
Jeden November findet in München die Internationale Edelmetall- und Rohstoffmesse statt. Wie schon seit Jahren, gab es auch dieses Mal wieder einen Besucherrekord. Einer von mehreren Stars unter den Referenten war der Börsenmakler Dirk Müller, der spätestens mit seinem Bestseller "Crashkurs" auch einem breiten Publikum bekannt sein dürfte. Er wagte sich mit einer These besonders weit: Die effektivste Lösung für die US-Finanzprobleme – Haushaltsdefizit, negative Leistungsbilanz, schwacher Dollar unter anderem - bestehe offensichtlich darin, dem amerikanischen Staat auf dieselbe Weise zu helfen wie den amerikanischen Unternehmen, nämlich mit Chapter 11. Das ist eine Spezialvorschrift des US-Insolvenzrechts, wonach marode Unternehmen Gläubigerschutz beantragen dürfen.
Wenn, wie geschehen, General Motors davon profitiert hat, warum dann nicht Uncle Sam insgesamt? So könnten die USA sich vom Großteil ihrer Schulden befreien, und die Gläubiger unter Führung von China und weiteren Inhabern amerikanischer Staatsanleihen wären froh, überhaupt noch etwas von ihren Forderungen übrig behalten zu dürfen. Warum froh? Ganz einfach: Wie das Beispiel GM gezeigt hat, braucht man die Gläubiger nur lange genug in der Erwartung schmoren zu lassen, sie dürften ihre Forderungen bei einer endgültigen Insolvenz total verlieren, und schon freuen sie sich, wenigstens einen Teil davon retten zu können.
Dramatischer Dollar-Verfall
Dass solche Überlegungen alles andere als absurd sind, lässt sich am Dollar-Verfall in den vergangenen Jahren ablesen, gemessen in Euro und erst recht in Gold. Üblicherweise schauen Anleger, wenn sie das Verhältnis des Dollars zum Euro erfahren wollen, auf die Kurve, die den Euro in Dollar abbildet, zurzeit also Werte um 1,50. Weniger üblich, aber mindestens ebenso aussagefähig ist die umgekehrte Betrachtung: Der Dollar hat, gemessen an der Parität von 1 zu 1, gegenüber dem Euro ein Drittel an Kaufkraft verloren.
Viel dramatischer hat sich das Verhältnis des Dollars zum Gold entwickelt. Hier besteht – analog zum Euro-Dollar-Verhältnis - die übliche Betrachtungsweise darin, dass man den Goldpreis (je Feinunze, entspricht abgerundet 31,1 Gramm) in Dollar misst; das sind zurzeit Werte etwas mehr als 1100 Dollar. Besonders interessant ist nun der reziproke Wert, also der Dollar gemessen in Gold. Ausgehend vom Zeitpunkt, als Dollar und Euro pari waren (Ende 2002 beim damaligen Preis von zirka 350 Dollar je Feinunze Gold), bedeutet das: Der Dollar hat seitdem gegenüber dem Gold mehr als zwei Drittel an Kaufkraft eingebüßt. Schade nur, dass diese Betrachtungsweise einschließlich der zugehörigen Charts überwiegend in Insiderkreisen verbreitet ist.








