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Gbureks Geld-Geklimper: Der überflüssige Stresstest

Kolumne von Manfred Gburek

Die Verstaatlichung vieler Banken im Euro-Raum ist nicht mehr zu vermeiden. Dafür müssen sich die Euro-Länder hoch verschulden.

Manfred Gburek
Manfred Gburek

Die europäischen Banken müssen sich wieder mal einem Stresstest unterziehen. Geschieht ihnen recht, könnte man meinen, wird es doch höchste Zeit, dass sie endlich ihre Bilanzen bereinigen. Das ist allerdings ein Trugschluss, denn aus dem Großreinemachen dürfte wie schon im vergangenen Sommer nichts werden. Die europäische Bankenaufsicht EBA hat damals eine Kernkapitalquote von mindestens 5 Prozent zugrunde gelegt, sodass auch solche Banken unbeschadet durch den Stresstest geschlüpft sind, die heute einen Berg von Problemen vor sich her schieben. Jetzt verlangt die EBA mindestens 7 Prozent.

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Bilanztricks und Brandbeschleuniger

Die nackte Kennzahl, Kernkapital im Verhältnis zu den vergebenen Krediten, täuscht Präzision vor, wo es keine gibt. Dass diese Relation alles andere als präzise definiert ist, belegt allein schon die aktuelle Diskussion um den neuen EBA-Stresstest. Demzufolge bleibt einstweilen offen, ob nur das Stammkapital und die Gewinnrücklagen gemäß Basel III zum sogenannten harten Kernkapital gehören oder auch stille Einlagen. Würden Letztere ausgenommen, sähen vor allem einige deutsche Landesbanken alt aus.

Seit dem Sommer hat sich an den Kapitalmärkten so viel zum Negativen gewandelt, dass auch diesem Umstand Rechnung getragen werden soll. Etwa indem der neue Stresstest verlangt, dass Banken ermitteln müssen, welchen Betrag die Abschreibungen auf die Marktwerte der von ihnen gehaltenen Anleihen aus Krisenstaaten des Euro-Raums ausmachen. Da fragt man sich unwillkürlich, welche Krisenstaaten gemeint sind. Und weil Banken bei der Bewertung von Anleihen zum Teil recht leger vorgehen, besteht die Gefahr, dass der Stresstest einmal mehr unausgegorene Ergebnisse hervorbringt. So gibt es Banken, die Anleihen nach eigenen Bewertungsverfahren verbuchen, statt Marktwerte anzusetzen. Von da aus ist es nicht mehr weit bis zum Verzicht auf Abschreibungen, indem man Anleihen aus dem Handels- in das Anlagebuch wandern lässt.

Über das ganze Bewertungskonstrukt ist der Bogen der Bilanzierung nach IFRS (International Financial Reporting Standards) gespannt. Karlheinz Küting, der wohl profilierteste deutsche Bilanzfachmann, hat IFRS mal zu Recht als Brandbeschleuniger bezeichnet. Was so viel heißen soll wie: Unternehmen, die nach diesem Verfahren bilanzieren, machen sich dadurch während einer Krise zusätzlich verwundbar. Das hat allerdings nicht verhindert, dass IFRS inzwischen auch in Deutschland zum Standard geworden ist. Von daher sind Bilanzvergleiche nicht mehr möglich. Berücksichtigt man diesen Aspekt zusätzlich zu den hier schon erwähnten Imponderabilien, dürften  die Ergebnisse des neuen Stresstests ebenso wenig taugen wie die des alten.

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12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.10.2011, 11:25 UhrAnonymer Benutzer: MV

    ich finde viele Kommentare recht komisch. bis vor rund hundert Jahren hatten wir echte kapitalistische banken, mit gedecktem Geld usw. Wenn jemand eine Mark zur bank trug, konnte diese auch nur diese ausleihen, es entstanden nicht aus dem Nichts Neun Mark, welche die bank ausleihen konnte. Dieses ganze betrugssystem mit ungedecktem Luftgeld, planwirtschaftlichem Leitzins und Geldschöpfung aus dem Nichts, mit welchem im Übrigen erst der Erste Weltkrieg und später der Zweite überhaupt bezahlt werden konnte, war eine Erfindung der Politik, nicht des "bösen" Marktes. Die banken wurden von relativ normalen Unternehmen DURCH diese politische Regulierung zu genau DEN Zombies gemacht, welche wir heute haben! Und dann gehen viele "bildungsbürger" unseren Politikern auf den Leim, welche die Dreistigkeit besitzen und allen Ernstes behaupten, es handele sich um Effekte eines ungeregelten Marktes, der im Finanzsektor seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr existiert!

  • 17.10.2011, 17:09 UhrAnonymer Benutzer: August der Starke

    Nicht die Staaten müssen sich verschulden, nein die Staaten müssen
    die bangster lehren, dass sie für Verbrechen bestraft werden.
    Entweder die Kanacken werden liefern und zwar alles was sie durch die Zockerei veruntreut haben, oder Sie werden verstaatlicht, saniert und geschlossen. Sie Vorstände und die Mitverantwortlichen
    "Kreativkräfte" die hier am Werke waren, werden weggeschlossen,
    für immer. in USA kann man vielleicht sogar über die Todesstrafe
    für diese Verbrechen nachdenken, oder man greift zur Lynchjustiz,
    anders gehts nicht mehr.

  • 16.10.2011, 22:40 UhrAnonymer Benutzer: Seismograph

    Die privaten Großbanken versuchen seit vielen Jahren mit einem Minimum an Eigenkapital den größtmöglichen Gewinn zu machen und gehen dabei auch Risiken ein, die sie eigentlich nicht eingehen sollten.
    Die Gewinne werden dann gerne mitgenommen, aber wenn es schief geht oder sogar eine Großbank in Schieflage kommt, dann muss der liebe Staat helfen, also wir Steuerzahler.

    Würden sich banken korrekt und so verhalten wie jeder mittelständische Unternehmer, würden sie die Risiken in Grenzen halten, auf etwas Gewinn verzichten und würden ihre Geschäfte mit genügend Eigenkapital unterlegen. Dass sie das aber nicht freiwillig tun, sondern der Staat verbindliche Mindestvorgaben machen muss, spricht für sich. Es werden dann auch nur diese Mindestvorgaben eingehalten, nicht mehr.

    Dass verschärfte Eigenkapitalvorschriften nach 2008 erlassen wurden, aber erst 2019 in Kraft treten sollten, war und ist ein Witz. Es muss jetzt viel schneller gehen, auch mit weiteren Regulierungen der Finanzmärkte, wobei hier auch die USA und Großbritannien im bremserhäuschen sitzen.
    2008 wurden in Deutschland und weltweit banken von Staaten gerettet, was eine der Ursachen für die viel zu hohe Staatsverschuldung ist.

    Wenn man dann vor einigen Tagen in einer Fernseh-Talkrunde Politiker wie den finanzpolitischen Sprecher der FDP-bundestagsfraktion, Volker Wissing, hört, dann hat man große Zweifel, ob sich wirklich etwas ändert. ich bin sehr gespannt, was die Runde der Regierungschefs in einigen Tagen an angekündigter Gesamtlösung für die Eurozone präsentieren wird und ob es substanzielle Lösungswege sein werden. Deutschland hat es dabei gerade mit Frankreich, mit denen man sich ja immer einigen muss, sehr schwer.

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