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Gbureks Geld-Geklimper: Der Euro, das Rating und die Kreditklemme

Kolumne von Manfred Gburek

Die Zeitenwende bei den Zinsen rückt näher. Wer Anleihen besitzt, sollte sich rechtzeitig darauf einstellen.

Bundesbankpraesident Axel Quelle: AP
Bundesbankpraesident Axel Weber Quelle: AP

Die deutsche Wirtschaft schrumpft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr voraussichtlich um 4,9 Prozent. Doch Bundesbank-Präsident Axel Weber kann dem dicken Minus sogar noch etwas Positives abgewinnen, und das gleich doppelt: Zum einen sei der negative Wert weniger dramatisch als die 6,2 Prozent Minus, die seine Volkswirte zuvor erwartet haben, zum anderen könne man für das kommende Jahr mit einem Plus von 1,6 Prozent rechnen. „Talsohle durchschritten“, ließ Weber denn auch jüngst vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten verlauten, mehr noch, „Deutschland hat eine Vorreiterfunktion“.

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Griechenland zieht Kreise

So weit die positive Perspektive. Wäre da nicht auch noch der eine oder andere Querschläger. Etwa der, dass Deutschland vorher konjunkturell „überproportional gelitten hat“, so Weber. Das heißt, wer tief fällt, kann anschließend hoch steigen, ohne wieder das Ausgangsniveau zu erreichen – wie die deutsche Wirtschaft anno 2009. Oder ein anderer Querschläger, der ihr Herz trifft, den Mittelstand: Während die Großindustrie sich gerade berappelt, indem sie bei Bedarf mittels Anleihen den Kapitalmarkt anzapft, und während kleine Betriebe auf die Unterstützung durch Sparkassen oder Genossenschaftsbanken bauen können, gerät der deutsche Mittelstand zunehmend in eine Kreditklemme, aus der er sich immer weniger mithilfe von laufenden Einnahmen befreien kann. Hierbei geht es um das Überleben traditionell wichtiger Branchen, wie Maschinenbau und Autozulieferer. Die negativen Effekte der Kreditklemme wird der Mittelstand laut Weber noch mindestens ein Jahr zu spüren bekommen.

Jetzt rächt sich, dass der Staat bei diversen Rettungsaktionen (IKB, KfW, Commerzbank, Hypo Real Estate, nicht zu vergessen die Landesbanken) allzu verschwenderisch mit seinen Ressourcen umgegangen ist. Ihm fehlt das Geld, um eine Mittelstandsförderung auf die Beine zu stellen, die diesen Namen wirklich verdient. Und da gibt es ja noch die Stabilitätskriterien der EU, wie die Obergrenze für Staatsschulden, die es nicht zu verletzen gilt, zumindest nicht dauerhaft. Damit taucht schon das nächste Problem auf, das sich aktuell zwar besonders an einem Mitglied des Euro-Verbunds festmachen lässt, nämlich Griechenland, aber bald auch andere Euro-Länder betreffen könnte: die Herabstufung durch das Rating, ein System von Schulnoten, die – außer von der Agentur Fitch - in erster Linie ausgerechnet von den amerikanischen Agenturen Standard & Poor's und Moody's vergeben werden. Beide haben sich im Rahmen der Finanzkrise nicht gerade mit Ruhm bekleckert und sind deshalb zu Recht von Jochen Sanio beschimpft worden, dem Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Genützt hat es nichts. Das alles zeigt, wie sehr Dinge, die scheinbar wenig miteinander zu tun haben – etwa der in der Kreditklemme steckende deutsche Mittelstand und die maroden griechischen Staatsfinanzen -, mittelbar doch verwoben sind.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.12.2009, 19:07 UhrAnonymer Benutzer: Anleger

    Prognosen sind schwierig!
    Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen!

  • 10.12.2009, 20:12 UhrAnonymer Benutzer: M

    Dass die Zinsen bei erstklassigen Anleihen steigen, ist für mich keine ausgemachte Sache. Gestern habe ich bei cnbc gelesen, dass die Zinsen für zehnjährige japanische Staatsanleihen auf 1,24% gefallen sind. Vor ein paar Wochen lagen sie noch 15 basispunkte höher.
    bis dahin ist bei bundesanleihen noch ein wenig Luft. Zinsen, die schon stark gefallen sind, können also doch noch weiter fallen.
    Vielleicht ist es zu früh aus den Langläufern auszusteigen.

  • 10.12.2009, 15:35 UhrAnonymer Benutzer: Inflationvoraus

    den Notenbanken dieser Welt bleibt doch gar nichts anderes übrig, als die immensen Schulden wegzuinflationieren.
    Die zerstörerische "Finanz- und Fiskalpolitik" von Helikopterben macht sich doch mittlerweile überall bemerkbar.
    Es werden in den nächsten 1 bis 2 Jahren r e i h e n w e i s e
    Volkswirtschaften/Nationen in den bankrott gehen.

    bankenfeiertage, Unruhen, brennende innenstädte werden die Folge sein....

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