Gbureks Geld-Geklimper: Der schwierige Schutz vor der Inflation

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Kolumne von Manfred Gburek

Wer die Kaufkraft des Geldes erhalten will, investiert es gemeinhin in Immobilien und Gold. Doch die Rechnung geht nur unter bestimmten Bedingungen auf.

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Manfred Gburek

Als die Statistiker neulich die vorläufigen Inflationsraten per April mit 2,4 Prozent für Deutschland und 2,8 Prozent für den Euro-Raum bekanntgaben, reagierten die einen – etwa Zentralbanker und Besitzer langlaufender Geldanlagen – ziemlich sauer, während sich andere – unter ihnen Immobilieneigentümer und Goldhorter – diebisch freuten. Den Bankern im Euro-Tower kann man die Säuernis nachfühlen, weil sie einerseits die Inflation bekämpfen, also den Leitzins bald weiter erhöhen müssen, andererseits zur Rücksichtnahme auf Griechenland, Portugal & Co. gezwungen sind. Und die Millionen von Besitzern zweifelhafter Kapitallebensversicherungen oder Rentenfonds können unseres Mitgefühls sicher sein, denn sie werden mit jeder Leitzinserhöhung ärmer, weil ihre Geldanlagen dadurch an Wert verlieren.

Aber haben Immobilieneigentümer und Goldhorter wirklich Grund zur Freude? Die einen, weil sie ein Eigenheim, ein Mietshaus, einen offenen oder geschlossenen Immobilienfonds besitzen, die anderen, weil sie eine erkleckliche Zahl von Krügerrand-Münzen im heimischen Safe verstecken oder Goldzertifikate besitzen? All diesen Anlagen wird ja nachgesagt, sie eigneten sich als Schutz vor steigenden Inflationsraten. Doch das ist, so absolut formuliert, falsch. Richtig ist dagegen, dass ihre Schutz-Tauglichkeit von einigen Bedingungen abhängt.

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Das beginnt schon mit der Inflationsrate, die in Deutschland durch den hiesigen Verbraucherpreisindex gemessen wird. In ihm dominieren zwar die Kosten für Wohnung, Wasser, Strom und Heizung mit 30,8 Prozent; aber was haben diese Kosten in der Realität mit den Preisen von Häusern in der Innenstadt von München oder irgendwo in Sachsen-Anhalt zu tun, also mit Preisen, die extrem auseinanderklaffen? So gut wie nichts. In beiden Fällen beruht der Inflationsschutz auf einer Illusion: Im Fall München, weil Hauseigentümer und -käufer einen nachhaltigen Preisanstieg mindestens in Höhe der – wie auch immer berechneten - Inflationsrate erwarten. Und im Fall Sachsen-Anhalt, weil die Hauspreise dort in den meisten Regionen schon so niedrig sind, dass Eigentümer und Käufer damit rechnen, sie könnten nur noch steigen.

Der Inflationsschutz beruht auf einer Illusion

Besonders absurd ist die Annahme, Anleger schafften es, sich mit Immobilienfonds vor steigenden Inflationsraten zu schützen – was deren Anbieter indes nicht daran hindert, penetrant mit dem Inflationsschutz-Argument auf Kundenfang zu gehen. Dabei ist der Nachweis, Immobilienfonds nähmen ihre Schutzfunktion wegen indexierter Mieten wahr, so allgemein nicht zu führen. Abgesehen davon ist ein Teil der offenen Immoblienfonds zur Liquidation gezwungen, was bei deren Anlegern zu Verlusten führen dürfte. Und ob geschlossene Immobilienfonds vor Inflation schützen, müsste erst anhand repräsentativer empirischer Studien über längere Zeiträume und unter Berücksichtigung steuerlicher Effekte nachgewiesen werden – eine unlösbare Aufgabe.

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