Gbureks Geld-Geklimper: Der Staat spekuliert gegen seine Bürger

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Der Staat spekuliert gegen seine Bürger

Kolumne von Manfred Gburek

Jeden Tag ein neuer Vorschlag zur Rettung der Welt, zumindest aber der EU und des Euros. Brot und Spiele, im alten Rom zur Befriedung der Massen eingesetzt, funktioniert auch im neuen Deutschland. Es gibt viel zu verteilen.

Inzwischen vergeht kein Tag ohne neue Vorschläge zur Rettung der Welt vor dem finanziellen Kollaps. Danach bemühen die Medien sich ganz schnell, sie zu interpretieren, bevor Politiker und Banker wieder etwas Neues vorschlagen. Erkenntniswert? Tendenz gegen Null. Worum es wirklich geht, hat der Philosoph Peter Sloterdijk schon vor einem Jahr so formuliert: „Die meisten heutigen Staaten spekulieren, durch keine Krise belehrt, auf die Passivität ihrer Bürger.“ Wenn sie sich da mal nicht irren. Denn abgesehen von den Protestmärschen in vielen Ländern belegt allein schon der riesige Erfolg der Piratenpartei in Deutschland, dass es sich um eine Fehlspekulation handelt.

Noch friedliche Proteste

Wie die Passivität enden dürfte, dazu hat der Philosoph denn auch gleich die passende Antwort: „Dergleichen Spekulationen werden früher oder später zerplatzen.“ In Athen zerplatzen sie bereits vollständig, in Berlin erst zum Teil, hier weniger durch die Protestmärsche gegen Banken und Regierung als durch das wilde Zerstören von Autos und Bahneinrichtungen oder, schlimmer noch, durch Gewalt in S- und U-Bahnhöfen.

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In Frankfurt verlaufen die Proteste demgegenüber noch recht friedlich, fast so wie ein Volksfest am idyllischen Mainufer - nur ein Hauch von dem, was die Stadt vor vier Jahrzehnten an Protesten erlebte, als der Revoluzzer und spätere Außenminister Joschka Fischer nebst Genossen für Remmidemmi sorgte.

Protestler sind keine Minderheit

Verfolgt man die jüngere Geschichte, liegen Athen, Berlin und Frankfurt in puncto Gewalt dennoch gar nicht so weit auseinander: 1977 wurde Dresdner Bank-Chef Jürgen Ponto im Frankfurter Vorort Oberursel ermordet, 1989 Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen auf dem Weg zu seinem Frankfurter Büro. Der entscheidende Unterschied: Seinerzeit dominierten RAF-Kommandos, eine von Ideologien geprägte gefährliche Minderheit, die sich auf Ziele in Deutschland konzentrierte. Dagegen lassen sich die jetzt weltweit agierenden Protestler kaum noch als Minderheit abtun. Bei allen Unterschieden zwischen den um ihre Existenz kämpfenden Griechen und der breit angelegten Bewegung „Attac“, zwischen den vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zeltenden Anti-Bankern und der massiven Wellenbewegung „Occupy Wall Street“ in den USA: Zählt man alle zusammen, bilden sie schon die Vorstufe zur Mehrheit.

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