mindestens ein Jahr zu spüren bekommen.
Jetzt rächt sich, dass der Staat bei diversen Rettungsaktionen (IKB, KfW, Commerzbank, Hypo Real Estate, nicht zu vergessen die Landesbanken) allzu verschwenderisch mit seinen Ressourcen umgegangen ist. Ihm fehlt das Geld, um eine Mittelstandsförderung auf die Beine zu stellen, die diesen Namen wirklich verdient. Und da gibt es ja noch die Stabilitätskriterien der EU, wie die Obergrenze für Staatsschulden, die es nicht zu verletzen gilt, zumindest nicht dauerhaft. Damit taucht schon das nächste Problem auf, das sich aktuell zwar besonders an einem Mitglied des Euro-Verbunds festmachen lässt, nämlich Griechenland, aber bald auch andere Euro-Länder betreffen könnte: die Herabstufung durch das Rating, ein System von Schulnoten, die – außer von der Agentur Fitch - in erster Linie ausgerechnet von den amerikanischen Agenturen Standard & Poor's und Moody's vergeben werden. Beide haben sich im Rahmen der Finanzkrise nicht gerade mit Ruhm bekleckert und sind deshalb zu Recht von Jochen Sanio beschimpft worden, dem Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Genützt hat es nichts. Das alles zeigt, wie sehr Dinge, die scheinbar wenig miteinander zu tun haben – etwa der in der Kreditklemme steckende deutsche Mittelstand und die maroden griechischen Staatsfinanzen -, mittelbar doch verwoben sind.








