
Was bedeutet die Griechenland-Krise für deutsche Anleger und Steuerzahler? Die Antwort geben die Kapital- und Devisenmärkte – allerdings so widersprüchlich, dass es sich lohnt, den Dingen auf den Grund zu gehen. Zum einen hat die Rendite langlaufender Bundesanleihen am 8. Februar mit 3,82 Prozent ein neues Tief erreicht und so signalisiert: Die griechischen Probleme können uns vorerst egal sein. Aber zum anderen hat der Euro im Verhältnis zum Dollar derart gelitten, dass allem Anschein nach nur die Griechen schuld daran sein können.
Wirklich? Was zunächst auffällt, ist die massive Beteiligung angelsächsischer Medien an der Euro-Hatz. Damit lenken sie von den im Vergleich zum Euro-Raum viel gravierenderen Problemen der Briten und Amerikaner ab. Die New York Times steigerte sich am 15. Februar sogar zu der Aussage, hinter der Angst um den Euro verberge sich eine politische Krise. Wie soll das möglich sein in einer Gemeinschaft von 16 Euro-Ländern, die gar keine politische Union bilden, und von weiteren elf EU-Mitgliedern, die sich den Euro als Währung erst wünschen? Wenn man zu Ende denkt, gar nicht.
Raffinierte US-Investmentbanken
Fraglos haben auch amerikanische Investmentbanken zum eigenen Vorteil kräftig dazu beigetragen, die Schulden Griechenlands hochzutreiben und daran zu verdienen. In welchem Umfang sie dabei geholfen haben, die Zahlen des griechischen Staatshaushalts zu frisieren, bleibt einstweilen der Spekulation überlassen. Auf jeden Fall werden sie an der Restrukturierung der Schulden, beginnend schon in diesem April, wieder tüchtig mitverdienen, obendrein wohl auch an den Euro-Dollar-Währungsturbulenzen. Und zwar unabhängig davon, welche Lösung sich die Euro-Partner für die griechischen Haushaltsprobleme einfallen lassen. Das nennt man ein raffiniertes Geschäftsmodell: Europäer lösen Probleme, Amerikaner verdienen daran, und das gleich zweimal nacheinander, unter Einschluss von Euro-Short-Positionen der Hedgefonds sogar dreimal.
Je Familie jährlich 1600 Euro Schmiergeld
Es drängt sich allerdings die Frage auf, wie die Rettung Griechenlands im magischen Dreieck von Banken, EU und Athener Regierung reibungslos funktionieren soll. Denn die griechischen Verhältnisse sind mit denen in anderen Ländern kaum vergleichbar, was ja nicht zuletzt die aktuellen Streiks zeigen: Von den Beamten des Finanzministeriums bis zu Studenten, Taxifahrern und Tankstellenpächtern gehen Griechen in diesen Tagen auf die Straße, die Leute von den Tankstellen sinnigerweise aus Protest gegen geplante Registrierkassen und Quittungen, die sie an der Steuerhinterziehung hindern sollen.
Den pfiffigsten Beitrag zur Befindlichkeit der Griechen schrieb einer ihrer Landsleute, Alexandros Stefanidis, im SZ Magazin am 5. Februar mit dem von der Rockgruppe ACDC entlehnten Titel „Highway to Hellas“. Deshalb seien hier einige seiner Kernsätze zitiert: “Unser Staat ist unser natürlicher Feind. 1600 Euro Schmiergeld zahlt eine griechische Familie durchschnittlich pro Jahr. Verordnungen? Gesetze? Ja, die gibt es in Griechenland. Eingehalten werden sie nicht. Wir sind unregierbar. Was Griechenland neben einem Sparplan braucht, ist ein grundlegender Mentalitätswechsel.“ Ein solcher Wechsel dürfte mindestens eine Generation lang dauern und nicht nur zwei Jahre, wie zurzeit für die Sanierung des Staatshaushalts vorgesehen.








